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Vorsicht! Die Eichenprozessionsspinner-Raupen sind geschlüpft

Es ist wieder so weit, die Raupen des Eichenprozessionsspinners krabbeln im Park. Der Kontakt mit ihren kleinen Brennhaaren kann zu schweren Haut- und Atemwegsreizungen führen. Wir zeigen dir, was du im Notfall am besten machst und wie du auch deinem Hund helfen kannst.
Raupen des Eichenprozessionsspinners kriechen auf einem Baumstamm unweit der Revierförsterei Krämerpfuhl (bei Wolfslake), aufgenommen am Donnerstag (31.05.2007). Wegen des warmen Aprils hat sich der auch für den Menschen schädliche Eichenprozessionsspinner stark vermehrt. Die Raupen übertragen ein Nesselgift, das Haut-, Augenreizungen, Atemwegsprobleme, Fieber und Schwindel auslösen kann. In den Wäldern der Forstämter Alt Ruppin und Belzig werden einzelne Waldgebiete gesperrt und auch aus der Luft mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Foto: Bernd Settnik dpa/lbn +++(c) dpa - Report+++ | Verwendung weltweit

Das Wichtigste zum Thema Eichenprozessionsspinner

  • Der ungefährliche Nachtfalter legt seine Eier am liebsten - das verrät schon der Name - an Eichen ab. Aber auch Kiefern- und Hainbuchenwälder oder andere freistehende Bäume an sonnigen Plätzen können befallen sein.

  • Die Raupe schlüpft im Mai. Tagsüber drängen sie sich zumeist am Boden, nachts wandern sie - wie bei einer Prozession dicht hintereinanderher - auf den Baum. Nicht selten sorgen die Raupen mit dem markanten dunklen Rückenstreifen für einen kompletten Kahlfrass des Wirtsbaumes.

  • Achtung, schmerzhaft: Jede der Raupen hat bis zu 600.000 Brennhaare mit winzigen Widerhaken. Sie enthalten ein Eiweißgift (Thaumetopoein) und können eine sogenannte Raupendermatitis mit stark juckenden und schmerzhaften Pusteln und Quaddeln auslösen. Weitere Symptome: Bindehautentzündung, Atemwegsreizung, Asthma und im schlimmsten Fall ein allergischer Schock.

  • Dafür muss du die Raupe nicht einmal berühren: Die Härchen verteilen sich über die Luft, teils mehrere hundert Meter weit. Das heißt: Befallene Stellen weiträumig meiden!

  • Der Eichenprozessionsspinner war ursprünglich auf der iberischen Halbinsel beheimatet. Durch die immer wärmer werdenden Sommer kann er mittlerweile auch bei uns überleben.

Mehr als ein Sommerloch-Thema?

"Ja", sagt Hanns-Karl Ganser, Förster und ehemaliger Forstamtsleiter in Kleve: "Das ist kein unnötig aufgebauschtes Thema! Tatsächlich nimmt der Befall des Eichenprozessionsspinners in Deutschland von Jahr zu Jahr ganz erheblich zu. Besonders extrem war es 2018 und 2019."

Vor rund 10 Jahren sei die Raupe bei uns noch weitgehend unbekannt gewesen, so Ganser. Doch wegen der ansteigenden Temperaturen nehme auch die Verbreitung des Eichenprozessionsspinners zu.

Mittlerweile sind der Nachtfalter und seine gefährlichen Raupen von Süd- über Mitteleuropa bis nach Südrussland vorgedrungen.

Hilfe, ich habe die Brennhaare berührt

Keine Panik, lebensgefährlich ist das nicht. Unbehandelt heilen die sogenannten pseudo-allergischen Hautreaktionen nach 1 bis 2 Wochen ab. Bei starkem Juckreiz können Cortisonpräparate und Antihistaminika helfen.

Wichtig: Sämtliche Kleidung, die mit Brennhaaren in Kontakt gekommen sein könnte, muss gewaschen werden.

Schild Warnung Eichenprozessionsspinner

© picture alliance / Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/ZB

Und was ist mit Hund, Katze und Pferd?

Zum Tierarzt bringen - vor allem, wenn der Hund die Brennhaare eingeschnüffelt hat. Dann droht eine starke Reizung der Atemwege. Werden die Härchen mit dem Fell eingesammelt, kommt es zwar nicht direkt zu einer allergischen Reaktion. Aber sobald er sich ableckt, schwillt die Schleimhaut im Maul an - und die Verdauung leidet.

Bei Katzen sind die Symptome ähnlich. Pferde leiden noch stärker: Ihr Maul, die Nüstern und die Gliedmaßen schwellen stark an.

Der Tierarzt kann eine Infusion und gegebenenfalls Cortison geben. Zudem muss das Fell gründlich mit warmem Wasser gereinigt werden.

Eichenprozessionsspinner Auswirkung Hunde

© GettyImages

Achtung! Das ist bei einem Befall zu beachten

  • Auf keinen Fall sollte man versuchen die Tiere oder ihre Nester selber zu entfernen. Informiere das örtliche Veterinär- oder Ordnungsamt, die Stadtverwaltung oder das Gesundheitsamt.

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    Durch Herumstochern im Nest oder einem Angriff mit Wasser können sich die Brennhaare verteilen.

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    Eine umweltverträgliche Bekämpfungsmethode gibt es bisher nicht. Daher muss immer abgewogen werden, wie gefährlich der Befall an einem bestimmten Ort ist - und wie schützenswert die Natur ist.

  • Oft werden Waldstücke, Parkanlagen, Freibäder oder Spielplätze gesperrt, bis die Tiere beseitigt wurden.

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    Dafür rücken Kammerjäger oder Baumpflegebetriebe in Ganzkörperanzügen und mit Insektiziden an. Meist werden die Nester mit einer Art Kleber eingekapselt und anschließend abgesaugt.

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    Alternativ ließen sich die Raupen, so Umweltverbände, auch nur absaugen. Allerdings ist diese Methode aufwändiger. Und es besteht die Gefahr, dass sich Brennhaare verteilen, ehe das Nest komplett entfernt wurde.

Im Einsatz gegen den Eichenprozessionsspinner

Ein Mitarbeiter einer Spezialfirma saugt die Raupen des Eichenprozessionsspinners mit einem Staubsauger ab. In den letzten Jahren haben es Waldarbeiter noch mit Abflämmen versucht.

Chemie kommt auch zum Einsatz, weil ...

... die Raupen des Eichenprozessionsspinners kaum natürliche Feinde haben: eigentlich nur Schlupfwespen, Raupenfliegen und räuberische Käfer.

Immer wieder heißt es, dass der Kuckuck immun gegen das Gift ist und die behaarten Tiere frisst. Doch offenbar würgt er sie anschließend wieder heraus. So gut schmecken sie ihm wohl doch nicht.

Aktuell werden Meisen und Rotkehlchen auf Eichenprozessionsspinner angesetzt. Dafür werden an befallenen Bäumen Nistkästen angebracht, erzählt Förster Hanns-Karl Ganser. Bisher sei das aber nur ein Versuch.

Ab Ende Juni beginnen die Raupen sich zu entpuppen. Sobald der Nachtfalter geschlüpft ist, ist der (giftige) Spuk vorbei. Denn er hat keine Brennhaare und ist absolut ungefährlich.

Veröffentlicht: 06.05.2020 / Autor: Christian Aichner