Darum siehst du diesen Punkt gleich nicht mehr
via YouTube/AsapSCIENCE

Darum siehst du diesen Punkt gleich nicht mehr

vor 2 Jahren

Unsere Wahrnehmung spielt uns immer wieder Streiche. Vor allem, wenn es um die Verknüpfung unseres Sehnervs und unseres Gehirns geht. Was wir im einen Moment noch sehen, ist im nächsten weg. Das beweist auch dieses kleine Experiment.

Bei optischen Täuschungen haben wir schon oft erklärt, dass unser Gehirn unser Sichtfeld gerne mit dem vervollständigt, was es erwartet. Das beruht auf bereits Erlebtem. Unser Gehirn erinnert sich an das, was es schon kennt.

Das zeigt sich schön in diesem Experiment mit dem Kreuz und dem Kreis. Schließt euer linkes Auge und schaut mit dem rechten auf das Kreuz. Bewegt euch dann vor oder zurück (ich musste näher ran gehen) und ab einem gewissen Punkt wird der Kreis aus eurem Sichtfeld verschwinden. Einfach so:

Wenn eine Linie durch Kreuz und Punkt gezogen wird und ihr das Prozedere wiederholt, passiert das gleiche: Euer Gehirn wird an einem bestimmten Punkt die Linie einfach fortführen und den Punkt auslassen.

An diesem bestimmten Punkt, an dem ihr den schwarzen Punkt nicht mehr wahrnehmen könnt, sitzt euer Blinder Fleck im Auge. Oder auch der tote Winkel – wie beim Autofahren. Ein Punkt, an dem euer Gehirn nicht alles wahrnehmen kann.

Das gleiche Phänomen – aber mit einem anderen Experiment – haben wir hier schon mal beschrieben.

Das erste Experiment hängt mit unserem Blinden Fleck zusammen. Die Photorezeptoren in unserer Netzhaut wandeln Licht in elektrische Signale um, die an unser Gehirn weitergeleitet werden. Aber an einem bestimmten Punkt – an dem die Nerven und Blutgefäße auf unsere Augen treffen – fehlen diese Zellen.

Wenn also das Licht eines Bildes auf unsere Netzhaut trifft – und zwar an diesem bestimmten Punkt – wird unser Gehirn diese Lücke einfach mit dem füllen, was es schon kennt. In diesem Fall verschwindet der schwarze Punkt, weil unser Gehirn nichts damit anfangen kann.

Im zweiten Experiment mit der Linie verhält sich das ähnlich: Dahinter steckt der Effekt „Extinction Illusion“, den der Biologe Jacques Ninio in dieser Veröffentlichung erklärt. Wir Menschen sind ziemlich schlecht im sogenannten „peripheren Sehen“. Das ist die Fähigkeit, Dinge wahrzunehmen, die wir nicht mit der zentralen Stelle unserer Netzhaut ins Blickfeld nehmen, sondern die lediglich am Rand gelegene Bereiche unseres Auges erreichen. Kurz gesagt: Wir sehen nur das gut, worauf wir unser Auge fixieren.

Um diese „schlechte“ Sicht auszugleichen, vervollständigt unser Gehirn Informationen unserer Umgebung, so gut es eben kann. Es nimmt die verwaschenen Bilder und fügt sie in der wahrscheinlichsten Form zu einem großen Ganzen zusammen. Deshalb läuft die Linie einfach weiter und der schwarze Punkt wird ignoriert.

Dieses Verhalten haben sich unsere Vorfahren antrainiert. Da sie sich nur auf das Wichtigste konzentrierten, konnten sie schneller Entscheidungen treffen und sich so besser vor Feinden schützen. Irgendwie hat es doch immer mit der Evolution zu tun.

Möchtest du selbst eine perfekte Illusion zeichnen? Mit nur wenigen Strichen zeichnet der deutsche Künstler Stefan Pabst scheinbar mühelos die perfekte Illusion eines Trinkglases. Wie bekommt er den spektakulären 3D-Effekt wohl hin?

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