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Orang-Utan mit rührender Geste? Das ist die Geschichte hinter diesem Foto

Diese Szene ging viral: Der Orang-Utan, der in Borneo seine Hand nach dem Mann im Fluss ausstreckt. Warum tut er das? Die Tierschutz-Organisation "Borneo Orang Utan Survival", die den Dschungel unterstützt, in dem sich die Szene abgespielt hat, gibt Antworten.

So entstand das Foto

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    Im Dschungel auf der indonesischen Insel Borneo (Kalimantan) befreite ein Mann den Fluss von Schlangen, um die dort lebenden Borneo Orang-Utans zu schützen.

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    Offenbar ganz zur Freude der Menschenaffen, denn einer von ihnen streckte die Hand nach dem Mann aus.

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    Der Hobby-Fotograf Anil Prabhakar hielt die Szene bei einem Besuch des Dschungels, der von der "Borneo Orangutan Survival Foundation" unterstützt wird, fest. Dann teilte er das Bild auf seinem Instagram-Account.

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    Die Organisation setzt sich für den Schutz der Menschenaffen ein. In zwei Rettungszentren in Indonesien nehmen die Tierschützer verwaiste Tiere auf, pflegen und rehabilitieren sie, um sie danach auszuwildern.

  • Wollte der Orang-Utan dem Mann aus dem Fluss helfen? War es eine Geste der Dankbarkeit? So sieht es auf den ersten Blick aus, oder? Was die "Borneo Orangutan Survival Foundation" dazu sagt, liest du weiter unten.

Dieser Post ging viral

Das steckt hinter dem rührenden Foto

© Copyrights Anil Prabhakar/ BOS Foundation

 

BOS Deutschland erzählt, was hinter dem Foto steckt: "Bei dem Orang-Utan handelt es sich um das Weibchen Anih, das im Juli 1992 von Bambi-Preisträger Willie Smits, einem der Gründer der BOS Foundation, gerettet wurde."

Sie ist ein Waise, ihre Mutter wurde vermutlich von Wilderern getötet. 

"Leider war Anih nicht in der Lage, in der langjährigen Rehabilitation bei BOS die Fähigkeiten zu erlernen, die Orang-Utans beherrschen müssen, um ausgewildert zu werden", sagt Daniel Merdes, Geschäftsführer von BOS Deutschland. "So wird sie ihr Leben lang auf menschliche Unterstützung angewiesen sein."

Anih kennt Syahrul schon seit Jahrzehnten

Das Affen-Weibchen kennt Syahrul, den Mann im Fluss, von klein auf. Er ist Mitglied der Organisation. Deswegen dürfte die Begegnung auch so freundschaftlich anmuten, teilt die Organisation mit.

Syahrul ist der Menschenaffen-Dame demnach einfach vertraut. Und sie habe über die Zeit auch gelernt, dass von ihm keine Gefahr ausgehe, sondern eher Hilfe - und
Nahrung.

"Anih hat möglicherweise einfach nach Essen gefragt", sagt Dr. Jamartin Sihirte, CEO der BOS Foundation. 

Warum ist der Orang-Utan so zutraulich? Das sagt Daniel Merdes, Geschäftsführer von BOS Deutschand e.V.

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    Obwohl 97 Prozent unserer DNA mit der der Orang-Utans übereinstimmen, sind unsere freilebenden Artverwandten immer noch Wildtiere. In vielem sind wir uns ähnlich. Als Menschen interpretieren wir jedoch vieles in sie herein - auch Emotionen wie auf dem Foto.

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    Die Emotionsforschung steckt jedoch noch in einem recht frühen Stadium. Sehr wahrscheinlich ist, dass das Tier dem Mitarbeiter unserer Organisation BOS Foundation die Hand entgegengestreckt hat, weil es ganz einfach etwas von ihm zu essen haben wollte.

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    Denn durch die lange Zeit, die dieser nicht wiederauswilderbare Orang-Utan mittlerweile unter dem Schutz unserer Organisation verbracht hat, lernte er auch, dass die Anwesenheit von Menschen oft mit etwas Essbarem verbunden ist.

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    Orang-Utans sind, wie andere Menschenaffen-Arten auch, sehr sozial veranlagte Lebewesen. Während man ihnen früher jegliche Empathie absprach, zeigen neueste Studien: Die Tiere können sogar Dankbarkeit zeigen.

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    Ebenfalls bekannt: Die Tiere schauen uns bei Menschen-Kontakt (etwa durch Gefangenschaft) sehr viel ab. Wie weit ein Rettungsengagement in einer Notsituation gehen könnte, wären aber nur Mutmaßungen.

Wahre Helden: Diese Tiere retteten Menschenleben

Veröffentlicht: 12.02.2020 / Autor: Carina Neumann-Mahlkau