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Waschbär oder Problembär? Warum der Vielfraß kein gutes Haustier ist

Ob Burger- oder Kuchen-Reste, Obst, Vögel oder Frösche - der Waschbär frisst einfach alles. Dabei ist er extrem einfallsreich, klettert glatte Wände hoch und hat keine Angst vor Wasser. Ziemlich cool - aber gefährlich für heimische Tiere.

Das Wichtigste zum Thema Waschbären

  • Waschbären gibt es in vielen Teilen Deutschlands - und zwar nicht nur in ihrer ursprünglichen Heimat dem Wald, sondern auch in Parks, Kleingartenanlagen und mitten in der Großstadt.

  • Die anpassungsfähigen Tiere zählen zu den invasiven Arten. Nicht überall sind sie erwünscht. Mehr dazu unten.

  • In den 1920/30ern wurde der Waschbär als Pelz-Lieferant aus Nordamerika ins Land gebracht und in großen Pelz-Farmen gehalten.

  • 1934 setzte man in Hessen erstmals einige aus, mit dem Ziel sie anzusiedeln. Immer wieder entkamen auch Tiere von Pelz-Farmen. 1945 flohen 25 Waschbären in Brandenburg und gründeten eine Population.

  • Schnell verbreiteten sich die Waschbären. Die Bedingungen waren gut: viel Nahrung, kaum Feinde und Konkurrenten.

Das Waschbären-Leben

Auf zur Futtersuche!

Untertags verstecken sich Waschbären in Baumhöhlen, Fuchs- oder Dachsbauten, Garagen oder Schuppen. Sobald es dämmert machen sie sich auf die Futtersuche. Dabei sind sie sehr geschickt, erfindungsreich und beharrlich.

Da die Tiere sehr gut schwimmen können und wahre Klettermeister sind, ist kaum ein Beutetier vor ihnen sicher. Obendrein haben sie ein sehr gutes Gedächtnis.

Bis zu 500 Gramm Nahrung brauchen Waschbären pro Tag - das ist so viel wie 5 Tafeln Schokolade. Wählerisch sind sie allerdings nicht.

Der Waschbären-Speiseplan

  • 🐟

    Fische, Krebse, Schildkröten, Muscheln

  • 🐸

    Echsen, Salamander, Frösche - selbst Laich schmeckt ihnen.

  • 🐦

    Mäuse, Vögel - auch Vogeleier sind sehr willkommen.

  • 🐌

    Schnecken, Insekten, Würmer

  • 🍎

    Obst, Nüsse

  • 🍖

    Essensreste aus Mülleimern oder vom Kompost. Sie lieben Obst, Fleisch, Eier und Süßigkeiten.

  • 🐱

    Hunde- und Katzenfutter, Meisenknödel schmecken ihnen besonders.

Schlechte Augen und dennoch erfolgreich

Waschbären haben keine guten Augen, aber einen sehr guten Tastsinn. Deswegen betasten sie alles ausgiebig, was ihnen in die Pfoten kommt und drehen es hin und her. Zudem beschnuppern sie es - essbar oder nicht? Hören und Riechen können die Tiere übrigens auch sehr gut.

In diesen Regionen leben die Tiere

Wie viele Waschbären heute in Deutschland leben, weiß man nicht. Schätzungen zufolge sind es mehrere Hunderttausend bis über eine Million. Nachgewiesen wurden Waschbären bereits in allen Bundesländern.

Besonders viele gibt es in Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. In Bayern breiten sich die Tiere ebenfalls zunehmend aus.

Die erste Stadt, die von den Waschbären besetzt wurde, war Kassel in den 60ern. In Nordhessen und Südniedersachsen leben heute zahlreiche Waschbären in Städten. Darüber hinaus ist Berlin eine echte Waschbären-Hochburg.

Hattest du Waschbären-Besuch?

Der Abdruck der Vorderpfote ähnelt einer menschlichen Hand, der Hinterpfoten-Abdruck dagegen dem Fußabdruck eines Kleinkindes.

Der Waschbären als Problembär

Vor rund 100 Jahren wurden die ersten Waschbären in Deutschland angesiedelt. Einige Menschen würden die invasiven Tiere am liebsten wieder ausrotten, da sie den Bestand heimischer Tiere gefährden.

Sie fressen seltene Tiere wie den bodenbrütenden Kiebitz, den Rotmilan, Amphibien und die letzten heimischen Schildkröten. Andrerseits nehmen sie "deutschen" Tieren die Nahrung und Unterschlupfmöglichkeiten weg. So wohnen sie gerne in Baumhöhlen und besetzten den Nistplatz der Eulen.

Waschbär


Waschbären lieben Eier und sind wahre Nesträuber.
© Getty Images

 

Doch selbst eine Bestandseindämmung durch Jagd wäre wohl nicht erfolgreich, wie Untersuchungen zeigen. Rasch nimmt die Population wieder zu. Sie pflanzen sich einfach mehr fort.

Das kannst du tun, um die Ausbreitung (ohne Jagd) zu verhindern

  • Schütze heimische Tiere, indem du ihnen gute Verstecke bietest UND füttere keine Waschbären.
  • Lass Hecken wuchern und alte Baum-Bestände stehen. Dort finden Vögel, Echsen und Co. Zuflucht.
  • Bringe "waschbärsichere" Nistkästen an (kleiner Eingang, verschraubt) - am besten freihängend an einem Ast. Hänge Meisenknödel in der Mitte einer Leine auf.
  • Füttere Waschbären nicht - auch wenn sie niedlich sind. Lass das Futter für deine Haustiere nicht über Nacht draußen stehen.
  • Wirf kein Fleisch, Fisch, Käse, Brot oder Obst auf dem Komposthaufen. Garten- und Gemüsereste sind okay.
  • Stelle Müllsäcke erst am Tag der Abholung raus. Verschließe Mülltonnen gut und platziere sie mindestens 0,5 Meter entfernt von Zäunen oder Mauern.
  • Schmeiß die letzten Pommes nicht in offene öffentliche Papierkörbe.

Aber irgendwie einfach cool

Waschbären als Haustier? Nein!

  • Fakt ist: Waschbären sind Wildtiere. Sie werden nie zahm, wie Katzen und Hunde.

  • Selbst handaufgezogene Tiere bleiben meist scheu und nach der Geschlechtsreife sind sie auch mal aggressiv und reagieren unvorhersehbar. Im Zimmer würden sie die Möbel zerlegen.

  • Bedenke: Waschbären brauchen Artgenossen und werden sehr alt.

  • Nur unter Auflagen dürfen Waschbären in einem weitläufigen Gehege gehalten werden. Dieses muss vom Amtstierarzt abgenommen sein.

  • Selbst wenn du einen hilfsbedürftigen Waschbären findest und ihn aufpäppeln willst, brauchst du eine Genehmigung. Besser ist es generell, wenn du eine Wildtier-Pflegestation benachrichtigst.

Veröffentlicht: 14.06.2020 / Autor: Larissa Melville