Organdruck in Deutschland: Erschaffen wir bald den perfekten Menschen?
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Organdruck in Deutschland: Erschaffen wir bald den perfekten Menschen?

vor 2 Jahren

Drucken wir bald den perfekten Menschen? Hört sich nach Zukunftsmusik an, oder? Das stimmt nicht. Tatsächlich sind gerade Forscher rund um den Globus dabei, künstliche Organe herzustellen. Und zwar auf Knopfdruck, aus dem 3D-Drucker. Auch in Deutschland. Der perfekte Mensch aus dem Drucker ist also keine utopische Zukunftsvision eines Sci-Fi-Autoren, er ist womöglich nur eine Frage der Zeit.

„Tissue Engineering“ ist das Zauberwort. Das bedeutet: lebende Zellen werden auf einem Gerüst angesiedelt und bilden sich dort zu einem Implantat. Wissenschaftler der Harvard Medical School schafften es so 2008, ein schlagendes Herz im Bioreaktor herzustellen. Sie siedelten Zellen in einem Gefäß an, das die Umgebung eines sich entwickelnden Herzens simuliert.

2011 beeindruckte Anthony Atala die Welt mit einer Niere aus dem 3D-Drucker. Auch wenn diese nicht funktionierte, war das der Startschuss für die Forschung an gedruckten künstlichen Bio-Transplantaten. Den letzten großen Erfolg hatten spanische Forscher im Januar 2017. Es gelang ihnen, menschliche Haut aus Zellen von Unfallopfern zu drucken und diese erfolgreich zu implantieren. Hier erklären sie, wie das funktioniert:

Auch in Deutschland wird gedruckt. Viola und Marcel Pfützner stellen in ihrer „Medizinischen Modellbau Manufaktur“ in Brandenburg Organ-Kopien her. An diesen Kopien können Ärzte üben und sich auf kritische Eingriffe vorbereiten. Von Knochen über innere Organe bis hin zum Gehirn ist alles möglich. Als Bauplan dient ihnen das Bild eines Organs aus einem Computertomographen.

Anhand der Daten wird aus Flüssigkunststoff das Organ im 3D-Drucker geformt. Es ist detailgetreu bis hin zu den umliegenden Körperstrukturen. Die Kopien sind nicht funktionsfähig aber eines Tages, glaubt Marcel Pfützner, wird er nicht mehr nur Modelle drucken, sondern Implantate.

Stück für Stück kommen Forscher dem künstlich erschaffenen Menschen näher. Durch gezieltes Konstruieren könnten menschliche Schwächen beseitigt, ein körperlich perfekter Mensch geformt oder gesunde Organe durch leistungsstärkere ausgetauscht werden. Das wirft jedoch eine ethische Frage auf: Wo liegt die Grenze zwischen heilen und optimieren?

Bis es so weit ist, werden aber noch einige Jahre vergehen. Die Forschung macht deutliche Fortschritte, das lässt Transplantationspatienten hoffen. Aber ungesund leben und die geschädigten Organe einfach durch gedruckte Kopien austauschen ist zumindest heute noch nicht möglich. Gentechniker aber, die Organe mit Hilfe von Stammzellen züchten, sind der Drucktechnik ein bis zwei Schritte voraus. „Da kommt keine 3D-Druck-Technik hinterher. Das wäre erst mit Blick auf die nächsten 50 bis 100 Jahre realistisch.“ erklärt Marcel Pfützner.

Die Möglichkeit, einen Menschen im Labor „zu bauen“ ist jedoch realistisch. „Die Frage ist nicht, ob der Mensch das könnte, das kann er sicherlich. Auch in einem überschaubaren Zeitraum, so dass Sie und ich das noch miterleben. Die Frage ist, ob wir das wollen.“ sagt Marcel Pfützner.

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