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Horn ist wertvoller als Gold: Deshalb werden Nashörner gejagt

Nashörner werden brutal gejagt. Ihr Horn gilt in Asien als Wunderheilmittel und ist doppelt so wertvoll wie Gold. Deshalb werden die Wilderer immer gieriger.

Das Wichtigste zum Thema Wilderei von Nashörnern

  • Nashörner kommen in Afrika und Asien vor, sind jedoch vom Aussterben bedroht.

  • Der Grund: Wilderer. Der Preis für das Horn der Tiere ist oft doppelt so hoch wie Gold: 20.000 bis 60.000 US-Dollar pro Kilo.

  • Naturschutzgruppen wie der WWF schätzen: Die Händler setzen jedes Jahr zwischen 8 und 19 Milliarden Dollar um.

  • Größter Abnehmer ist Asien. Hier gilt das Horn als Heilmittel.

  • Ähnlich bedroht sind Elefanten wegen ihrer Stoßzähne aus Elfenbein.

Deshalb wird gewildert

In Asien, vor allem in China, zahlen Käufer Spitzenpreise, denn Nashornpulver gilt als Wundermittel gegen Entzündungen, Fieber und sogar Krebs. Was natürlich Quatsch ist, sagt auch die Wissenschaft! Das Horn der Nashörner besteht aus der gleichen Substanz wie unsere Fingernägel oder Haare - Keratin.

Vom Handel profitieren sowohl Privatleute als auch Regierungen. Denn die versuchen, den Handel mit Horn wieder zu legalisieren.

So grauenvoll gehen Wilderer vor

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    Mit Betäubungspfeilen, Armbrust-Bolzen oder Gewehren werden die Tiere zur Strecke gebracht. Auch Gift kommt zum Einsatz.

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    Dann entfernen die Wilderer die Hörner brutal mit Macheten oder Kettensägen. Ein Schnitt direkt unterhalb des Horns ist lässt es „wie von allein“ abbrechen.

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    Meist leben die Tiere bei der blutigen Prozedur noch, aber die Wildhüter kommen meist zu spät.

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    Oft sind die Wilderer bewaffnet und haben einen militärischen Hintergrund – Rebellengruppen, die häufig auch mit Drogen oder Menschen handeln.

Die Wilderei der Nashörner machte die Erfolge der Naturschützer der Jahre zuvor wieder zunichte. Südafrika ist Spitzenreiter: Fast 90 Prozent der Übergriffe geschehen hier. Wie der WWF beschreibt, fielen 2007 durchschnittlich 13 Tiere der Jagd zum Opfer, 2008 waren es schon 83 - Tendenz steigend!

Maßnahmen gegen die Wilderei

Nach einer Konvention der Vereinten Nationen ist der internationale Handel mit Nashornhörnern seit 1977 verboten – 2009 untersagte Südafrika auch den inländischen Handel, hob 2016 das Verbot allerdings wieder auf.

Eindämmung durch Legalisierung?

Die Hornhandel-Legalisierung ist seit Jahren heftiger Streitpunkt: Gegner befürchten den Anstieg der Nachfrage, wie es bei vorrübergehenden Lockerungen des Elfenbeinhandelsverbots der Fall war. Tierschützer finden die Vorstellung, Wildtiere zu Lieferanten einer nachwachsenden Ressource herabzustufen, absurd. Eine Einigung ist nicht in Sicht.

Ranger bezahlen mit ihrem Leben

Bei dem Kampf gegen die Wilderei sterben viele meist nicht so gut ausgerüstete Wildhüter. Mit allen Mitteln versuchen sie, die Tiere zu sichern. So zum Beispiel durch:

 

  • DNA-Proben: Die Proben können von Wilderern verkaufte Hörner mit getöteten Nashörnern in Verbindung bringen.
  • Farbstoff oder Gift in den Hörnern: Die Hörner sollen so für das organisierte Verbrechne unbrauchbar werden.
  • Hörner präventiv absägen: Leider wächst das Horn sehr schnell nach und die Betäubung belastet die Tiere.

Tierschützer bohren am im Phinda Naturschutzreservat (Südafrika) ein Loch in das Horn eines betäubten Breitmaulnashorns, um einen batteriebetriebenen Sender einzusetzen.

Das Ausmaß der Ausrottung

Bis 10.000 Jahre v. Chr. besiedelten historische Nashornarten sogar Teile Europas - darunter das Waldnashorn, Wollnashorn und Steppennashorn. Heute leben nur noch 5 Arten in Afrika und Asien:

 

  • Breitmaulnashorn
  • Spitzmaulnashorn
  • Sumatranashorn
  • Panzernashorn
  • Javanashorn

Wie katastrophal die Wilderei und Lebensraumzerstörung zuschlägt, zeigen die Bestandszahlen des Spitzmaulnashorns: Waren es in den 1970ern noch um die 65.000 Tiere weltweit, zeigt die Statistik heute nur noch um die 5.495.

Welche Tiere sind noch durch Wilderei vom Aussterben bedroht?

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    Ihre Stoßzähne aus Elfenbein sind ähnlich gefragt wie das Horn der Nashörner: Jährlich kommen in Afrika etwa 20.000 deshalb ums Leben.

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    Auch Haie und Rochen werden gejagt: Ihre Flossen gelten in vielen asiatischen Ländern als Potenzmittel.

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    Großkatzen werden vorrangig wegen ihrer Körperteile gejagt. Weil die Tiger-Population mittlerweile auf weniger als 4.000 geschrumpft ist, widmen sich Wilderer nun Löwen, Leoparden und Jaguaren.

  • 🦍

    In Afrika und Asien werden verschiedenste Affenarten für den Verzehr und den illegalen Handel mit sogenanntem "Buschfleisch" gejagt, darunter auch die hochbedrohten Gorillas und Schimpansen.

Veröffentlicht: 17.11.2019 / Autor: Gerda Naumann