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Über 100 Wolfsrudel leben in Deutschland. Wir zeigen dir wo

Wölfe erobern Deutschland zurück. Selbst in Berlin streifte im Januar eine Wölfin 4 Tage lang herum. Woher kommen die Wölfe, wie leben sie und wie gefährlich sind sie? Wir haben die Antworten.
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Das Wichtigste zum Thema Wölfe in Deutschland

  • Früher war der Wolf neben dem Menschen das am weitesten verbreitete Säugetier. Doch die Menschen dezimierten die Tiere auf ein Minimum. Deutschland war um 1850 wolfsfrei.

  • Erst 2000 wurden wieder die ersten Welpen in Freiheit geboren. Aktuell leben bei uns 105 Wolfsrudel - vorwiegend in Brandenburg (41), Sachsen (22), Niedersachsen (21) und Sachsen-Anhalt (15). Zusätzlich gibt es 25 Paare sowie 13 Einzeltiere.

  • Ein Rudel besteht aus den Eltern und deren Nachkommen, eine Wolfsfamilie umfasst normalerweise 8 bis 12 Tiere. Das Revier ist durchschnittlich 2,5-fach so groß wie Sylt.

  • Schießen verboten! Seit 1990 steht der Wolf bundesweit unter Artenschutz. Wer ihn trotzdem jagt, dem drohen bis zu 5 Jahre Freiheitsentzug.

  • Ähnlichkeiten zum Menschen sind durchaus vorhanden: Der Rüde und die Fähe leben in einer monogamen Partnerschaft und bleiben ein Leben lang zusammen.

  • Angeborener Jagdtrieb: Wölfe töten mehr Tiere, als sie verzehren können. Das erklärt, warum bei einer Wolfsattacke im Schnitt über 3,5 Nutztiere sterben.

  • Über 1 Millionen Euro haben die Bundesländer seit der ersten Sichtung des Wolfs in Deutschland als Ausgleich für gerissene Tiere gezahlt. Aber auch Wölfe starben: 307 durch Autos und 43 durch illegale Tötung.

Hier leben Wölfe in Deutschland

Von wegen einsamer Wolf: So läuft die Suche nach Partner und Revier

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    Welpen kommen Anfang Mai nach zweimonatiger Tragezeit zur Welt. Im ersten Lebensjahr sind sie auf die Fürsorge ihrer Eltern angewiesen.

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    Bis junge Wölfe ("Jährlinge") mit etwa 3 Jahren geschlechtsreif sind, bleiben sie "zu Hause" und helfen bei der Aufzucht der Kleinsten mit. Pro Wurf und Jahr werden 5 bis 10 Junge geboren, die aber nicht alle überleben.

  • 👨‍👩‍👦

    Sobald ein Wolf bereit für eine eigene Familie ist (ab etwa 3 Jahren), macht er sich auf die Suche nach einem Revier und Partner. Dabei kann er hunderte Kilometer zurücklegen.

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    Grenzgebiete, die sich zwischen zwei Revieren befinden, werden häufig von alleinlebenden Wölfen durchwandert, da ihnen hier keine Gefahr droht.

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    Ein gutes Revier bietet Nahrung für ein ganzes Rudel, eine Wasserquelle und ausreichend Rückzugsmöglichkeiten.

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    Das Territorium wird täglich abgelaufen, im Schnitt kommen pro Tag 45 km zusammen. Das machen die Jäger vor allem, damit sich mögliche Beutetiere an sie gewöhnen und ihnen nicht mehr so stark ausweichen.

Die Familie Wolf

Inhalt via Nabu

Böser Wolf oder eher scheues Reh?

Bereits die Gebrüder Grimm schürten Anfang des 19. Jahrhunderts in ihren Märchen die bis heute anhaltende Angst der Menschen vor der vermeintlichen Bestie Wolf. Einerseits wird der Wolf als geschickter und ausdauernder Jäger bewundert, andererseits ist er der Schreck eines jeden Nutztier-Besitzers.

Dabei sind Wölfe äußerst scheue Tiere, sie interessieren sich ausschließlich für ihr Futter und meiden die Nähe zu Menschen. Die instinktive Vorsicht kann sich allerdings deutlich verringern, wenn sie gezielt angelockt oder sogar gefüttert werden.

Sollte man einem Wolf begegnen, ruhig stehen bleiben. Und - falls er sich nähert - laut in die Hände klatschen. Dann sollte er sich verziehen, und es bleibt bei einem kurzen Schreckmoment.

Diese Tiere stehen auf dem Speiseplan von Wölfen

Wölfe ernähren sich fast ausschließlich von Rehen, Rothirschen und Wildschweinen. Das ergaben Untersuchungen von tausenden Kotproben, wie der Naturschutzbund (NABU) berichtet.

Rehe im Wald

 

Huftiere sind also ihre Leibspeise. Zu ihnen zählen allerdings nicht nur Wild-, sondern auch Nutztiere wie Schafe und Ziegen.

Eher selten kommt es zu Angriffen auf Pferde und Rinder. Wölfe jagen meist in der Dämmerung und in der Nacht. Haben sie Beute erlegt, fressen sie normalerweise so lange, bis sie satt sind - oder gestört werden.

Tierische Bodyguards

Was ist denn bitte ein Wolfsberater?

Über ein Jahrhundert war der Wolf weg, jetzt ist er zurück und breitet sich immer weiter aus. Das führt vor allem bei Jägern, Schäfern, Bauern und der Landbevölkerung in den Wolfsgebieten zu Unsicherheit.

Deswegen gibt es deutschlandweit ehrenamtlich tätige Wolfsberater, die ihr Wissen über das Tier teilen. Sie sind zudem für das "Monitoring" zuständig, dokumentieren sämtliche Hinweise auf sesshaft gewordene Wölfe, Sichtungen oder Spuren.

Veröffentlicht: 09.05.2020 / Autor: Christian Aichner