Lamm-Frühchen überlebt wochenlang in künstlicher Gebärmutter
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Lamm-Frühchen überlebt wochenlang in künstlicher Gebärmutter

vor 3 Monaten

Zugegeben, das Bild über diesen Zeilen wirkt auf den ersten Blick etwas befremdlich, aber was wir hier sehen, könnte ein Meilenstein für die Versorgung von Frühchen, auch beim Menschen sein.

Wissenschaftler um Dr. Alan W. Flake vom Children’s Hospital in Philadelphia berichten im Fachmagazin Nature Communications darüber, wie extrem früh geborene Lämmer in einer künstlichen Gebärmutter (extrakorporalen Bio-Bag) heranwachsen.

In den Versuchen wurden acht Lämmer nach 105 bis 120 Tagen (normalerweise rund 145 Tage) Tragzeit per Kaiserschnitt geboren. Danach wurden die Tiere in einer künstlichen Gebärmuter mit Nährstoffen, Sauerstoff und Flüssigkeiten versorgt.

Künstliche Gebärmuter
Das Frühchen links liegt seit vier Tagen in der künstlichen Gebährmutter. Rechts sieht man die Entwicklung des Frühchens nach 28 Tagen.
© nature.com

Vier Wochen verbrachten die Frühchen-Lämmer im Bio-Bag. Die Tiere entwickelten sich. Sie wuchsen heran, öffneten ihre Augen und die Lungen entfalteten sich. Auch das Gehirn reifte normal. Mögliche Entwicklungsstörungen durch das Heranwachsen in der künstlichen Gebärmutter wurden jedoch nicht erforscht.

Aus Tierschutzgründen  wurden die Experimente nach vier Wochen abgebrochen.

Die Forscher erklärten, dass das Bio-Bag erst noch weiterentwickelt werden müsse, bevor es an menschlichen Frühgeborenen eingesetzt werden könne. Menschliche Föten sind in der 23. Schwangerschaftswoche viel kleiner als die Föten von Schafen. Auch was die Entwicklung des Gehirn betrifft, unterscheiden sich die Föten.

Und auch wenn das Experiment der US-Forscher erfolgreich war, bezweifeln deutsche Wissenschaftler, dass diese Technologie in nächster Zeit bei Menschen zum Einsatz kommen könnte. „Ich halte es für völlig unrealistisch, dass man eine extrakorporale Oxygenierung in den nächsten fünf Jahren bei extremen Frühgeborenen einsetzen wird. Die Gefahr von Blutungen, Thrombosen und Infektionen ist viel zu groß“, so Professor Christoph Bührer, Direktor der Klinik für Neonatologie, Charité Universitätsmedizin Berlin.

Thomas Kohl, Leiter des Deutschen Zentrums für Fetalchirurgie & minimal-invasive Therapie (DZFT), Gießen ist jedoch überzeugt davon, dass sich die Forschungsergebnisse auf den Menschen übertragen lassen. Man müsse der Methode jedoch genug Zeit geben. „Diese erste Phase lässt sich nicht umgehen und ist vergleichbar mit der Entwicklung der Herz-Lungen-Maschine oder der Blutwäsche“, erklärt Kohl den künstlichen Uterus mit medizinischen Routineverfahren.

Im nachfolgenden Beitrag seht ihr eine andere medizinische Sensation. Forscher haben eine Kreuzung aus Mensch und Schwein erschaffen.

 

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