Frau in der Holz-Abteilung im Baumarkt

Holzkrise: Was den nachhaltigen Rohstoff gerade so teuer macht

Vor allem bei größeren Bauprojekten steigen die Preise. Aber auch Verbraucher:innen merken es etwa im Baumarkt: Holz ist teurer als sonst oder teils gar nicht vorrätig. Wie erklärt sich die Knappheit des Rohstoffs? Ist ein Ende der Holzkrise in Sicht?
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Das Wichtigste zum Thema Holzkrise

  • Holz ist derzeit rekordverdächtig teuer. Vielleicht sind auch dir beim Werkeln schon die hohen Holz-Preise aufgefallen.

  • Ein Ende dieser sogenannten "Holzkrise" ist vorerst nicht in Sicht. Aber was steckt überhaupt hinter den hohen Preisen?

  • Und wie kommen wir wieder aus der internationalen Holzkrise raus? Welche Lösungen gibt es? Das und mehr erfährst du auf dieser Seite.

So äußert sich die Holzkrise

Deutschland ist zu rund einem Drittel mit Wald bedeckt. Trotzdem ist in den letzten Wochen und Monaten häufig von einem "Holzmangel" oder einer "Preisexplosion" beim Holz die Rede.

Tatsächlich merken sowohl die Säge-Industrie als auch das Handwerk, der Holzhandel und damit auch Verbraucher:innen: Holz - genauer: Schnittholz - ist derzeit ein begehrter und knapper Rohstoff, der teilweise sogar doppelt so teuer ist wie im vergangenen Jahr.

Für Bauprojekte wie Einfamilienhäuser etwa fallen wegen der Holzpreise im Vergleich zum Vorjahr ungefähr 20 bis 30 Prozent höhere Kosten an. Selbst für einzelne Holzlatten im Baumarkt wird oft deutlich mehr verlangt.

Generell sind Preis-Schwankungen in der Baubranche nicht ungewöhnlich. Die aktuellen Preisanstiege von Holz sind Fachleuten zufolge allerdings beispiellos. Einige befürchten gar eine Welle von zeitweise oder ganz gestoppten Bauvorhaben. Auch könnten die Immobilienpreise weiter steigen.

Zwar könnte sich die Lage in den nächsten Monaten schrittweise entspannen. Kurz- bis mittelfristig wird Holz aber wohl erst einmal teuer bleiben. Wann die Holzkrise vorbei ist, können auch Expert:innen noch schwer abschätzen.

Gründe für die Holzkrise

Zum einen steigt die Nachfrage nach Holz als nachhaltigem Rohstoff.

Zusätzlich hat vor allem der Bau-Boom in China und den USA einen großen Einfluss. Dort stecken viele Investor:innen ihr Geld in Zeiten niedriger Zinsen und diverser Konjunkturpakete in Immobilien, für deren Bau wiederum unter anderem Holz gebraucht wird.

Deutsches sowie generell mitteleuropäisches Holz ist daher international sehr gefragt. Und der Export lohnt sich: Auch weil die USA unter Ex-Präsident Donald Trump mit Kanada einen anderen Holz-Lieferanten durch hohe Einfuhrzölle verprellten, sind teils fast 3-fache Erlöse möglich.

Mehr Export bedeutet aber auch weniger Holz, um den Bedarf in Deutschland zu decken. Hier herrscht auch durch die Corona-Pandemie ebenfalls eine hohe Holz-Nachfrage. Zum Beispiel basteln viele Menschen im und am Haus, anstatt in den Urlaub zu fahren.

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So entwickelte sich der Holzpreis im vergangenen Jahrzehnt

Der Anstieg des internationale Holzpreises spiegelt sich auch an der Börse wider. Aktuell sind die Preise historisch hoch, wie ein Blick auf die Kurve des vergangenen Jahrzehnts zeigt:

Grafik: Entwicklung der internationalen Holzkrise


Nicht nur in Deutschland wird das Holz knapp - aufgrund der Handelsbeziehungen (zum Beispiel mit den USA) steigen die Holzpreise auch in anderen Ländern.
© Galileo

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Was gegen die Holzkrise helfen könnte

  • 🪓

    Einfach mehr abholzen und in den Markt bringen ist keine Lösung, denn eine Ausbeutung der Wälder ist nicht nachhaltig.

  • 🌎

    Viele Betriebe verfolgen bereits Export-Beschränkungen als Lösungsansatz: Sie liefern weniger bis gar kein Holz mehr in die USA, um den heimischen Handel abdecken zu können.

  • 🔥

    Bisher wird der Großteil von Altholz in Deutschland noch verbrannt und nicht recycelt. Dabei ist das Wiederverwerten von Holz eine gute Lösung gegen die Holzkrise:

  • ♻️

    Recycling: Aus Alt mach Neu - gehäckseltes Altholz kann bis zu 5 Mal als Möbel-Spanplatte wiederverwertet werden. So eine Spanplatte hält rund 15 Jahre - danach durchläuft sie erneut den Upcycling-Kreislauf.

  • 🌾

    Holz ersetzen - zum Beispiel durch das Material Resysta. Das Holz-Imitat besteht hauptsächlich aus Reishülsen, die bei der Reisernte sonst als Abfallprodukt übrigbleiben. Die Hülsen werden mit Steinsalz und Mineralöl pulverisiert und anschließend erhitzt und in Form gepresst.

  • 🏡

    Es gibt noch weitere Holz-Alternativen - wie Beton aus Essensresten (Chinakohl ist wohl besonders stabil), den Forscher:innen in Japan kürzlich entwickelten.

  • ⬆️

    Auch Ziegel aus Hanf kommen bereits zum Einsatz. Bambus ist ein sehr schnell nachwachsender und robuster Rohstoff.

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Re-Start für den deutschen Wald?

Die letzten Jahre haben ihre Spuren im Wald hinterlassen: Wegen Stürmen, Trockenheit und Borkenkäferbefall weist rund ein Drittel aller Bäume in Deutschland Schäden auf.

Das daraus entstehende Schadholz minderwertiger Qualität ließ den Holzpreis vor der aktuellen Holzkrise deutlich fallen.

In der jetzigen Krise liegt für den Wald daher sogar eine Chance. Durch die hohen Holzpreise haben Waldbesitzer:innen mehr Geld, das sie in nachhaltige Aufforstungen investieren können.

Denn ein guter Waldzustand ist wiederum eine wichtige Voraussetzung für eine funktionierende Forstwirtschaft. Extreme Gegenbeispiele wie etwa in Brasilien, wo teils ganze Wälder gerodet werden und vom Raubbau massiv bedroht sind, verdeutlichen das.

Wem gehört überhaupt der Wald?

Grafik: Wem gehört der Wald?


Hättest du's gedacht? Fast die Hälfte der Waldgebiete in Deutschland sind in Privatbesitz.

Veröffentlicht: 31.05.2021 / Autor: Galileo