Themenseiten-Hintergrund

Gurkenwasser statt Streusalz: Die umweltfreundliche Glatteis-Lösung

Revolution im Kampf gegen das Eis: Künftig sollen unsere Straßen mit Gurkenwasser eisfrei werden. Wie das funktioniert, erfährst du hier.

Das Wichtigste zum Thema Gurkenwasser gegen Glatteis

  • In Deutschland werden jährlich etwa 1,5 Millionen Tonnen Streusalz zur Bekämpfung von Glatteis benötigt. In harten Wintern können es aber auch über vier Millionen Tonnen sein.

  • Doch Streusalz schadet der Umwelt. Besonders Bäume, Pflanzen und Gewässer werden dadurch belastet.

  • Umweltfreundlichere Lösung: Gurkenwasser. Das bei der Produktion von Salzgurken übrig bleibende Salzwasser wird normalerweise als Abfallprodukt entsorgt. In Bayern wird es nun in einem Pilotprojekt recycelt und als Streumittel eingesetzt.

  • Mit Hilfe des recycelten Streumittels können laut Bayerischem Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr in diesem Winter bis zu 700 Tonnen Salz und bis zu 4,9 Millionen Liter Wasser gespart werden.

So kommt das Gurkenwasser auf die vereiste Straße

  • 🥒

    Bei der Firma Develey in Dingolfing werden in 1.000 Silos Salzgurken produziert. Dazu werden die Gurken etwa zwei Monate lang in einer Salzlake eingelegt. Das in den Silos übrig bleibende Salzwasser wird normalerweise geklärt und als Abfallprodukt entsorgt.

  • 💧

    Um das Gurkenwasser ab diesem Winter als Streumittel nutzen zu können, wird es weiterverarbeitet: Für den Einsatz im Winterdienst ist sein Salz-Gehalt zu gering. Dafür benötigt es einen Natriumchlorid-Anteil von 21 Prozent. Der Salz-Gehalt im Gurkenwasser von Develey muss deshalb nahezu verdoppelt werden.

  • 🚚

    Anschließend wird es den Autobahn- und Straßenmeistereien je nach Bedarf zur Verfügung gestellt. Bisher mussten diese ihr Streumittel in eigenen Anlagen selbst herstellen. Denn abhängig von den winterlichen Fahrbahnzuständen wird das Salz meist nicht als Trockensalz, sondern als Salz-Wasser-Gemisch (Sole) auf die Straßen gebracht.

  • 😷

    Aber was ist mit dem Geruch? Autofahrer werden die Umstellung auf das neue Streumittel kaum bemerken: Das Salzwasser wird vor der Umnutzung gereinigt. Bayerns Straßen werden in diesem Winter also nicht nach Gurkenwasser riechen.

Hilft die Gurkenwasser-Methode der Umwelt?

  • 👍

    Das Salzwasser aus der Gurkenproduktion wird nicht mehr entsorgt, sondern recycelt. Autobahn- und Straßenmeistereien müssen dadurch keine eigene Sole mehr herstellen.

  • 👎

    Die Streu-Methode bleibt grundsätzlich gleich: Es sickert weiterhin Salz in unsere Gewässer und Böden.

  • 🤓

    Die genaue Bilanz: Mit dem Pilotprojekt sollen 700 Tonnen Salz und fast fünf Millionen Liter Wasser gespart werden - von insgesamt 120 Millionen Liter Sole und 320.000 Tonnen Salz, die auf bayerischen Straßen im Winter zum Einsatz kommen.

Aber warum ist Streusalz eigentlich schädlich?

Das Streusalz gelangt über das Schmelzwasser in unsere Böden, Flüsse und Bäche. Und durch verspritzten Schnee oder Wasser landet es direkt auf Pflanzen am Straßenrand.

Laut Umweltbundesamt kommt es dadurch unter anderem zu äußerlich direkt erkennbaren Verätzungen der Pflanzen. Gravierender ist, dass das versickerte Streusalz über viele Jahre hinweg in unseren Böden verbleibt und sich dort zeitverzögert auf die Vegetation auswirkt. Ein erhöhter Salzgehalt im Boden kann unter anderem dazu führen, dass ...

  • ... in den Erdschichten enthaltene Nährstoffe ausgewaschen werden.
  • ... die Aufnahme von Nährstoffen und Wasser durch Pflanzen erschwert wird.
  • ... Feinwurzeln von Bäumen absterben, was einen Wassermangel und eine unzureichende Nährstoffversorgung der Bäume als Folge haben kann.
  • ... die Stabilität des Bodens beeinträchtigt wird.
  • ... Bodenlebewesen geschädigt werden.

Bleibt der Nährstoffmangel von Pflanzen und Bäumen längere Zeit bestehen, werden sie anfälliger für Krankheiten.

Aber auch Fahrzeuge und Bauwerke leiden unter der Nutzung von Streusalz, da es diese zersetzen kann. Besonders Denkmäler tragen große Schäden davon, weil das Salz nicht mehr aus ihrem Mauerwerk entfernt werden kann.

Kann sich das Gurkenwasser durchsetzen? Der bayerische Verkehrsminister Hans Reichert (CSU) steht hinter dem Pilotprojekt.

Veröffentlicht: 06.01.2020 / Autor: Carina Castrovillari

Noch mehr zum Staunen