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Zittert der Zitteraal eigentlich wirklich?

Mit Stromstößen von bis zu 860 Volt schockt der Zitteraal seine Feinde. Wie dieser Fisch so viel Elektrizität erzeugen kann, erklären wir dir hier.

Das Wichtigste zum Thema Zitteraale

  • Electrophorus electricus, so lautet sein wissenschaftlicher Name. Die einzigartige Anatomie des Zitteraals diente dem Physiker Alessandro Volta als Vorlage zur ersten Batterie.

  • Fisch-Fakten: Er ist gar kein Aal, sondern gehört zu den Neuwelt-Messerfischen. Sein schlangenartiger Körper wird bis zu 3 Meter lang, er wiegt zirka 20 Kilo. Zwei Jahrhunderte lang galt er als der einzige seiner Art.

  • Familienbande: Erst 2019 entdeckten Forscher zwei weitere Spezies des Zitteraals, den Electrophorus voltai und Electrophorus varii. Beide sind wie der Electrophorus electricus in Südamerika beheimatet.

  • Jagd-Technik: Mit Stromstößen ortet, betäubt oder tötet der Zitteraal seine Beute und wehrt Feinde ab. Wie das genau funktioniert, erklären wir jetzt.

Der elektrische Jäger

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    Der Electrophorus voltai produziert bis zu 860 Volt Spannung, die anderen beiden Arten um die 600. Zum Vergleich: Aus einer deutschen Steckdose kommen 230 Volt Strom.

  • Sein elektrisches Organ, Elektroplax genannt, sitzt im hinteren Teil seines Körpers. Ein spezielles Gewebe schützt den Zitteraal vor seiner eigenen Elektrizität.

  • Tödliche Angriffe auf Menschen sind nicht bekannt. Denn die elektrischen Stöße des Zitteraals besitzen zwar eine hohe Spannung, aber nur eine geringe Stromstärke. Die größte Gefahr für dich? Ein Muskelkrampf im Wasser, der durch den Elektroschock ausgelöst werden kann.

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    Der Biologe Kenneth Catania wagte einen Selbstversuch mit einem kleinen Zitteraal. Die Messung ergab eine Stromstärke von etwa 40 bis 50 Milliampere, "deutlich höher als bei einer Elektroschockpistole", so der Forscher.

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    Über 6.000 Elektrozyten, quasi veränderte Muskelzellen, funktionieren wie hintereinander geschaltene Batterien. Sie können gleichzeitig Impulse produzieren und die Spannung auf einmal freisetzen.

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    Auch um sich zu orientieren, sendet der Zitteraal permanent schwache elektrische Stöße. So entsteht um ihn herum ein elektrisches Feld. Damit kann er Pflanzen, Feinde und potenzielle Partnerinnen orten.

  • Der Zitteraal zittert nicht, es scheint nur so. Entlädt er seine Spannung, zittert seine Beute, die er so besser orten kann. Dann wirft er sich an seine Opfer.

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    Mit Schocksprüngen greift der Zitteraal auch im flachen Wasser seine Beute an und entlädt sich an deren Körper. Mit dieser Technik lähmt und tötet er sogar Alligatoren.

Unter Strom: noch mehr elektrische Fische

© Getty Images

 

Neben dem Zitteraal gibt es 250 andere elektrische Fische - unter anderem Nilhechte, Zitterwelse und Zitterrochen (Foto). Letzerer lähmt mit 230 Volt und über 30 Ampere seine Beute. Für Taucher soll sich das wie ein ordentlicher Schlag mit der Faust anfühlen.

Kleinere Fische nutzen ihre elektrischen Felder, um sich zu orientieren, wie zum Beispiel der afrikanische Elefantenrüsselfisch. Er kann millimetergenau Abstände zwischen Felsspalten erkennen. Andere Arten kommunizieren mit speziellen Elektro-Codes untereinander.

Veröffentlicht: 29.03.2020 / Autor: Anna Kaltenhauser