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Regen nach Plan: Bringt uns Wolken-Impfung das Wunschwetter?

Um extremem Hagel vorzubeugen, wenden einige Orte weltweit eine sogenannte Wolken-Impfung an. Was verbirgt sich hinter dieser Methode? Lässt sich das Wetter damit auf Knopfdruck manipulieren?

Das Wichtigste zum Thema Wolken-Impfung

  • Extreme Hagelschäden sind eine Gefahr nicht nur für Landwirte, sondern auch für Flughäfen oder Autohäuser. Um dieses Risiko zu verkleinern, gibt's die sogenannte Wolken-Impfung.

  • Speziell ausgestattete Flugzeuge verteilen ein Gemisch in den Wolken. Dadurch sollen sich nur noch kleine Hagelkörner beziehungsweise Regen bilden.

  • In vielen Bereichen ist diese gezielte Wettermanipulation bereits möglich. Über die Nebenwirkungen und den wirklichen Nutzen streiten sich Experten jedoch.

Ziel der Wolken-Impfung ...

... ist es, die Hagelbildung bewusst zu beeinflussen. Statt großer Körner sollen sich viele kleine formen, die auf dem Weg zum Boden zu Regen schmelzen. Dadurch bleiben gefährdete Gebiete von schlimmen Hagelschäden verschont - und ausgewählte Orte werden mit Niederschlag versorgt.

 

Wie entsteht Hagel überhaupt?

Hagelkörner bilden sich in Gewitterwolken. Durch Auftrieb gelangen Regentropfen von den wärmeren unteren Wolkenregionen in die kälteren oben. Dort gefrieren sie und fallen wieder herab. Auf dem Weg zurück verbinden sich die Hagelkörner mit weiteren Tropfen. Dann schickt sie der Auftrieb wieder nach oben, wo sie erneut gefrieren und dadurch größer werden.

Dieser Kreislauf wiederholt sich so lange, bis der Auftrieb die Hagelkörner nicht mehr tragen kann. Hat das Korn eine solche Größe erreicht, fällt es herab. Die Folge: Es hagelt.

Grafik Reise eines Hagelkorns

© Galileo

 

Direkte Spritzen in die Wolken

Hier setzt die Wolken-Impfung an. Speziell ausgerüstete Flugzeuge verteilen ein Gemisch mit einem gelblichen Salz namens Silberiodid, wodurch sich leichter mehr Tropfen bilden. Als Folge entstehen keine großen Hagelkörner, sondern viele kleine.

Hagelabwehr Rosenheim


Eine Maschine der Hagelabwehr in Rosenheim: Das Silberiodid befindet sich in raketenförmigen Behältnissen an den Unterseiten der Tragflächen.
© picture alliance/Angelika Warmuth/dpa

 

Wie ein solcher Flug mit einer Wolken-Impfung abläuft und in welchen Bereichen die Methode schon angewandt wird, siehst du im nachfolgenden Clip und in der Liste.

Der außergewöhnliche Job eines Hagel-Jägers

Der außergewöhnliche Job eines Hageljäger

Der außergewöhnliche Job eines Hagel-Jägers

Georg Vogl ist Einsatzleiter der Hagelabwehr Rosenheim. Im Clip zeigt er, wie sein Arbeits-Alltag als Hagel-Jäger aussieht.

Wo "künstliches" Wetter schon möglich ist

  • 🚜

    Landwirte können von der Wolken-Impfung profitieren. Ausbleibende Hagelschäden bedeuten bessere Ernten. Ob in Deutschland, der Schweiz oder den USA: Überall auf der Welt verstreut sind Hagelflieger wie oben im Clip unterwegs.

  • Auch für die Betreiber zahlreicher Flughäfen rentiert sich die Wolken-Impfung. Indem Hagel und Nebel reduziert werden, sinkt die jährliche Schadenssumme.

  • Ersatz für Schneekanonen? Forscher in den USA wollen durch Wolken-Impfung künstlichen Schneefall erzeugen. Tests dazu laufen. Das könnte den Ski-Tourismus nachhaltig verändern.

  • 🚗

    Wolken-Impfung mal anders: In Mexiko schießt ein Autohersteller mit einer Art Kanone Schockwellen in die Atmosphäre - und will so Hunderttausende von offen parkenden Neu-Fahrzeugen vor Hagelschäden schützen.

  • 📺

    Selbst für schöne TV-Bilder kommt die Wolken-Impfung zum Einsatz. Damit etwa die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2008 in Peking nicht ins Wasser fiel, impfte China die Wolken nahe dem Stadion. Während der weltweiten Übertragung blieb es so trocken.

Und die Nebenwirkungen?

Die Wolkenimpfung bleibt umstritten. Während sich etwa Autohersteller und Flughafenbetreiber über reduzierte Schadenssummen freuen, beklagen benachbarte Bauern ausbleibenden Regen für ihre Felder.

Kritiker sehen die tatsächliche Wirkung skeptisch. Sie meinen: Die Wetter-Impfung behandele höchstens Symptome, aber keine Ursachen. Klar ist: Wunschwetter auf Knopfdruck ist durch Wolken-Impfung nicht möglich.

Klimaprotest


Klima-Aktivsten gehen regelmäßig auf die Straßen, um für mehr Nachhaltigkeit und gegen unvorhersehbare Eingriffe ins Klimasystem zu protestieren.
© picture alliance/Daniel Karmann/dpa

Gezielte Wetter-Manipulation durch Climate Engineering

Die Wolken-Impfung ist übrigens nur eine eher kleine Methode des sogenannten Geo- beziehungsweise Climate Engineering. Darunter sind massive Eingriffe ins Wetter zu verstehen. Durch sie wollen Forscher Lösungen für die Folgen des Klimawandels finden.

Stark vereinfacht können wir 2 Ansätze im Climate Engineering unterscheiden: Carbon Dioxide Removal (CDR) und Solar Radiation Management (SRM).

 

Carbon Dioxide Removal (CDR)

Diese Techniken zielen darauf ab, die Konzentration von Kohlenstoffdioxid (CO2) in der Atmosphäre zu verringern. Möglich machen sollen das zum Beispiel eine Vermehrung von Algen in den Meeren oder eine massive Aufforstung. Auch denken Forscher über Wege nach, CO2 unter der Erdoberfläche einzulagern.

Carbon Dioxide Removal


Diese Illustration eines US-Unternehmens zeigt, wie riesige Maschinen in Zukunft Kohlenstoffdioxid filtern könnten.
© picture alliance/AP Photo

 

Solar Radiation Management (SRM)

Ziel ist es, einen Teil der Sonnenstrahlen zu reflektieren. Dadurch soll die globale Durchschnittstemperatur sinken. Wie man das erreichen will? Die teilweise originellen Ideen reichen von der Installation von Spiegeln im Weltraum über das Verstreuen von Schwefel in der Atmosphäre bis hin zu massenweise weißen Hausdächern.

Vulkanausbruch


Starke Vulkanausbrüche verteilen große Mengen an Schwefeldioxid in der oberen Atmosphäre. Dadurch werden einige Sonnenstrahlen reflektiert. Dieser Effekt könnte vielleicht auch künstlich erzeugt werden.
© picture alliance/imageBROKER

 

Auch die Vorschläge zum Climate Engineering sind umstritten. Weltraumspiegel oder unterirdische Speicher zum Beispiel würden enorme finanzielle und materielle Ressourcen verschlingen. Außerdem wären langfristige Folgen für das Öko- und Klimasystem kaum abzuschätzen.

Veröffentlicht: 18.05.2020 / Autor: Alexander Duebbert

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