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Flache Erde

Verschwörungstheorie: Ist die Erde eine Scheibe?

Die Erde ist eine Kugel - na klar! Oder doch nicht? Flat Earther glauben, dass wir in Wahrheit auf einer flachen Scheibe leben. Aber wie kommen sie darauf und was steckt hinter dem Verschwörungsmythos?
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Das Wichtigste zum Thema Flache Erde

  • Die Erde ist eine Kugel: Das ist Allgemeinwissen und auf vielen Satellitenbildern zu sehen. Trotzdem glauben manche, dass wir in Wirklichkeit auf einer flachen Scheibe leben. Sie nennen sich Flat Earther.

  • Diese populäre Verschwörungserzählung wird angefeuert von YouTube und den sozialen Medien. Auch Sänger Xavier Naidoo glaubt daran. Es gibt sogar eine Flat-Earth-Society.

  • Alle Regierungen sollen sich verschworen haben, um die Wahrheit zu vertuschen. Fotos des Erdballs sind demnach nur Fälschungen.

  • Sonnen- und Mondaufgang oder Tageszeiten sind bei einer flachen Erde eigentlich unmöglich. Und wieso fallen wir am Rand nicht herunter? Flat Earther haben für all das skurrile Erklärungen.

  • Neu ist der Irrglaube einer Scheiben-Erde nicht: In der Bibel weisen manche Stellen darauf hin. Die haben für die Verschwörungsgläubigen eine ganz besondere Bedeutung.

Wie sich die Flachweltler:innen die Erde vorstellen

Einen Erdball gibt es nicht, wir alle leben auf einer Scheibe. Diese Vorstellung steht im Mittelpunkt des Flat-Earth-Mythos. Am Rand begrenzt ist die flache Erde von einer Eiswand, der Antarktis. Sie soll so ähnlich aussehen wie die riesige Mauer in der TV-Serie „Game of Thrones".

Müsste dann nicht schon mal jemand diese Eiswand gesehen haben? Nein, sagen Flat Earther: Der Rand der Welt wird bewacht, damit niemand ihm zu nah kommt.

Die Erde bewegt sich in einer endlosen Spirale nach oben. Nur deshalb landen Gegenstände auf dem Boden, wenn sie herunterfallen - die Erdanziehungskraft existiert laut der Verschwörungserzählung nicht.

Der Nordpol ist laut der Erzählung das Zentrum der Erdscheibe, die Kontinente sind drumherum angeordnet. Der Himmel spannt sich wie eine Kuppel über die Scheibe.

Mond- und Sonnenaufgang sind für Flat Earther nur optische Täuschungen. Die Sonne wandert in der Kuppel hin und her und beleuchtet jeweils einen kleinen Ausschnitt der Erdoberfläche, so ähnlich wie ein Scheinwerfer.

Die beiden Himmelskörper befinden sich angeblich in nur 5.000 Kilometer Höhe über der Scheibe. Die Sonne soll außerdem nur einen Durchmesser von 60 Kilometern haben.

Diese Behauptungen sind falsch: Tatsächlich ist die Sonne im Durchschnitt 149,6 Millionen Kilometer von der Erde entfernt und hat einen Durchmesser von 1.392.700 Kilometern. Der Mond befindet sich in einem Abstand von 384.400 Kilometer über uns.

Auch Weltall, Astronauten und Raumstationen gibt es für Flachweltler:innen nicht, die Mondlandung war für sie natürlich gefälscht.

Das Weltbild der Flat Earther

Flache Erde Grafik

Uralter Mythos: die Erde als Scheibe

  • Viele Flat Earther berufen sich auf Formulierungen in der Bibel: In Offenbarung 7.1 heißt es zum Beispiel, Engel würden an den „vier Ecken der Welt" stehen. Damit ist für die Anhänger:innen klar - Gott hat die Erde als Scheibe geschaffen.
  • Aber schon früher gab es Schöpfungsmythen, welche die Erde als Scheibe beschrieben - zum Beispiel in Mesopotamien und im frühen Griechenland.
  • Allerdings waren Gelehrte wie Pythagoras, Platon und Aristoteles schon vor mehr als 2.500 Jahren überzeugt, dass die Erde rund sei.
  • Lange galt es als Tatsache, dass viele Menschen im Mittelalter an eine flache Erde glaubten. Doch das war wohl eine Legende. Die moderne Forschung ist überzeugt. Die meisten Menschen wussten offenbar schon damals, dass die Erde eine Kugel ist.
  • Die Weltumsegelungen von Ferdinand Magellan und Francis Drake im 16. Jahrhundert bewiesen, dass die Erde eine Kugel ist.
  • Im 19. Jahrhundert veröffentlichte der englische Autor Samuel Rowbotham unter dem Pseudonym Parallax dennoch mehrere Werke zur flachen Erde. Er gründete außerdem die erste Flat-Earth-Organisation "Zetetic Society".
  • 1956 entstand in London die „International Flat Earth Society", die bis heute existiert. Auf ihrer Webseite und bei Facebook stellt die Society Fragen, die die Scheibenerde bestätigen sollen. Zum Beispiel: Wie kann es sein, dass das Meer flach ist und das Wasser nicht abläuft, wenn die Erde rund sein soll?

Wie verbreitet sind die Flachwelt-Ideen - und wie gefährlich?

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    Flat Earther finden vor allem bei YouTube Bestätigung: Dort gibt es immer wieder Videos über die angebliche Scheibenerde. Der Algorithmus sorgt dafür, dass danach ähnliche Clips laufen. Das stärkt die Überzeugung.

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    Die Videoplattform ist laut einer Studie vor allem dafür verantwortlich, dass die skurrile Vorstellung bestehen bleibt: Die Texas Tech University befragte 30 Anhänger:innen des Mythos. 29 von ihnen hatten ihre Meinung zur Erde wegen YouTube-Videos geändert.

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    Jede:r 6. US-Bürger:in ist sich nicht sicher, ob die Erde wirklich rund ist, so eine Yougov-Umfrage von 2018. Aber auch 3 Prozent der Menschen in Großbritannien und 7 Prozent in Brasilien glauben an eine flache Erde. Für Deutschland gibt es keine Zahlen.

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    Es gibt sogar regelmäßige Kongresse, bei denen sich die Flache-Erde-Gläubigen austauschen.

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    Die Verschwörungserzählung ist relativ harmlos im Vergleich zu Mythen wie QAnon oder antisemitischen Märchen. Trotzdem ist sie wissenschaftsfeindlich.

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    Gefährlich kann es werden, wenn Anhänger:innen beweisen wollen, dass sie recht haben: Der Flat Earther „Mad Mike“ Hughes baute eine Rakete aus Altmetall und hob im Februar 2020 vor laufenden TV-Kameras ab. Doch er stürzte ab und starb.

Flat Earther widerlegen - mit und ohne Wissenschaft

  • Bei diversen Weltraummissionen sind Astronaut:innen im All gewesen und es gibt Millionen Satellitenbilder. Um das alles zu fälschen, wäre ein riesiger Aufwand nötig.
  • Flat Earther glauben, dass es keine Satelliten gibt. Obwohl diese auch von der Erde aus am Himmel sichtbar sind. Ohne sie könnten wir außerdem kein GPS zur Navigation nutzen.
  • Niemand hat bisher die angebliche Eiswand gesehen. Dabei gab und gibt es Expeditionen und Reisen in die Antarktis.
  • Wenn die Erde flach wäre, gäbe es keinen Horizont. Wir können aber beobachten, wie zum Beispiel Schiffe nach und nach dahinter verschwinden.
  • Flat Earther haben keine Begründung dafür, warum es auf der Nord- und der Südhalbkugel andere Sternen-Konstellationen gibt.
  • Die Gravitation ist eine der vier Grundkräfte der Physik. Die Theorie kann erklären, warum auf der Erde alle Körper in Richtung Erdmittelpunkt fallen. Die Vorstellung einer ständig nach oben bewegenden Erde ist dagegen nicht bewiesen.
  • Eine beliebte Behauptung der Flat Earther: Die Erdkrümmung ist nicht erkennbar. Das stimmt nicht, denn sie ist zu sehen, wenn man weit genug von der Erdoberfläche weg ist. Davon konnten sich 2012  Millionen Fernsehzuschauer:innen überzeugen, als sie Felix Baumgartners Sprung aus der Stratosphäre beobachteten.

Die sichtbare Krümmung der Erde bei Felix Baumgartner Stratosphären-Sprung

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Wer soll hinter der gigantischen Erdkugel-Verschwörung stecken?

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    Die meisten Flat Earther glauben, dass alle Regierungen der Welt die Wahrheit kennen und wissen, dass die Erde keine Kugel ist.

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    Andere beschuldigen die US-Weltraumbehörde NASA, einzelne Regierungen oder geheime Gruppen wie eine angebliche Weltelite: Sie sollen sich die gigantische Verschwörung ausgedacht haben.

  • Aber welche Motivation sollte hinter der Verschwörung stecken? Die Flat Earth Society ist sicher: Damit soll die Wahrheit aus der Bibel verschleiert werden.

Kennst du diese verbreiteten Verschwörungstheorien?

Warum glaubt jemand an Verschwörungsmythen?

  • Verschwörungserzählungen erscheinen interessant, weil sie eine relativ einfache Erklärung für eine bedrohliche Situation liefern. Die erscheint den Anhänger:innen nachvollziehbarer als die komplexere Wirklichkeit.
  • Mit dem Verschwörungsglauben ist eine Situation nicht mehr unerklärlich. Der Mythos kann auch Ängste abspalten: Wer nicht an Corona glaubt, fühlt sich sicher vor der Krankheit.
  • Es entsteht ein Gemeinschaftsgefühl mit anderen Anhänger:innen. Sie fühlen sich gegenüber den Nicht-Gläubigen erleuchtet. Die werden dann als „Schlafschafe" oder „Mainstream" abgestempelt.
  • Das vermeintlich geheime Wissen, das andere nicht haben, zieht Flat Earther an. Menschen fühlen sich wichtiger, wenn sie glauben, dass sie exklusive Informationen haben und als einzige die Wahrheit kennen.
Veröffentlicht: 17.06.2021 / Autor: Claudia Frickel