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Faultier im Baum

Faultiere: Sind sie wirklich so faul oder einfach nur langsam?

Abhängen, schlafen, fressen - alles macht das Faultier in Zeitlupe. Doch hinter so viel Langsamkeit steckt ein unglaublich cleveres Energiespar-System. Alles über das langsame Leben der Faultiere erfährst du hier. Im Video: Darum könnten Faultiere auch bald unser Leben retten.
Faultiere: Sind sie wirklich so faul oder einfach nur langsam?
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Faultier: Steckbrief und Fakten zum langsamsten Säugetier der Welt

  • Systematik: Faultiere sind Säugetiere, sie gehören zur Überordnung der Nebengelenktiere und zur Ordnung der Zahnarmen.

  • Arten: Die Unterordnung Faultiere teilt sich wiederum in 2 Familien: die Dreifinger-Faultiere (Bradypodidae), zu denen das Kragenfaultier, das Braunkehl-Faultier, das Weißkehl-Faultier und das Zwergfaultier zählen, sowie die Zweifinger-Faultiere (Choloepidae), deren Familie die Arten Eigentliches Zweifinger-Faultier und Hoffmann-Zweifinger-Faultier umfasst.

  • Größe und Gewicht: Dreifinger-Faultiere sind etwa 50 Zentimeter lang und bis 5 Kilogramm schwer, die größeren Zweifinger-Faultiere werden bis zu 75 Zentimeter lang und bis zu 9 Kilogramm schwer.

  • Alter: 51 Jahre alt wurde Paula aus dem Bergzoo Halle - und gilt damit als das älteste, in Gefangenschaft lebende Faultier. Das bisher älteste in der Natur eingefangene Tier war 12 Jahre alt. Forscher:innen vermuten, dass die Tiere rund 30 Jahre alt werden können.

  • Verbreitung und Lebensraum: Faultiere leben in den Regenwäldern Mittel- und Südamerikas. Hier befindet sich auch die größte Faultier-Auffangstation der Welt.

  • Nahrung: Faultiere sind Vegetarier, sie ernähren sich von Blättern, Blüten, Trieben und Früchten. Dreifinger-Faultiere fressen nur vom Ameisenbaum, Zweifinger-Faultiere sind unkomplizierter und fressen auch die Blätter, Blüten und Triebe einiger anderer Bäume.

  • Feinde: Die natürlichen Feinde der Faultiere sind Raubkatzen, Greifvögel und Schlangen.

  • Zehen: Alle Faultiere besitzen an den Hinterbeinen nur 3 Zehen.

  • Finger und Krallen: Dreifinger-Faultiere haben an den vorderen Gliedmaßen je 3 Finger, Zweifinger-Faultiere je 2 Finger. Mit 10 Zentimeter langen, gebogenen Krallen, die wie Haken funktionieren, hängen sie stundenlang an Ästen.

  • Fell: Auch Regen bringt das Faultier nicht aus der Ruhe. Dank eines speziellen Fellwuchses lässt es ihn ganz locker abtropfen.

  • Schlaf: Zoo-Faultiere schlafen bis zu 20 Stunden täglich. In freier Wildbahn sind es dagegen nur knapp 16 Stunden, und damit schlafen sie weniger als die immer müden Koalas.

Besonderheiten: Faultiere sind nicht faul, sondern gut angepasst

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    Faultiere sind nicht faul, sondern nur langsam. Sie führen ein Leben im Energiesparmodus, ähnlich wie Grottenolme und besetzen damit eine ökologische Nische. Wie clever die ist, erklären wir jetzt.

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    Aus dem Staub machen kann sich ein Faultier nicht. Das Dreifinger-Faultier bewegt sich mit einer maximalen Geschwindigkeit von 4 Metern pro Minute fort, also 1/4 Kilometer pro Stunde. Die langsamen Bewegungen bieten einen Schutz vor Raubtieren, denn diese nehmen das Faultier gar nicht als Beute wahr. Aber: Im Wasser sind sie 3-mal so schnell wie an Land.

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    Anatomisch perfekt ist der Körperbau der Tiere. Dank sehr langer Arme, aber extrem kurzer, frei beweglicher Schulterblätter besitzen Faultiere einen maximalen Bewegungsradius.

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    Ihren Kopf können die Tiere um 270 Grad drehen. Möglich macht das eine verlängerte Halswirbelsäule. So erreichen sie mehr Nahrung - ohne großen Aufwand.

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    Heizung: Faultiere fahren nachts oder beim Schlafen ihre Körpertemperatur von 33 Grad um 10 Grad runter. Auch das spart Energie - und ist für ein Säugetier sehr ungewöhnlich.

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    Faultiere haben sich clever an ihre besonderen Lebensbedingungen angepasst: Sie bewegen sich langsam, verbrauchen wenig Energie und werden so mit dem kalorienarmen Grünfutter ausreichend versorgt. Und von diesem sind sie immer reichlich umgeben, ohne sich viel bewegen zu müssen.

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    Auf Dauer-Diät: Das Faultier besitzt das langsamste Verdauungssystem aller Säugetiere. Pro Tag isst es nur eine Handvoll Blätter, die um die 150 Stunden, also 6 bis 7 Tage, im Magen bleiben. Heißt: Die leichte Kost erlaubt gar keine schnellen Bewegungen.

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    Abwärts: Das Zweifinger-Faultier lässt seine Exkremente einfach vom Baum fallen. Das Dreifinger-Faultier wandert nur zirka alle 7 Tage vom Baum, um sich zu erleichtern. Dort warten nämlich Fress-Feinde: Für die Hälfte der Faultiere endet so ein Toilettenbesuch tödlich.

Faultiere, Motten und Algen: eine clevere Symbiose

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    Zwischen dem Dreifinger-Faultier und Motten herrscht eine ziemlich spannende Symbiose. Wenn sich ein Dreifinger-Faultier am Boden erleichtert, legen Motten ihre Eier im Kot ab: Hier schlüpfen ihre Larven und ernähren sich.

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    Später leben die Motten wiederum im Fell des Faultieres. Dort produzieren sie chemische Substanzen wie Stickstoffverbindungen, die das Algen-Wachstum im Fell eines Faultiers ankurbeln.

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    Algen - eine nährstoffreiche Zusatznahrung - frisst das Faultier. Übrigens stammt von den Algen auch die grünliche Farbe des Faultier-Pelzes - eine perfekte Tarnung zwischen den Blätterkronen im Dschungel.

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    Wusstest du, dass im Faultierfell sogar Mikroorganismen zu finden sind, aus denen Antibiotika hergestellt werden kann.

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    Im Gegensatz zum Faultier findest du Motten nicht so toll? Wir verraten dir, was du gegen einen Mottenbefall tun kannst. 

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Keime im menschlichen Körper lassen sich immer seltener mit vorhandenen Antibiotika bekämpfen. Die Lösung für dieses Problem hängt im Regenwald von Panama: Im Fell von Faultieren.

Slow Sex: So pflanzen sich Faultiere fort

Auch beim Sex geht's langsam zur Sache. Das Weibchen lockt mit schrillen Schreien das Männchen an. Doch in freier Wildbahn kann es bis zu 3 Tage dauern, bis das Männchen sein Weibchen gefunden hat. Generell ist das Verhalten der Tiere bei der Fortpflanzung wenig erforscht. Forschende nehmen an, dass sich Zweifinger-Faultiere das ganze Jahr über fortpflanzen können, Dreifinger-Faultiere haben eine feste Paarungszeit. In dieser Zeit geben sie Laute von sich, die wie "Ai" klingen - diesem Laut verdanken sie auch ihren Trivialnamen "Ai".

Die Paarung der Faultiere erfolgt in der typischen hängenden Lebensweise, anschließend zieht das Männchen sich zurück, während im Bauch des Weibchens ein Jungtier heranwächst. Nach einer Tragezeit von 3 bis 4,5 Monaten bei den Dreifinger-Faultieren und 8 bis 9 Monaten bei den Zweifinger-Faultieren bringt das Faultier-Weibchen im Baum hängend ein Faultier-Baby zur Welt.

Zwei Faultiere im Baum


Faultiere verbringen die meiste Zeit ihres Lebens in den Ästen großer Bäume.
© Getty Images

Das Faultier-Baby lebt monatelang am Bauch der Mutter. Es wird etwa 2 Monate lang gesäugt, kann jedoch nach einigen Wochen schon selbst fressen. Im Alter von 9 Monaten ist es stark genug, um sich alleine an den Bäumen festzukrallen und verlässt die Mutter. Die Geschlechtsreife tritt im Alter von 2,5 bis 3 Jahren ein.

Warum lächeln Faultiere?

🙊 Der Eindruck täuscht: Faultiere sehen zwar aus, als würden sie immer lächeln, aber dem ist nicht so - ihre Gesichtsmuskulatur ist so schwach ausgebildet, dass sie ihre Mimik kaum steuern können.

Ist das Faultier bedroht?

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    Der Mensch stellt eine Bedrohung für die Faultiere dar, denn durch die Rodung des tropischen Regenwaldes wird den Faultieren der Lebensraum genommen. Aufgrund ihrer langsamen Fortbewegung schaffen sie es nicht wegzulaufen und sind leichte Beute für den Menschen und Fressfeinde.

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    Ein weiteres Problem ist der illegale Handel mit den Tieren: Vor allem Jungtiere werden gerne als Haustiere verkauft oder den Tourist:innen auf den Märkten zum Fotografieren angeboten.

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    Die kolumbianische Natur- und Tierschutzorganisation Aiunau ruft jeden 3. Samstag im Oktober zum Welt-Faultiertag auf, um auf die Bedrohung der Faultiere aufmerksam zu machen.

Alles Wissenswerte zu den Faultieren auf einen Blick

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    Wo leben Faultiere?

    Faultiere leben ausschließlich in Mittel- und Südamerika, wo sie sich bevorzugt in den Baumkronen der tropischen Regenwälder aufhalten.

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    Wie schnell ist ein Faultier?

    Faultiere bewegen sich sehr langsam und legen maximal 4 Meter in einer Minute zurück, das entspricht einer Geschwindigkeit von 250 Metern pro Stunde. Im Wasser sind sie jedoch deutlich schneller und können die dreifache Geschwindigkeit erreichen.

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    Wie alt werden Faultiere?

    Die genaue Lebenserwartung der Faultiere in freier Wildbahn ist nicht bekannt, das älteste in der Natur gefangene Tier war 12 Jahre alt. Forscher:innen schätzen die Lebenserwartung der Tiere auf etwa 30 Jahre. Das älteste bekannte Faultier erreichte ein Alter von 51 Jahren und lebte im Bergzoo in Halle.

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    Wie lange schläft ein Faultier am Tag?

    Faultiere schlafen in freier Wildbahn etwa 16 Stunden täglich, im Zoo lebende Tiere schlafen bis zu 20 Stunden täglich.

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    Was essen Faultiere?

    Faultiere sind Vegetarier und leben von pflanzlicher Nahrung. Dreifinger-Faultiere fressen nur die Blätter, Blüten, Triebe und Früchte des Ameisenbaumes, während sich Zweifinger-Faultiere ihre Nahrung auch an anderen Bäumen suchen.

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    Warum sind Faultiere so langsam?

    Die Nahrung der Faultiere besteht hauptsächlich aus Blättern und  liefert den Tieren wenig Energie. Diesem Umstand hat sich das Faultier angepasst, es bewegt sich langsam und verbraucht wenig Energie. So wird es mit der energiearmen pflanzlichen Nahrung ausreichend versorgt.

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    Warum lächeln Faultiere?

    Es sieht nur so aus, als würde das Faultier immer lächeln. Tatsächlich ist seine Gesichtsmuskulatur so schwach ausgeprägt, dass es seine Mimik kaum steuern kann.

Veröffentlicht: 16.12.2021 / Autorin: Anna Kaltenhauser