Die laute und teils nervige Geschichte der Handy-Klingeltöne

vor 3 Jahren

Ach Klingeltöne. Es ist eine Hass-Liebe. So lange konnten wir nicht ohne sie leben. So nervig waren alle Klingelton-Werbespots Anfang der 2000er. Und heute? Benutzt überhaupt noch wer Klingeltöne?

Eine ist Harry-Potter-Darstellerin Emma Watson. Woher wir das wissen? Nun, sie war in einer Talkshow zu Gast, um über ihre Rolle in ihrem neuen Film zu plaudern. Blöd, dass irgendwer etwas wichtiges von ihr wollte, denn mitten im Interview wurde sie unterbrochen. Ihr Handy klingelte. Was da ertönte, war aber kein Standard-Klingelton. Sondern das hier:

Peinlich berührt, versuchte Emma Watson die Situation mit einem Lächeln und Gekicher zu retten. Naja, es gelingt ihr auch. Denn wer könnte Emma Watson auch nur irgendetwas übel nehmen?

Aber betrachten wir doch mal die Geschichte der Klingeltöne. Festnetztelefone lassen wir mal außen vor, sonst müssten wir schon 1876 anfangen, als Alexander Graham Bell seinen Assistenten Mr. Watson anrief. Denn das war der erste Telefon-Anruf der Geschichte.

Das erste Handy mit einstellbaren Klingeltönen stammte von den Japanern. Es hieß NTT DoCoMo Digital Mova N103 Hyper und wurde im Mai 1996 vorgestellt. Der Klingelton war monophon, also eintönig. Danach folgten weitere „Prototypen“ in Japan. Die waren uns ganz schön voraus.

Den ersten downloadbaren Klingelton gab es 1997. Entwickelt wurde er – wenig überraschend zu der Zeit – vom Finnen Vesa-Matti Paananen, einem Programmierer von Nokia. Ja, damals war Nokia noch Marktführer. Ist das lange her. Der Download-Service hieß Harmonium. Damit konnte man sich Klingeltöne sogar via SMS hin und her schicken. Einen ähnlichen Service gab es im Anschluss in Japan.

So hörte sich das an:

Und wenn ihr die Nostalgie jetzt ein wenig genießen wollt, dann schaut mal auf diese Seite. Da kann man sich alle Retro-Klingeltöne runterladen.

Die Macher um Nokia waren auch die ersten, die polyphone Klingeltöne entwickelten. Das war eine aufregende Zeit! Mehrere Töne konnten zur gleichen Zeit abgespielt werden. Das Nokia 3510 war das Glanzstück, das als erstes damit punkten durfte. Das war 2001. Verrückt, denn das scheint doch gar nicht allzu lang her zu sein?

Weitere drei Jahre später wurde es sehr modern. Denn dann gab es die sogenannten Truetones oder Realtones. Das heißt, es konnte richtige Musik als Klingelton eingestellt werden. Auch hier war Nokia zuerst dran. Und ab 2005 wurden alle Handys mit mp3-Playern ausgestattet, so dass auch jedes „normale“ Musik abspielen konnte.

Fun Fact: Der Top Klingelton 2005 war übrigens 50 Cent mit „Candy Shop“:

Wenn ihr euch durch alle Klingeltöne von damals klicken wollt, dürft ihr euch diese Seite nicht entgehen lassen.

Wenn Werbung aus Klingeltönen besteht

Aber irgendwann gab es doch noch die Zeit, in der gefühlt jeder Musiksender nur noch aus Klingelton-Werbung bestand? Und zwar aus der richtig, richtig nervenden. Tatsächlich war das aber nicht nur ein Gefühl, sondern wirklich so. Teilweise bestanden 90 Prozent der Werbespots aus Klingelton-Werbung. Fast jeder Jugendliche fiel auf die Angebote rein, bestellte aus Versehen Abos und die Eltern durften die hohen Rechnungen bezahlen. Bis 2008. Dann entschied ein Gericht, dass Verträge mit Minderjährigen nicht mehr rechtswirksam seien.

Bis dahin durften wir uns mit sowas beschäftigen:

So abwechslungsreich sah dann ein Werbeblock aus:

Gerne würden wir es an dieser Stelle belassen. Aber dann gab es da ja noch die richtig nervigen Werbespots:

Und nicht zu vergessen. Die Riesen-Kakerlake:

Damals wurde ein richtig großer Wirtschaftszweig in der Musikindustrie aus dem Klingelton-Verkauf geschaffen. Eigentlich sollten sie doch nur dazu dienen, Anrufer zu unterscheiden. Und vorwarnen, wenn die Eltern anriefen.

2004 haben die Deutschen 183 Millionen Euro für Klingeltöne ausgegeben. Schon 2007 waren es nur noch 23,2 Millionen Euro. Ein aussterbender Wirtschaftszweig? Man mag es hoffen.

Und heute? Benutzt noch irgendwer „externe“ Klingeltöne? Eine Industrie dahinter gibt es zumindest keine mehr. Zum einen braucht keiner mehr Klingeltöne herunterladen, da man sich jegliche Musik auf das Smartphone ziehen und – wenn auch mit den richtigen Apps – als Klingelton einstellen kann.

Dazu kommt, dass Hersteller wie Apple durchaus interessiert daran sind, dass ihre markeneigenen Klingeltöne verwendet werden. Die Zeiten mögen sich auch geändert haben, weil wir viel weniger telefonieren als früher. Man schreibt über WhatsApp, checkt auf Facebook, was die Freunde machen oder snappt.

Aber irgendwie ist es ganz lustig, wenn man erschrocken den Kopf hebt, weil irgendwo ein Handy mit einem kuriosen Klingelton ertönt. Wohl deshalb reden im Netz gerade so viele über Emma Watsons Klingelton.

Wie ist das bei euch? Habt ihr einen besonderen Klingelton? Welcher hat euch damals am meisten genervt?

Jetzt haben wir ganz schön viel über die Vergangenheit der Handys gelernt. Aber wie sehen sie in der Zukunft aus? Wir reisen ins Jahr 2035:

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