Das Geheimnis der "Superkräfte" der Bärtierchen wurde gelüftet
Bob Goldstein and Vicky Madden, UNC Chapel Hill / CC BY-SA 3.0

Das Geheimnis der „Superkräfte“ der Bärtierchen wurde gelüftet

vor 7 Monaten

Wir berichteten ja bereits über die Widerstandskraft der Bärtierchen (Tardigrada). Nun scheinen Forscher endlich herausgefunden zu haben, wie es diese Tierchen schaffen, kochendes Wasser, einige der niedrigsten Temperaturen im Universum und Strahlung zu überleben, die einen Menschen töten würde.

Die winzigen Tierchen – die meistens weniger als einen Millimeter groß werden – leben weltweit im Meer, Süßwasser oder in feuchten Lebensräumen an Land. Durch ihr Aussehen und ihre tapsige Fortbewegungsweise werden sie auch häufig als Wasserbären bezeichnet.

Forscher um Bob Goldstein von der University of North Carolina haben das Tier ausgiebig studiert und anscheinend herausgefunden, wie es der achtbeinige Winzling schafft, die lebensfeindlichsten Bedingungen zu überleben. Ihr Geheimnis: Die Tiere scheinen innerlich regelrecht zu „verglasen“.

Die Bärtierchen produzieren spezielle Proteine, die wie Mini-Käfige alle Zellbestandteile vor Veränderungen ihrer Form schützen. Bei Bakterien erfüllt das Zuckermolekül Trehalose eine ähnliche Funktion. Um nun herauszufinden, was in den Wasserbären vor sich geht, haben sie verschiedene Arten langsam austrocknen lassen. Läuft dieser Prozess langsam ab, können die Tiere nach so einer Prozedur vollständig wiederbelebt werden.

Die ausgetrockneten Bärtierchen wurden nach der Austrocknung mit unbehandelten Tieren verglichen. Das Ergebnis: die ausgetrockneten Exemplare enthielten vermehrt Proteinen, die zur Gruppe der „intrinsisch ungeordneten Proteine“ gehören. Droht eine Austrocknung, dann bilden diese Proteine 3D-Gitter. Diese ähneln der Struktur von Glas. In den dadurch entstehenden „Schutzräumen“ lagern sich Proteine und Moleküle ein. Auf diese Weise werden sie vom Zerfall verschont. Davon gehen zumindest die Forscher aus. Als die Wissenschaftler die Herstellung der schützenden Proteine blockierten, überlebten die Tierchen das Experiment nämlich nicht.

Im Rahmen dieses Experimentes haben es die Forscher geschafft, das Schutzprinzip der Tardigrada auf andere Organismen zu übertragen. Dadurch verdoppelte sich die Widerstandskraft von und die Resistenz gegen Austrocknung. Bei Hefe verbesserte sich sogar um das 100-Fache.

Unter Umständen könnte dieses Protein also in Zukunft dazu genutzt werden, um Getreidearten genetisch zu verändern und sie dadurch widerstandsfähiger zu machen. Auch wäre vorstellbar, empfindliche Impfstoffe oder Arzneimittel damit haltbarer zu machen.

Wer noch mehr über das Bärtierchen erfahren möchte, der sollte sich diesen Beitrag hier ansehen:

Facebook WhatsApp

Diese Beiträge könnten dir auch gefallen: