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Die Heuschreckenplage in Afrika - und wie man sie bekämpfen will

Frösche, Stechmücken, Heuschrecken - Moses wünschte sie schon den alten Ägyptern an den Hals. Heute sind die Unheilbringer wieder da - nicht durch Gottes Hand, sondern vor allem wegen des Klimawandels.
Heuschreckenplage in Afrika spitzt sich zu

Das Wichtigste zum Thema Heuschreckenplage in Ostafrika

  • Seit Monaten wütet in Ostafrika eine Heuschreckenplage - die schlimmste seit 70 Jahren in Kenia und seit 25 Jahren in Äthiopien und Somalia.

  • In wenigen Tagen drohen sie nach Norden weiter zu ziehen - und könnten so noch mehr Schaden anrichten.

  • Der Ursprung der Plage liegt auf der arabischen Halbinsel. Von dort zogen die Wüstenheuschrecken nach Ostafrika. Hier boten ihnen starker Regen und Überschwemmungen günstige Bedingungen, um sich schnell zu vermehren.

  • Die Schwärme sind bis zu 2.400 Quadratkilometer groß. Zum Vergleich: Das Saarland hat knapp 2.600 Quadratkilometer. Bis zu 150 Kilometer am Tag können die Heuschrecken zurücklegen und zerstören dabei Getreidefelder und Weiden.

  • Pro Quadratkilometer fressen die Insekten so viel wie 35.000 Menschen. Ein mittelgroßer Schwarm kann also so viel Lebensmittel vertilgen, wie die gesamte Bevölkerung Kenias.

  • Und: Wüstenheuschrecken vermehren sich exponentiell. Alle 3 Monate verzwanzigfacht sich die Anzahl der Insekten.

  • Extreme Regenfälle könnte alles nun gefährlich eskalieren lassen. Denn: Wenn in der Wüste frische Pflanzen sprießen, finden die Heuschrecken noch mehr Nahrung.

  • Was gegen die aktuelle Plage getan wird, aber warum die Zeit drängt, erfährst du weiter unten. Noch mehr kreative Anti-Plagen-Ansätze gibt es in der Bildergalerie am Ende der Seite.

Die Ausbreitung der Wüstenheuschrecken

Das haben die australischen Buschbrände mit der Heuschreckenplage in Ostafrika zu tun

Schuld an beiden Phänomenen ist der sogenannte "Indischer-Ozean-Dipol".

Indischer Ozean Dipol

Die Temperatur der Wasseroberfläche ist im indischen Ozean nicht überall gleich. Sie unterliegt Schwankungen. Fallen die sehr extrem aus, beeinflusst das das Wetter.

Die Folgen: Ostafrika wurde von sintflutartigen Regenfällen getroffen. In Australien kam es hingegen zu einer langen Dürreperiode und Waldbränden.

Die Heuschreckenfamilie wartet auf Zuwachs: Darum muss jetzt gehandelt werden

Aktuell wird versucht die Heuschreckenplage mit Pestiziden aus der Luft und am Boden zu bekämpfen.

Das führt aber zu einem weiteren Problem: Die Chemieindustrie will in die bedrohten Regionen weiter Pesitzidmittel liefern, Umweltschützer und NGOs lehnen den großflächigen Einsatz der Pestizide ab.

Heuschreckenplage in Kenia

© Patrick Ngugi/AP/dpa

 

Die Umweltschützer monieren, dass die Pestizide nicht nur Heuschrecken töten, sondern auch nützliche Insekten wie Käfer und Bienen. Außerdem würden sie das gesamte Ökosystem durcheinanderbringen. Auch könnten die Mittel für die Menschen gefährlich sein, warnt Foodwatch.

Erste Erfolge gibt es in Kenia. Dort ist die Anzahl der Insekten zurückgegangen und befindet sich inzwischen im Millionenbereich.

Zudem kommt noch die Corona-Virus-Krise hinzu: Durch die verhängten Reiseverbote und die Schließung der Grenzen drohen vielerorts die Pestizide auszugehen.

Heuschreckenplage in Kenia

© Ben Curtis/AP/dpa

 

Gleichzeitig drängt die Zeit, denn eine neue Generation an Heuschrecken steht schon in den Startlöchern. Wüstenheuschrecken können im Gegensatz zu anderen Arten mehrmals pro Jahr Eier legen.

Der größte bisher gesichtete Schwarm in Kenia war 40 mal 60 Kilometer groß und zählte rund 200 Milliarden Tiere.

Die Folge: In der Region droht wieder einmal eine Hungersnot. Besonders Somalia und Nord-Kenia, aber womöglich auch Teile von Uganda und dem Süd-Sudan sind betroffen. Die Vereinten Nationen schätzen, dass durch die Insekten die Ernährung von bis zu 25 Millionen Menschen akut gefährdet ist.

Auch die arabische Halbinsel, Pakistan und Indien leiden unter der Plage

  • 🇮🇳

    In Indien ist es die schlimmste Heuschreckenplage seit 27 Jahren. Besonders der Norden des Landes ist betroffen.

  • 🙇🏽‍♂️

    Die nächsten Tage und Wochen seien nun entscheidend, ob die Sommerernte vor den Plagegeistern gerettet werden kann.

  • 💬

    "Wenn wir die Schwärme nicht unter Kontrolle bekommen, bevor die Regenzeit beginnt, dann stehen wir vor enormen Problemen", warnt ein ehemaliger Mitarbeiter des indischen Landwirtschaftsministerium gegenüber ausländischen Medien.

  • 🇵🇰

    Auch das Nachbarland Pakistan ist betroffen.

  • 🦗

    Hier sei etwa ein Viertel der Bezirke des Landes befallen, sagt ein Sprecher der nationalen Katastrophenschutzbehörde.

  • 🌏

    Auf der arabischen Halbinsel haben der Oman und vor allem der Jemen mit der Heuschreckenplage zu kämpfen.

  • 😥

    Das große Problem des Jemen: Inmitten des Bürgerkriegs kümmerte sich niemand um die Bekämpfung der Insekten.

  • 😑

    Nun haben sich die Schwärme im Süden des gebeutelten Landes festgesetzt.

Die sind eine echte Plage

Das solltest du dir merken

  • 🤔

    Die einst göttlichen Plagen sind heute - zumindest zum Teil - menschengemachte Katastrophen. Der Klimawandel sorgt dafür, dass sie uns in Zukunft wohl noch häufiger treffen werden. Wer die Plagen nachhaltig bekämpfen will, sollte also nicht beten, sondern sich für Klimaschutz einsetzen.

Veröffentlicht: 25.06.2020 / Autor: Franziska Schosser