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Hitzeresistente Algen und Musik: So wollen Forscher Korallenriffen helfen

Wo uns früher bunte Korallenriffe staunen ließen, gibt es heute meist nur noch graue Wüsten. Der Grund: die Korallen-Bleiche. Der richtige Sound und im Labor gezüchtete hitzeresistente Algen könnten Abhilfe schaffen. Wir zeigen, wie das funktionieren soll.
Korallenriff

Das Wichtigste zum Thema Korallenriffe

  • Die Klimaerwärmung, Überfischung und der steigende CO2-Spiegel in den Meeren setzen den Korallenriffen zu. Wie das genau geschieht, erfahrt ihr weiter unten.

  • Vor allem die steigenden Wassertemperaturen führen zur Korallen-Bleiche. Aus farbenfrohen Riffen werden graue Unterwasser-Friedhöfe.

  • Sonnencreme im Wasser verhindert zudem, dass Sonnenstrahlen in tiefere Bereiche des Meeres vordringen können. Korallen - beziehungsweise die in ihnen lebenden Algen - brauchen Licht zum Überleben.

  • Ohne Korallenriffe kippt das empfindliche Ökosystem in den Meeren. Der Grund: Sie sind der Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere.

  • Die Riffe bilden überdies ein natürliches Schutzschild. Ohne sie drohen Inseln wie die Malediven im Meer zu versinken.

Labor-Alge soll Korallen hitzeresistenter machen

Steigen die Wassertemperaturen, stoßen Korallen ihre nützlichen Mitbewohner ab und bleichen aus. Experten vermuten, dass das passiert, da die Algen bei höheren Temperaturen giftige Stoffe produzieren. Wenn sich keine neuen Algen niederlassen, stirbt die Koralle ab. Hitzeresistentere Algen könnten das Problem lösen, so die Idee von Forschern der Universität in Melbourne.

Sie versuchten daher, solche Algen zu züchten. So wird's gemacht: Die Algen werden von den Korallen entfernt und in speziellen Becken vermehrt. Dabei erhöhten die Forscher von Generation zu Generation leicht die Wassertemperatur - 4 Jahre lang. Auf diese Weise sollten die Nachkommen hitzeresistenter werden, da sie sich nach und nach anpassten. Man spricht von geleiteter Evolution.

Forscher hitzeresistente Algen

 

Die Forscher gaben die neuen Algen auf junge freischwimmende Korallenlarven - und zwar bei Temperaturen wie sie bei der Korallenbleiche im Great Barriere Reef herrschten. Das Ergebnis: Die hohen Temperaturen konnten der Korallen-Algen-Symbiose nichts ausmachen. 

Der Ansatz scheint erfolgversprechend. Ob er im Ozean auch funktioniert, ist aber noch unklar. Mehrere Fragen sind noch offen: Funktioniert das Ganze auch bei erwachsenen Korallen? Bleibt die Hitzeresistenz bestehen oder bildet sie sich nach einiger Zeit zurück? Verdrängen die gezüchteten Algen die natürlichen Symbionten?

Auf diesen Sound stehen Fische

Forscher haben entdeckt, dass die Akustik eines Korallenriffes entscheidend dafür ist, ob Fische sich dort ansiedeln. Also installierten sie Unterwasser-Lautsprecher in abgestorbenen Abschnitten des Great Barriere Reefs. Dann spielten sie die Geräusche eines belebten Korallenriffs ab.

Und es klappte: Nach 40 Tagen verdoppelte sich die Anzahl der Arten und Fische in diesem Bereich.

Timothy Gordon von der Universität Exeter in Großbritannien erklärt, wie's funktioniert.

Green Seven Hero: Die größte Korallenzucht der Welt

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Korallenriffe sterben durch den Klimawandel weltweit ab. Doch es gibt Hoffnung! Dan Burdano aus Florida arbeitet nämlich an einer Konstruktion, die helfen soll, dass sich Korallen vermehren. Doch wie funktioniert das Konzept des Meeresbiologen?

Warum verlieren Korallen ihre Farbe?

Darunter leiden die "Regenwälder der Weltmeere" im Detail

  • 🌍

    Durch den Klimawandel steigt die Temperatur des Meerwassers und führt zur Korallenbleiche. Zuerst verlieren die Unterwasserorganismen ihre Farbe, dann sterben sie ab.

  • 💨

    Die Ozeane sind außer Atem. Der Sauerstoffgehalt im Wasser nimmt rapide ab. Die Auslöser sind menschengemacht: Verbrennung fossiler Brennstoffe, Klimaerwärmung, Verschmutzung der Weltmeere.

  • 🎣

    Die Überfischung schadet ebenfalls. Bei der Schleppnetzfischerei werden große Netze am Meeresgrund entlanggezogen. Was zurückbleibt, ist eine Spur der Verwüstung. In einigen Regionen ist auch Fischen mit Dynamit oder Gift weiterhin erlaubt.

Noch mehr Ideen zur Rettung der Korallenriffe gibt's hier:

  • 👨‍⚕️

    Die "Coral Doctors" gehen auf den Malediven gegen das Korallensterben vor - mit Handarbeit: Aus gesunden Riffen werden Korallen-Ableger genommen und in die abgestorbenen Riffe eingesetzt. Sie helfen den bleichen Korallen bei der Regeneration.

  • 👨‍🔬

    In Hawaii arbeiten Forscher an einer neuen Super-Koralle. Das Ziel: Evolution im Schnelldurchlauf. Im Labor werden immer nur die widerstandsfähigsten Exemplare miteinander gekreuzt. Die globale Erwärmung oder ein hoher Säuregehalt in den Meeren können der Super-Koralle nichts anhaben.

  • 👷

    Alte Ölplattformen werden zu neuen Lebensräume für Meeres-Lebewesen. Der Abbau und die Entsorgung alter Plattformen ist aufwendig und teuer. Günstiger - und gut für die Umwelt - ist es, sie von schädlichen Materialien zu befreien und in künstliche Riffe umzuwandeln.

Voll im Trend: Korallenrot war die Farbe des Jahres 2019

Die Firma Pantone kürt jedes Jahr eine Farbe des Jahres. Der Sieger 2019: "Living Coral".

Veröffentlicht: 19.05.2020 / Autor: Franziska Schosser