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Schiffe des Militärs auf dem Meer

Von Fischerei bis Bodenschätze: Wem gehört das Meer?

Wem gehören die Bodenschätze und Fische in unseren Weltmeeren? Vor allem Küstenstaaten streiten sich deshalb seit vielen Jahrzehnten immer wieder. Ein internationales Abkommen soll eigentlich Klarheit schaffen.
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Das Wichtigste zum Thema Wem gehört das Meer?

  • Mehr als zwei Drittel der Erdoberfläche bestehen aus Wasser. Die Vereinten Nationen (UN) bezeichnen die Weltmeere als "gemeinsames Erbe der Menschheit".

  • Trotzdem streiten sich Länder vor allem bei der Suche nach kostbaren Rohstoffen immer wieder über die Grenzen des Meeres.

  • Daher existiert das UN-Seerechtsübereinkommen. Auf dessen Basis sollen internationale Institutionen für Frieden auf den Meeren sorgen.

Die Seerechtskonvention der Vereinten Nationen

Seit 1994 gilt die sogenannte "Verfassung der Meere". Das ist ein bereits 1982 unterzeichneter Vertrag der Vereinten Nationen (UN), den bisher 167 Staaten inklusive der Europäischen Union akzeptiert haben. Als einzige große Industrienation sind die USA dem Abkommen nicht beigetreten.

Das Seerechtsübereinkommen (UNCLOS 1982) regelt, zu welchem Land welche Meere gehören und was dort erlaubt ist. Insgesamt teilt es das Meer von einer jeweiligen Landküste aus gesehen in 3 Zonen: 12-Meilen-Zone, 200-Meilen-Zone und die Hohe See.

 

1️⃣ 12-Meilen-Zone

Die ersten 12 Seemeilen (22 Kilometer) bilden das sogenannte Küstenmeer. Dort gilt das jeweils nationale Recht eines Landes. Damit gehört die erste Meereszone zum Staatsgebiet.

 

2️⃣ 200-Meilen-Zone

Das Gebiet bis zur 200. Seemeile (370 Kilometer) wird als "ausschließliche Wirtschaftszone" (AWZ) bezeichnet, wo begrenzte souveräne Rechte gelten. Dort bestimmt der anliegende Staat über die natürlichen Ressourcen. Dementsprechend gehört etwa alles, was durch Fischerei eingenommen wird, dem jeweiligen Land.

Die AWZ kann sogar auf bis zu 350 Seemeilen (650 Kilometer) erweitert werden. Voraussetzung: Der Staat muss wissenschaftlich belegen, dass der Meeresboden (Festlandsockel) zur natürlichen Verlängerung des Landgebiets gehört.

 

3️⃣ Hohe See

Alles, was über diese beiden Grenzen hinausgeht, bildet die 3. Zone: die Hohe See. Dieser Bereich ist völkerrechtlich gesehen ein Niemandsland. Der darunterliegende Meeresboden wird allgemein als "das Gebiet (The Area)" bezeichnet.

Die 3 Meereszonen laut Seerechtsübereinkommen

Grafik Meereszonen_1
Grafik Meereszonen_2
Grafik Meereszonen_1
Grafik Meereszonen_2

Wer entscheidet über die Grenzen im Meer?

Gemeinsam mit dem Seerechtsübereinkommen wurden 3 wichtige Institutionen gegründet: die Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels (FSGK), die Internationale Meeresbodenbehörde (IMB) und der Internationale Seegerichtshof (ISGH).

 

📏 Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels (FSGK)

Die FSGK gibt es seit 1997. Das Gremium in New York prüft Anträge von Staaten, die ihren Festlandsockel erweitern wollen. Auf der Grundlage einer Zweidrittelmehrheit empfiehlt die FSGK, wie die äußeren Grenzen des Festlandsockels festgelegt werden sollen. Daraufhin kann der jeweilige Staat die Grenzen endgültig und verbindlich festsetzen.

 

🧐 Internationale Meeresbodenbehörde (IMB)

Die IMB wurde 1994 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Jamaikas Hauptstadt Kingston. Sie verwaltet die Bodenschätze der Tiefsee als "gemeinsames Erbe der Menschheit". Ein Ziel der Organisation ist es demnach, die Nutzung natürlicher Rohstoffe in "dem Gebiet" zu beaufsichtigen. Ein weiter Zweck der IMB ist es, die wissenschaftliche Forschung zu fördern.

 

👨‍⚖️ Internationaler Seegerichtshof (ISGH)

Der ISGH ist eine unabhängige juristische Institution mit Sitz in Hamburg. Sie entscheidet gerichtlich über Konflikte hinsichtlich des Seerechtsübereinkommens. Zusätzlich hat sie den Frieden auf den Weltmeeren, Schutz der Weltmeere vor Umweltzerstörung sowie die Überwachung der Ressourcen-Ausbeutung als übergeordnete Ziele.

Seegerichtshof


Der Internationale Seegerichtshof in Hamburg im Mai 2019.
© picture alliance/dpa

Tiefsee-Tiere: Kreaturen aus der Dunkelheit

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In der Tiefsee vermuten Forscher nicht nur wertvolle Rohstoffe. Dort lauern auch furchterregende Bewohner, die sich der ständigen Finsternis perfekt angepasst haben.

Jüngstes Beispiel: Der Streit zwischen Griechenland und der Türkei

Vor allem wegen natürlicher Rohstoffe streiten sich Länder immer mal wieder um die Meere. Forschende vermuten etwa einen Großteil seltener Metalle wie Kobalt, Mangan oder Thallium in den Weltmeeren.

Im Spätsommer 2020 spitzte sich die Auseinandersetzung zwischen Griechenland und der Türkei mal wieder zu. Ein Forschungsschiff der Türkei suchte im östlichen Mittelmeer nach Gas. Griechenland störte das, weil dort ebenfalls griechische Inseln liegen und der Bereich demnach zu griechischem Seegebiet gehöre.

Streitpunkt war also wie so oft die jahrhundertealte Frage: Wem gehört das Meer?

Drohte zwischenzeitlich sogar eine militärische Eskalation, beruhigte sich der Konflikt zuletzt. Seit Jahresbeginn reden die Abgeordneten der Länder wieder miteinander. Eine langfristige Lösung scheint jedoch noch nicht in Sicht.

Heiko Maas Nikos Dendias


Deutschlands Außenminister Heiko Maas (v.) versuchte im griechisch-türkischen Streit zu vermitteln, um eine mögliche militärische Eskalation zu vermeiden. Hier siehst du ihn mit seinem griechischen Amtskollegen Nikos Dendias.
© picture alliance/ANE

Veröffentlicht: 08.05.2021 / Autor: Alexander Duebbert