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Tanz-Tier! Dieser Kakadu hat mehr Dance-Moves drauf als du

Ein Kakadu tanzt im Takt, Hunde entspannen bei Reggae und Haie lieben AC/DC. Click dich durch die Charts der musikalischen Tiere.

Kakadu Snowball tanzt im Takt und ist ein Star auf YouTube

Er nickt mit dem Kopf im Takt, krächzt mit und tanzt - Kakadu Snowball erobert seit 2009 mit seinen Tänzen die Herzen der YouTube-Zuschauer. Der Vogel liebt besonders die Backstreet Boys. Ertönt ein Song der Boyband, durchfährt ihn der Beat und er bewegt sich auf nahezu menschliche Weise.

 

Forscher fasziniert der Kakadu. Sie analysierten die Tänze des Vogels und stellten fest, dass er 14 verschiedene Bewegungen im Repertoire hat: von Headbanging bis hin zu einer Kombination aus Kopf-Fuß-Moves. Auch erstaunlich: Snowball tanzt im Takt. Der Kakadu bewegt sich nicht reflexartig, sondern wählt zwischen verschiedenen Tanzmoves und kreiert eigene Choreografien.

Welche Eigenschaften braucht ein Tier, um zu tanzen? Neurowissenschaftler Ani Patel von der Harvard Universität in den USA analysierte den Kakadu und definierte 5 Fähigkeiten, die Tiere zu Tänzern machen:

  • stimmliches Lernen
  • die Fähigkeit, zu imitieren
  • die Neigung, soziale Bande zu knüpfen
  • die Fähigkeit, komplexe Bewegungssequenzen zu lernen
  • Aufmerksamkeit gegenüber kommunikativen Bewegungen

Diese Songs und Genres bekommen Tiere gerne auf die Ohren!

  • 🐴

    Klassische Musik regt bei Pferden den Appetit an - fanden britische Forscher jüngst heraus. Läuft Beethovens 9. Sinfonie im Stall, mampfen die Vierbeiner mehr. Die Musik wirkt sich auch positiv aufs Schlafverhalten aus.

  • 🐕

    Hunde stehen auf Reggae und Softrock. Die sanften Klänge entspannen die Tiere und ihr Herz schlägt ruhiger. Es gibt sogar einen Web-Radiosender für Hunde. Bei "Hallo Hasso" läuft alles, von Coldplay bis Klassik.

  • 🦈

    Haie stehen auf Heavy Metal und Hardrock. Das Lieblings-Lied vom Weißen Hai ist "You Shook Me All Night Long" von AC/DC - die pulsierenden Klänge nutzen etwa Filmteams, um die Raubfische anzulocken. Beobachtungen zeigen, dass Haie sich weniger aggressiv verhalten, wenn sie die Musik hören.

  • 🐞

    Marienkäfern hingegen verderben die Beats von AC/DC den Appetit. Sie fressen nur die Hälfte an Blattläusen, wenn sie Rockmusik ausgesetzt sind.

  • 🙉

    Forscher der University of York stellten Schimpansen im Zoo eine Juke-Box ins Gehege. Die Affen konnten zwischen Liedern von Adele, Justin Biber und Beethoven wählen. Die Tiere zeigten keine Präferenz für bestimmte Musikrichtungen und die Lieder wirkten sich auch nicht auf ihr Wohlbefinden aus.

Spinnen steppen, klassische Musik beruhigt Bello und Co. - warum? Interview mit dem Biologen Dr. Mario Ludwig

  • Welche Wirkung hat Musik auf Tiere?

  • 💬

    Verschiedene Studien zeigen, dass Tiere weniger Stresshormone bilden, wenn sie ruhige Stücke hören. In einigen Tierarzt-Praxen läuft deshalb klassische Musik.

  • Manche Tiere entspannen also bei den Klängen von Beethoven?

  • 💬

    Ja! Kühe geben 3 Prozent mehr Milch, wenn der Bauer ihnen klassische Musik auflegt. Es kann auch eine andere Musikrichtung sein. Wichtig ist, dass es ruhige Stücke sind mit weniger als 100 Beats pro Minute.

  • Gibt es auch Tiere, die selbst Musik machen?

  • 💬

    Singende Vögel können wir täglich hören. Sie grenzen mit dem Gesang akustisch ihr Revier ab und sagen Konkurrenten damit: Bleib weg! Oder aber sie werben mit ihrer Goldkehle um ein Weibchen.

  • Es geht also vor allem um Frauen, wenn Tiere singen?

  • 💬

    Richtig. Manche Männchen tanzen auch, um eine angebetete Dame zu beeindrucken. Spinnen der Art Habronatus dossenus sind begnadete Stepptänzer. Die Springspinnen stampfen mit ihren 8 Beinen. Die Weibchen schauen nicht zu, nehmen aber die Vibrationen des Tanzes mit speziellen Sinnesorganen wahr und beurteilen so, ob der Tänzer als Partner taugt.

  • Sind Bären auch begnadete Tänzer - oder woher kommt der Begriff "Tanzbär"?

  • 💬

    Es gibt ja Vorführungen mit Bären, bei denen die Tiere vermeintlich tanzen. Es läuft Musik und die Bären heben die Beine. Das hat aber nichts mit Tanz zu tun. Wilderer fangen Jungtiere ein, stellen sie auf heiße Bodenplatten und lassen dabei Musik laufen. Die Tiere heben vor Schmerz die Füße - irgendwann ganz automatisch bei Musik. In Europa ist die tierquälerische Praxis verboten, in Indien und Pakistan gibt es sie leider noch.

Dr. Mario Ludwig ist Deutschlands Experte für alles Tierische: https://mario-ludwig.de/

Was es nicht alles gibt! Patent für Tiermusik

Katzen sind eigen – auch beim Musikgeschmack. An Liedern, die wir Menschen mögen, zeigen sie wenig Interesse. Aber: Es gibt tatsächlich Musiker, die eigens Stücke für Katzen kreieren. Der Amerikaner David Teie besitzt sogar ein US-Patent für artspezifische Tiermusik. Bei seinen Kompositionen orientiert er sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen. Schnurr- und Schmatzlaute kommen bei Katzen so gut an, dass manche sich beim  Zuhören am Lautsprecher reiben und schnurren.

 

© Getty Images

 

Paul Barton spielt Piano für blinde Elefanten in Thailand. Die Dickhäuter-Dame lauscht verzaubert und wiegt dann zu den Klängen hin und her.

Veröffentlicht: 10.12.2019 / Autor: Alena Brandt

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