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Waschbär

Waschbären in Deutschland: Wie sie leben und wie du sie vertreiben kannst

Ob Reste vom Burger, Kekse, Obst, Vögel oder Frösche: Der Waschbär ist ein Allesfresser. Sportlich klettert er Bäume und glatte Wände hoch - und nistet sich auf dem Dachboden ein. Ein niedliches Haustier? Nein, eher ein Problembär.
Waschbären in Deutschland: Wie sie leben und wie du sie vertreiben kannst
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Waschbär: Steckbrief und Fakten zum Vielfraß

  • Systematik: Der Waschbär wird der Klasse der Säugetiere zugeordnet. Er gehört zur Ordnung der Raubtiere und zur Familie der Kleinbären.

  • Aussehen: Die Augen des Waschbären sind von schwarzem Fell umgeben, was an eine Gesichtsmaske erinnert. Die Nase ähnelt der eines Fuchses und hat einen schwarzen Streifen. Das Fell am Körper ist gräulich gefärbt. Der Schwanz ist buschig und mit hellen und dunklen Ringel-Streifen. Auffallend ist die bucklige Körperhaltung beim Laufen.

  • Größe: Die Länge eines ausgewachsenen Waschbären beträgt 40 bis 70 Zentimeter (vom Kopf bis zum Po) und 70 bis 85 Zentimeter vom Kopf bis zur Schwanz-Spitze.

  • Gewicht: 4 bis 9 Kilogramm bringt ein erwachsener Waschbär auf die Waage. Die männlichen Tiere sind in der Regel schwerer als die Weibchen.

  • Alter: Waschbären werden in freier Natur etwa 8 bis 10 Jahre alt. In Gefangenschaft können sie deutlich älter werden und sogar das doppelte Alter erreichen.

  • Verbreitung und Lebensraum: Ursprünglich aus Nordamerika stammend, haben sich die Waschbären mittlerweile in ganz Europa ausgebreitet. Sie leben bevorzugt in der Nähe von Gewässern, die sich in Wäldern befinden. Oft halten sich Waschbären aber auch in der Nähe von Menschen auf.

  • Feinde: Der seltene Luchs ist in unseren Breiten der einzige natürliche Feind eines ausgewachsenen Waschbären. Den jungen Tieren kann allerdings auch ein Fuchs, Adler oder Uhu gefährlich werden.

Das Waschbären-Leben

Waschbären
Waschbären gehören zur Familie der Kleinbären. Sie können über 16 Jahre alt werden -...
Waschbär und Katzen
Waschbären werden 40 bis 70 Zentimeter groß und 4 bis 9 Kilogramm schwer - ein Stück...
Waschbären
Sie sind sozial und leben überwiegend in Gruppen. Vor allem die Töchter bleiben...
Waschbär im Mülleimer
Waschbär-Weibchen sind mit einem Jahr, die Männchen mit 2 Jahren geschlechtsreif.
Zwei Waschbären
Die Paarungszeit der Waschbären beginnt im Februar und dauert teils bis in den...
Waschbären
Die Aufzucht der Kleinen ist Muttersache. Nach 2 Monaten verlassen die Welpen...
Waschbär im Baum
Waschbären halten keinen Winterschlaf - aber Winterruhe. Sie kommen in der kalten...
Waschbären
Waschbär und Katzen
Waschbären
Waschbär im Mülleimer
Zwei Waschbären
Waschbären
Waschbär im Baum

So kamen die Waschbären nach Deutschland

Waschbären gibt es in vielen Teilen Deutschlands. Hier leben sie nicht nur in ihrer ursprünglichen Heimat, dem Wald, sondern auch in Parks, Kleingarten-Anlagen und mitten in der Großstadt

In den 20er- und 30er-Jahren wurde der Waschbär als Pelz-Lieferant aus Nordamerika ins Land gebracht und in großen Pelz-Farmen gehalten. 1934 setzte man in Hessen erstmals einige aus, mit dem Ziel sie anzusiedeln. Immer wieder entkamen auch Tiere von Pelz-Farmen - 1945 etwa flohen 25 Waschbären in Brandenburg und gründeten eine Population. Schnell verbreiteten sich die Kleinbären im ganzen Land. Die Bedingungen waren gut: viel Nahrung, kaum Feinde und Konkurrenten.

Wie viele Waschbären heute in Deutschland leben, weiß man nicht. Schätzungen zufolge sind es mehrere Hunderttausend bis über eine Million. Nachgewiesen wurden Waschbären bereits in allen Bundesländern. Besonders viele gibt es in Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. In Bayern breiten sich die Tiere ebenfalls zunehmend aus.

Die erste Stadt, die von den Waschbären besetzt wurde, war Kassel in den 1960ern. In Nordhessen und Südniedersachsen leben heute zahlreiche Waschbären in Städten. Darüber hinaus ist Berlin eine echte Waschbären-Hochburg.

🐺 Wusstest du, dass auch der Wolf in Deutschland mittlerweile in vielen großen Städten heimisch ist? Er wird vom großen Futter-Angebot angelockt.

Auf zur Futtersuche!

Untertags verstecken sich Waschbären in Baumhöhlen, Fuchs- und Dachsbauten, Garagen oder Schuppen. Sobald es dämmert machen sie sich auf die Futtersuche. Dabei sind sie sehr geschickt, erfindungsreich und beharrlich.

Da die Tiere sehr gut schwimmen können und wahre Kletter-Meister sind, ist kaum ein Beutetier vor ihnen sicher. Obendrein haben sie ein sehr gutes Gedächtnis.

Bis zu 500 Gramm Nahrung brauchen Waschbären pro Tag - das ist so viel wie 5 Tafeln Schokolade. Wählerisch sind sie dabei nicht.

Nahrung: Das fressen Waschbären

  • 🐟

    Fische, Krebse, Schildkröten, Muscheln

  • 🐸

    Echsen, Salamander, Frösche - selbst Laich schmeckt ihnen.

  • 🐦

    Mäuse, Vögel - auch Vogel-Eier sind sehr willkommen.

  • 🐌

    Schnecken, Insekten, Würmer

  • 🍎

    Obst, Nüsse

  • 🍖

    Essens-Reste aus Mülleimern oder vom Kompost. Sie lieben Fleisch, Eier, Süßigkeiten und Obst.

  • 🐱

    Hunde- und Katzenfutter, Meisenknödel schmecken ihnen besonders.

Waschbär-Spuren: So sieht der Pfotenabdruck aus

Waschbär im Schnee

Der Abdruck der Vorderpfote ähnelt einer menschlichen Hand, der Hinterpfoten-Abdruck dagegen dem Fußabdruck eines Kleinkindes.

So lernst du das Fährtenlesen

  • 🐾

    Eine Kuhle im Boden, ein Pfotenabdruck im Schlamm. Was den meisten Menschen gar nicht auffällt, erkennen Fährtenleser:innen als Ruheplatz eines Rehs oder als Fuchs-Spur. Lerne auch du Fährten zu lesen.

Der Waschbären als Problembär

Vor rund 100 Jahren wurden die ersten Waschbären in Deutschland angesiedelt oder sind von Pelz-Farmen ausgebüxt. Einige Menschen würden die invasiven Tiere am liebsten wieder ausrotten, da sie den Bestand heimischer Tiere gefährden. Waschbären zählen zu den invasiven Arten wie beispielsweise auch der Mink, Ochsenfrosch oder asiatische Marienkäfer.

Das Problem: Waschbären fressen seltene Tiere beziehungsweise deren Babys, Eier oder Laich - beispielsweise vom bodenbrütenden Kiebitz, dem Rotmilan, Amphibien und von den letzten heimischen SchildkrötenZudem nehmen sie "deutschen" Tieren die Nahrung und Unterschlupf-Möglichkeiten weg. So wohnen Waschbären gerne in Baum-Höhlen und besetzen den Nist-Platz der Eulen.

Doch selbst eine Bestands-Eindämmung durch Jagd wäre wohl nicht erfolgreich, wie Untersuchungen zeigen. Rasch nimmt die Population der invasiven Art wieder zu - die Waschbären pflanzen sich einfach weiter fort. Den Bestandsrückgang heimischer Tiere mit der Bejagung des Waschbären zu regeln, ist zudem umstritten und muss immer genauestens geprüft werden.

Viel wichtiger ist es, für kleine Säugetiere, Vögel und Amphibien geeignete Lebensräume zu schaffen. Sie brauchen ein ausreichendes Nahrungs-Angebot und sichere Plätze, wo sie Unterschlupf finden und ihr Nest bauen können - beispielsweise in alten Baum-Beständen und Hecken.

Waschbär

Waschbären lieben Eier und sind wahre Nest-Räuber.

Waschbären loswerden: So vertreibst du die Tiere aus Haus und Garten

  • 🦝

    Eigentlich sind Waschbären ja ganz niedlich, aber wenn sie sich erstmal bei dir eingenistet haben, können sie viel Ärger und Lärm machen. Deshalb ist Vorbeugung der beste Schutz, denn dann nisten sich die Waschbären gar nicht erst bei dir ein. Das kannst du tun, um die Ausbreitung (ohne Jagd) zu verhindern:

  • 🌳

    Schütze heimische Tiere, indem du ihnen gute Verstecke bietest. Lass Hecken wuchern und alte Baum-Bestände stehen. Dort finden Vögel, Echsen und Co. Zuflucht.

  • 🐦

    Bringe für Vögel "waschbärsichere" Nist-Kästen an (kleiner Eingang, verschraubt) - am besten freihängend an einem Ast. Hänge Meisen-Knödel in der Mitte einer Leine auf.

  • 🥯

    Füttere Waschbären nicht. Lass das Futter für deine Haustiere nicht über Nacht draußen stehen. Wirf kein Fleisch, Fisch, Käse, Brot oder Obst auf den Kompost-Haufen - Garten-Abfälle und Gemüse-Reste sind okay.

  • 🗑

    Stelle Müllsäcke erst am Tag der Abholung raus. Verschließe Mülltonnen gut und platziere sie mindestens 0,5 Meter entfernt von Zäunen oder Mauern. Schmeiß die letzten Pommes nicht in offene, öffentliche Papierkörbe.

  • 🏡

    Kürze Bäume und Sträucher, die an das Haus oder Dach reichen, großzügig zurück. Äste sollten mindestens ein Meter Abstand zum Haus haben. Verhindere das Besteigen von Bäumen, indem niedrig hängende Äste nicht näher als ein Meter über dem Boden hängen. Bringe eine Plastik- oder Metall-Manschette als Kletter-Stopp am Baumstamm an. 

  • 🚧

    Befestige glatte Kunststoff- oder Metall-Platten (ein Meter hoch und ein Meter breit) über den Regenfallrohren. Bringe ein starkes Metall-Gitter auf dem Schornstein an. Verschließe alle möglichen Einstiege in dein Haus mit widerstandsfähigen Materialien. Vergiss nicht, in der Nacht die Katzen-Klappe zu schließen.

Laute: Diese Geräusche geben Waschbären von sich

Waschbären sind kommunikative Tiere, die je nachdem, was sie gerade machen, verschiedene Geräusche von sich geben. Sie keckern, wenn sie unzufrieden sind, knurren und kreischen, wenn sie miteinander kämpfen und fiepen, wenn sie jemanden nicht mögen.

Waschbären als Haustier? Nein!

  • Fakt ist: Waschbären sind Wildtiere. Sie werden nie zahm, wie Katzen und Hunde.

  • Selbst handaufgezogene Tiere bleiben meist scheu und nach der Geschlechtsreife sind sie auch mal aggressiv und reagieren unvorhersehbar. Im Zimmer würden sie die Möbel zerlegen.

  • Bedenke: Waschbären brauchen Artgenossen und werden sehr alt.

  • Nur unter Auflagen dürfen Waschbären in einem weitläufigen Gehege gehalten werden. Dieses muss vom Amts-Tierarzt abgenommen sein.

  • Selbst wenn du einen hilfsbedürftigen Waschbären findest und ihn aufpäppeln willst, brauchst du eine Genehmigung. Besser ist es generell, wenn du eine Wildtier-Pflegestation benachrichtigst.

Krankheitsüberträger: Waschbären können gefährlich sein!

  • 🦟

    Über Flöhe, Läuse oder Zecken können Waschbären Krankheiten auf den Menschen oder Haustiere übertragen. Außerdem können sie infektiöse Krankheiten wie Staupe und Panleukopenie in der Tierwelt verbreiten.

  • 💩

    Der Kot des Waschbären kann Eier des gefährlichen Waschbär-Spulwurms enthalten. Der kann zu Organ-Versagen, Erblindung oder in seltenen Fällen sogar bis zum Tod führen. Findest du Kot-Haufen des Waschbären in deinem Garten oder Haus, fasse sie nur mit Handschuhen an und verbrenne sie.

  • 🦷

    Waschbären haben ein ähnliches Gebiss wie ein Terrier, mit scharfen, spitzen Zähnen - und mit ihnen ist nicht zu spaßen: Bei einer Begegnung kennen Waschbären keine Angst und fliehen nicht. Mache dich groß und verbreite Lärm und dann renne weg. Denn wie andere Wildtier können Waschbären unberechenbar sein.

Wie kommt der Waschbär zu seinem Namen?

Waschbär

Waschbären haben keine guten Augen, aber einen sehr guten Tast-Sinn. Deswegen betasten sie alles ausgiebig, was ihnen in die Pfoten kommt und drehen es hin und her. Zudem beschnuppern sie es - essbar, oder nicht? "Tastbär" wäre sicher auch ein guter Name für die Tiere… Bei uns ist er als Waschbär bekannt, denn wenn er seine Nahrung betastet, sie es so aus, als würde er sie waschen. Hören und Riechen können die Tiere übrigens auch sehr gut.

Halten Waschbären Winterschlaf?

Der Waschbär hält eine Winterruhe, in der er seine Aktivitäten stark reduziert. Zwischendurch hat er immer wieder Wach-Phasen, in denen er umher streunt und Nahrung sucht. Nur bei extremer Kälte oder Schnee ist er längere Zeit inaktiv.

Aber irgendwie einfach cool

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Die häufigsten Fragen zum Waschbär im Überblick

  • ⁉️

    Wo leben Waschbären?

    Waschbären stammen ursprünglich aus Nordamerika, haben sich aber mittlerweile in ganz Europa ausgebreitet. Sie leben in Wäldern und Gewässernähe, aber auch in der Nähe von Menschen.

  • ⁉️

    Wie viele Waschbären gibt es in Deutschland?

    Die genaue Anzahl der Waschbären in Deutschland in nicht bekannt, es wird jedoch geschätzt, dass es mehrere Hunderttausend bis über eine Million sind.

  • ⁉️

    Was fressen Waschbären?

    Pro Tag benötigt ein Waschbär etwa 500 Gramm Nahrung. Die Kleinbären sind Allesfresser, bevorzugen jedoch Weich- und Wirbeltiere wie Fische, Muscheln, Echsen, Frösche, Vögel oder Schnecken. Bei pflanzlicher Nahrung bevorzugen sie Obst und Nüsse. Auch lieben sie Essens-Reste aus Mülleimern oder vom Kompost. Bei Hunde- und Katzenfutter oder Meisenknödeln sagen sie ebenso nicht nein. 

  • ⁉️

    Warum gelten Waschbären als Problemtiere?

    Waschbären sind invasive Tiere, die die biologische Vielfalt heimischer Arten bedrohen: Sie fressen heimische Tiere, deren Eier und Laich und nehmen ihnen Nist-Plätze, Unterschlupf-Möglichkeiten und Nahrung weg. Waschbären haben zudem kaum natürliche Fress-Feinde und breiten sich deshalb schneller aus.

  • ⁉️

    Wie kann man Waschbären vertreiben?

    Vorbeugung ist der beste Schutz gegen Waschbären, dann nisten sie sich gar nicht erst ein. Biete den Tieren keine Möglichkeit, in dein Haus zu gelangen, verschieße alle Öffnungen und verhindere, dass der Waschbär an Bäumen oder dem Regenfallrohr ins Haus klettern kann. Wirf keine Lebensmittel auf den Kompost-Haufen und lasse das Futter deiner Haustiere nicht über Nacht draußen stehen.

  • ⁉️

    Sind Waschbären gefährlich?

    Waschbären haben scharfe und spitze Zähne und können, wie andere Wildtiere auch, aggressiv und unberechenbar sein. Sie flüchten nicht, sondern können dich angreifen, deshalb solltest du bei einer Begegnung lieber mit viel Lärm selbst flüchten.

  • ⁉️

    Sind Waschbären als Haustiere geeignet?

    Waschbären sind Wildtiere und keine Haustiere. Sie werden nie zahm und können besonders nach der Geschlechtsreife aggressiv und unvorhersehbar reagieren. Die Tiere dürfen nur unter Auflagen in einem weitläufigen, vom Amts-Tierarzt abgenommenen Gehege gehalten werden.

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Veröffentlicht: 09.10.2021 / Autor: Larissa Melville