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Deswegen solltest du nie wütend ins Bett gehen

vor 3 Jahren

Du hast sicher auch schon einmal gehört, dass du nie wütend ins Bett gehen sollst. Tatsächlich ist an diesem Ratschlag so einiges dran – zumindest einer neuen Studie nach. Denn wer mit Wut im Bauch ins Bett geht, kann sie nicht einfach so wegschlafen – im Gegenteil.

Schon lange ist bekannt, dass Schlaf dabei helfen kann, Erinnerungen zu verfestigen – zum Beispiel wenn wir für eine Prüfung lernen. Tatsächlich gilt dieses Prinzip aber auch für negative Gedanken: Schlafen wir mit ihnen ein, fällt es uns schwerer, sie langfristig zu vergessen. Nicht gerade förderlich, wenn man kurz vor dem Schlafengehen mit dem Partner streitet und eine Wut auf ihn hat.

Yunzhe Liu und ihr Team der Beijing Normal Universität in China haben sich in ihrer Studie mit dem Thema auseinandergesetzt und empfehlen, Streitigkeiten vor dem Zubettgehen zu lösen. Dafür haben sie 73 männliche Studenten darauf getestet, wie gut sie negative Erinnerungen unterdrücken können und wie Schlaf das Ganze beeinflusst.

Die Forscher zeigten den Studienteilnehmern dafür abwechselnd neutrale Fotos von Gesichtern und verstörende Bilder von Gewaltszenen oder weinenden Kindern. Am nächsten Tag zeigten die Forscher ihnen nur die Fotos der neutralen Gesichter. Danach riefen sie die Studenten dazu auf, mithilfe der think/no think-Technik die negativen Assoziationen der Bilder des Vortages zuzulassen oder zu unterdrücken.

Bei think/no think  handelt es sich um eine psychologische Technik: Die Studienteilnehmer werden gezielt dazu aufgerufen, an etwas zu denken – also in diesem Fall – sich aktiv an die verstörenden Bilder zu erinnern. Oder eben nicht an sie zu denken, sie also bewusst zu verdrängen. Studien ergaben, dass Menschen mit no think tatsächlich Dinge vergessen können, die sie davor mit einer bestimmten Sache assoziiert haben.

In einer weiteren Versuchsreihe wurden den Studenten neue Fotos von neutralen Gesichtern und schrecklichen Szenen gezeigt. Diesmal aber führten die Wissenschaftler den think/no think-Test bereits 30 Minuten später durch – also nicht erst 24 Stunden später, wie in der ersten Testreihe.

Das Ergebnis: Den Studienteilnehmern fiel es viel leichter, die negativen Assoziationen zu unterdrücken, wenn ihnen die neutralen Fotos noch einmal nach nur 30 Minuten gezeigt wurden. Lagen 24 Stunden dazwischen, fiel es ihnen hingegen äußerst schwer. Daraus schließen die Forscher, dass sich die negativen Assoziationen im Schlaf fester eingeprägt hatten. Nicht an sie zu denken, war deswegen schwerer.

Gehirnscans während der Tests zeigten, wieso das so ist: Wenn den Studenten die Aufgabe nach nur 30 Minuten gestellt wurde, zeigte besonders ihr Hippocampus eine erhöhte neurale Aktivität. Das ist die Hirnregion, die als Schnittstelle zwischen unserem Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis fungiert. Wurde ihnen die Aufgabe hingegen 24 Stunden später, also nachdem sie geschlafen hatten, gestellt, war die Aktivität hier reduziert. Stattdessen waren andere Hirnregionen aktiv, die für das Langzeitgedächtnis verantwortlich sind. Die Erinnerung an die schlechten Assoziationen konnte, den Wissenschaftlern nach, also über Nacht ins Langzeitgedächtnis übergehen.

Sie empfehlen daher, dass man Probleme vor dem Zubettgehen löst, wenn man sie nicht lange mit sich herumtragen möchte. Anstatt über etwas zu schlafen, sollte man die Dinge also lieber gleich ansprechen.

Wie lebt es sich eigentlich ohne Kurzzeitgedächtnis? Wir haben eine Frau getroffen, die jeden Tag Tagebuch führen muss. Nur so weiß sie, was sie erlebt hat:

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