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Fleisch und Eier mit gutem Gewissen kaufen? Das ist ganz einfach

Fleisch aus Massentierhaltung will keiner und essen viele. Wie du jetzt beim Einkauf erkennst, wo es herkommt - und welche Alternativen es gibt. Im Video: Ist Discounter-Fleisch so schlecht wie sein Ruf?
Teaserbild: Fleisch und Eier mit gutem Gewissen kaufen? Das ist ganz einfach

Das Wichtigste zum Thema Massentierhaltung

  • Der Großteil der tierischen Produkte in unseren Supermärkten stammt aus Massentierhaltung. Bio-Schweinefleisch? Weniger als ein Prozent.

  • 80 Prozent aller Weide- und Ackerflächen weltweit werden für Tierhaltung und Anbau von deren Futter genutzt.

  • 18 Prozent aller Treibhausemissionen kommen aus der Nutztierhaltung.

  • Laut einer Umfrage des Bundeslandwirtschaftsministeriums von 2016 sind 88 Prozent der Deutschen bereit, mehr für Fleisch auszugeben, wenn die Tiere besser gehalten werden.

  • Seit die Hersteller kennzeichnen müssen, wie die Legehennen gehalten wurden, greifen viel weniger Käufer zu Eiern aus Käfighaltung.

  • Was heißt Masse? Bei Geflügel bedeutet das rund 40.000 Tiere in einem Betrieb, bei Mastschweinen 2.500, bei Sauen 750 und bei Rindern 600.

Was bedeuten die Labels auf dem Supermarkt-Fleisch?

  • 🔎

    In einigen Supermärkten kannst du jetzt sehen, wie die verarbeiteten Tiere aufgewachsen sind. Das Tierwohl-Kennzeichen "Haltungsform" hat 4 Stufen und das bedeuten sie.

  • 1️⃣

    Stufe 1: Stallhaltung: Die Tierhaltung entspricht dem gesetzlichen Standard, aber mehr nicht.

  • 2️⃣

    Stufe 2: Stallhaltung Plus: Besser als die gesetzlichen Standards. Dazu zählt Fleisch aus Betrieben der Initiative Tierwohl, wo die Tiere mindestens 10 Prozent mehr Platz im Stall haben und zusätzliches "Beschäftigungsmaterial" – bei Hühnern etwa Stroh, Heu oder Picksteine.

  • 3️⃣

    Stufe 3: Außenklima: Entspricht zum Beispiel den Richtlinien des Fachverbands Neuland: Futtermittel werden ohne Gentechnik produziert, die Tiere haben mehr Platz im Stall und sind auch mal draußen.

  • 4️⃣

    Stufe 4: Premium: Die höchste Stufe entspricht den Anforderungen der EU-Öko-Verordnung. Die Tiere werden artgerecht gehalten, haben Auslauf oder Weidegang, sitzen nicht nur in Käfigen oder auf Spaltenböden und bekommen Antibiotika nicht präventiv.

Es geht auch anders: Ideen gegen Massentierhaltung

  • 🐣

    Eier mit gutem Gewissen: Bei der "Bruderhahn"-Initiative zahlst etwas mehr für die Eier, dafür garantierst du, dass auch die männlichen Küken aufgezogen werden.

  • 🐄

    Crowd-Butchering: Auch "Cow-Sharing" genannt: Übers Internet bestellst du ein Fleischpaket eines bestimmten Tiers, das geschlachtet wird, sobald alle Fleischteile verkauft sind, zum Beispiel über KaufneKuh.de oder MeinekleineFarm.org

  • 🍽

    Farm to Table: Ein Gastro-Trend, bei dem Restaurants mit Erzeugern zusammenarbeiten. Als Gast weißt du so genau, wo dein Schnitzel herkommt.

  • 🌲

    Raus aus dem Stall: Bauern lassen Tiere jetzt auch auf Obstwiesen, in Wäldern, Weinbergen oder sogar zwischen Solar-Anlagen weiden. Clever!

  • 🍔

    Laborfleisch: Mit gezüchtetem künstlichem "Fleisch" wollen Biotechnologen das Bedürfnis nach Burger und Co. stillen.

Was wäre, wenn es eine Fleischsteuer gäbe?

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Die Politik diskutiert über höhere Fleischpreise. Kommt also bald eine Fleischsteuer? Wir stellen euch 3 Modelle vor, die die Tierhaltung in Zukunft verändern könnten.

Wovon reden die da eigentlich? Vokabeln zum Thema "Massentierhaltung"

  • 💬

    Kupieren: Fachbegriff für das Kürzen eines Schwanzes beim Tier. In Deutschland bekommen rund 95 Prozent der Ferkel ihre Schwänze gestutzt - ohne Betäubung.

  • 💬

    Intensivtierhaltung: Der Begriff wird etwa von der Agrarindustrie lieber verwendet als Massentierhaltung, weil er weniger negativ klingt.

  • 💬

    Kastenstand: Ein Tier in einer Box. Die Fixierung von Sauen in Einzelkäfigen ist bei uns weit verbreitet, in Schweden und der Schweiz ist der Kastenstand dagegen seit langem verboten

  • 💬

    Eintagsküken: Küken, die nicht älter als einen Tag sind. Die meisten männlichen Tiere werden nach dem Schlüpfen getötet.

  • 💬

    Hybridhuhn: Ein speziell für die Geflügelproduktion gezüchtetes Huhn, das viele Eier legen oder besonders viel Fleisch ansetzen soll.

Wann hört das Kükenschreddern endlich auf?

© picture alliance/Mary Evans Picture Library

 

Rund 45 Millionen männliche Küken werden in Deutschland jedes Jahr direkt nach dem Schlüpfen getötet. Sie legen keine Eier und die Rasse setzt nicht genug Fleisch an, um später als Hähnchenfleisch auf dem Teller zu landen.

Das Bundesverfassungsgericht bestätigte das Verfahren als rechtmäßig - aber nur vorübergehend. Sobald sich bereits vor dem Schlüpfen feststellen lässt, welches Geschlecht das Küken hat, soll das Schreddern aufhören. Männliche Küken schlüpfen dann gar nicht erst.

Das ist bereits möglich: Forscher haben ein Verfahren entwickelt, bei dem sich das Geschlecht der Tiere bereits "in ovo", also im Ei, feststellen lässt. Jetzt müssen die Verfahren nur noch massentauglich gemacht werden. In der Politik haben Deutschland und Frankreich vereinbart, beim Ausstieg aus dem Kükenschreddern gemeinsam vorzugehen. Ziel ist es, den Stopp bis Ende 2021 zu erreichen.

Mehr dazu, wie das Kükentöten gestoppt werden soll, erfährst du hier. 

Das sind die größten Probleme der Massentierhaltung

  • 🐷

    Viel zu viele Tiere auf zu wenig Raum. Beispiel Masthühner: Pro Quadratmeter sind 33 Kilo Gesamtgewicht erlaubt - das sind ungefähr 20 Hühner.

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    Sie leben nicht ihren Bedürfnisse entsprechend. Ihnen fehlen Bewegung, Ruhemöglichkeiten und die natürliche Futtersuche.

  • 🐷

    Die Tiere werden an die Haltungsform angepasst - zum Beispiel indem Schnäbel, Zähne oder Schwänze gekürzt werden.

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    Sie werden häufig krank und bekommen Antibiotika, oft auch präventiv. Jährlich bekommen Tiere etwa 131.000 Tonnen Antibiotika - etwa doppelt so viel wie bei uns Menschen.

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    Die Folgen für die Umwelt: Hoher Wasserverbrauch, große Anbauflächen für das Futter, Methangase aus der Rinderzucht schaden dem Klima und Nitrate aus der Tierhaltung gelangen ins Grundwasser.

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    Nottötungen in der Mast: Jedes fünfte in Deutschland für die Fleischindustrie geborene Schwein erreicht den Schlachthof nicht, weil es vorher krank und daraufhin getötet wird.

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    Zu wenig Kontrollen: Die meisten Verstöße gegen das Tierwohl dringen nur durch heimliche, illegale Aufnahmen von Tierschützern an die Öffentlichkeit.

Veröffentlicht: 07.10.2020 / Autor: Ischta Lehmann