Darum machen euch Essensgeräusche wahnsinnig
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Darum machen euch Essensgeräusche wahnsinnig

vor 9 Monaten

„Scrunch, Scrunch“, macht es am Arbeitsplatz gegenüber. Ihr könnt euch nicht mehr konzentrieren, werdet immer nervöser, bis ihr den Missetäter anschreit: „Kannst du mal aufhören, so laut zu kauen!?“ Wenn ihr euch von Essensgeräuschen schon mal ähnlich belästigt gefühlt habt, dann habt ihr vielleicht „Misophonie“. Forscher wissen jetzt, wie es dazu kommt.

Erst seit dem Jahr 2000 gibt es einen Namen für die Störung: „Misophonie“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Hass auf Geräusche“. Bisher gab es nur wenige Studien, die sich genauer mit den neurologischen Vorgängen bei Misophonie auseinandergesetzt haben. Ein Team um den Neurologen Sukhbinder Kumar von der Newcastle University hat nun neue Ergebnisse. Und die helfen uns dabei, das Phänomen genauer zu verstehen.

Die Wissenschaftler führten eine Reihe von Tests an 20 Personen durch, bei denen Misophonie stark ausgeprägt ist. 22 weitere Teilnehmer der Studie hatten keinerlei „Beschwerden“. Beiden Gruppen wurden neutrale Geräusche vorgespielt (zum Beispiel das Plätschern von Regen) und Laute, die eine „misophone“ Reaktion hervorrufen können – wie Kaugeräusche oder Papierrascheln.

Der Körper wird einen Alarmzustand versetzt

Dabei wurden die Reaktionen der Personen untersucht. Das Ergebnis: Menschen mit Misophonie reagierten anders auf die Geräusche als die gesunden Testpersonen. Ihre Herzfrequenz erhöhte sich und die Hautleitfähigkeit nahm zu. Beide Signale sind Zeichen für einen Alarmzustand (Fight-or-flight-Reaktion) des Körpers.

Gehirnscans der Betroffenen zeigten: Es herrschte erhöhte Aktivität in der Inselrinde, einer Region der Großhirnrinde. Hier wird bestimmt, welchen Objekten wir unsere Aufmerksamkeit widmen. Die Inselrinde war nicht nur überaus aktiv, sie ging auch eine unübliche hohe Anzahl an Verbindungen mit anderen Bereichen im Gehirn ein. So zum Beispiel mit Regionen, die für unsere Gefühlswelt oder Erinnerung zuständig sind.

Welche Schlussfolgerungen lässt das zu? Menschen mit Misophonie erleiden Aufmerksamkeitsstörungen, die sich auch auf die Emotionen auswirken. Sich auf andere Dinge als das störende Geräusch zu konzentrieren, ist nicht mehr möglich; Wut und Ärger sind vorprogrammiert.

Durch ihre Ergebnisse hoffen die Wissenschaftler, mehr Debatten zum Thema anzuregen. Auch die Entwicklung von neuen Therapieformen soll in den nächsten Jahren vorangetrieben werden.

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