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Zusammen ist man weniger dumm? So funktioniert Schwarm-Intelligenz

Schwärme von Fischen, Vögeln und Insekten bilden beeindruckende Formen und bewegen sich wie von Geisterhand. Wieso stoßen die Tiere dabei nicht zusammen - und welche Rolle spielt Intelligenz?
Fische ziehen in Schwärmen durchs Wasser.

Das Wichtigste zum Thema Schwarm-Intelligenz

  • Ein Schwarm verhält sich intelligent, ohne dass die einzelnen Tiere dafür besonders schlau sein müssen.

  • Ein Beispiel: Stichlinge schwimmen als Schwarm in den Schatten. Dort sind die Fische gut getarnt. Einzelne Fische steuern den sicheren Ort nicht gezielt an.

  • Die Bewegungen von Fischschwärmen erscheinen wie gelenkt. Tatsächlich gibt es aber keinen Anführer, der Befehle gibt.

  • Wie kann es sein, dass Tiere nicht zusammenstoßen? Entscheidend sind einfache Verhaltensregeln, an die sich jeder hält.

  • Jedes Tier achtet auf seine Nachbarn im Schwarm. Alle bewegen sich in die gleiche Richtung. Jeder hält den gleichen Abstand und passt sich dem Tempo an.

  • Typische Schwärmer sind Fische, Vögel und Insekten. In Deutschland können wir Staren-Schwärme mit bis zu 1 Million Tiere beobachten.

Bilder zum Schwärmen!

"Die Evolution hat intelligente Gruppen hervorgebracht", sagt die Verhaltens-Biologin Dr. Vivian Gabor

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    Das Leben in der Gruppe bietet Tieren Schutz. Ob bei Fischen, Gnus oder Pferden - viele Augen nehmen mehr wahr. Die Gruppe bemerkt Feinde und Jäger schneller.

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    Überlebens-Chancen sind in der Gruppe höher. Treffen 20 Gnus auf einen Löwen, wird das einzelne Tier mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 20 als Beute gewählt. Trifft ein einzelnes Gnu auf einen Löwen, stirbt es sehr wahrscheinlich.

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    Bei Gruppenbildungen geht's ums große Ganze: das Überleben der Spezies. Welche Gruppengrößen für eine Tierart sinnvoll ist, hat sich im Laufe von vielen Jahre in der Evolution etabliert. Was sich für die Tiere als gut erwiesen hatte, entwickelte sich weiter.

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    Die Intelligenz eines einzelnen Tieres ist für die Intelligenz der Masse nicht entscheidend. Manche Fische sind etwa in der Lage, Probleme zu lösen. Das gilt als intelligent. Heuschrecken aber nicht. Trotzdem handeln auch Insekten als Schwarm intelligent.

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    Bei niederen Tieren hat die Evolution intelligent gehandelt. So entstanden über Generationen bestimmte Anpassungsformen.

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    Der Instinkt steuert die Tiere. Ein Huhn ist darauf geprägt, der Mutter zu folgen. Das Zeitfenster der Prägung ist nur wenige Tage offen. Was das Küken da oft vor Augen hat - und wenn es ein Fußball ist - dem wird es sein Leben lang folgen.

Dr. Vivian Gabor forscht an der Uni Göttingen zur Intelligenz von Tieren.

Werbung, Routenplanung, Evakuierung: Wie Schwarm-Wissen dabei hilft

Wissenschaftler, Unternehmen und Ingenieure schauen sich bei Tierschwärmen einiges ab:

  • Der Ameisen-Algorithmus: Eine gute Routenplanung für LKW und Paketzusteller sowie personalisierte Werbung auf Internetseiten - das alles basiert auf der Logik von Ameisen auf Futtersuche. Die Tiere markieren ihre Wege mit Duftmarken. Nachfolgende Tiere orientieren sich daran. Je besser ein Weg riecht, desto mehr Ameisen wählen ihn. Dufte Angelegenheit!
  • Das Honigbienen-Prinzip: Gruppen in Unternehmen arbeiten besonders effektiv, wenn sie Entscheidungen nach dem Vorbild von Bienen treffen. Die Insekten teilen Aufgaben nach den Stärken des Einzelnen ein und nutzen so die Wissens-Vielfalt optimal. Sie vertrauen etwa ihren Kundschafterinnen bei der Entscheidung für einen Wohnplatz.
  • Die Fischschwarm-Formel: Um eine Massenpanik bei großen Veranstaltungen zu verhindern, hilft die Beobachtung von Fischschwärmen. Nur 5 Prozent der Tiere lenken die Masse. Tests zeigten, dass dieses Prinzip auch bei Menschenmengen klappt. Es müssen nur wenige Wachleute den Weg kennen und ansteuern. Jeder andere hält eine Armlänge Abstand und bewegt sich. Mit diesen einfachen Regeln läuft eine Evakuierung reibungslos.

7 Begriffe für Team-Building im Tierreich

  • 🐬

    Ein Verband von mehreren Delfinen heißt Schule.

  • 🐭

    Piep, die haben sich alle lieb! Eine Mäusegruppe heißt Sippe.

  • 🐗

    Wildschweine tummeln sich in Rotten.

  • 🐒

    Sind Affen gemeinsam unterwegs, spricht man von Trupps.

  • 🦁

    Löwen sind gesellige Raubkatzen und bilden Rudel.

  • 🦌

    Rehe tun sich vor allem im Winter zu Sprüngen zusammen.

  • 🦒

    Bei Giraffen bilden die Weibchen mit ihrem Nachwuchs Herden. Männchen sind Einzelgänger.

Veröffentlicht: 01.05.2020 / Autor: Alena Brandt