Plattwurm reist mit einem Kopf ins All und kommt mit zwei Köpfen zurück
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Plattwurm reist mit einem Kopf ins All und kommt mit zwei Köpfen zurück

vor 4 Monaten

Schon viele Tiere haben es ins All geschafft – Hunde, Affen und Quallen zum Beispiel. Jetzt kann sich auch der Plattwurm zu den Glücklichen zählen. Oder auch nicht. Denn dieses Exemplar wurde jetzt von Forschern zu Beobachtungszwecken ins All geschickt – und kam dann mit zwei Köpfen zurück.

So sieht der glitschige, zweiköpfige Plattwurm nach seiner Rückkehr aus dem Weltraum aus:

© Junji Morokuma/Tufts University

Forscher der Tufts University sind verantwortlich für die Entstehung dieses seltsamen Geschöpfs, bei dem man nicht recht weiß, ob man es nun niedlich oder eklig finden soll. Zu Beobachtungszwecken haben sie insgesamt 15 Plattwürmer für fünf Wochen zur ISS geschickt. Um zu sehen, ob und wie sich die regenerativen Fähigkeiten der Plattwürmer im All verändern, wurden einige der 15 Exemplare in der Mitte durchgeschnitten. Das klingt zwar ziemlich grausam, aber Plattwürmer sind echte Profis, wenn es um das Regenieren von Körperteilen geht.

Normalerweise bilden die Plattwürmer ihren verlorenen Schwanz beziehungsweise Kopf nämlich einfach nach, sodass aus einem zerteilten Plattwurm schließlich zwei Plattwürmer entstehen. In diesem Fall aber sahen die Forscher Erstaunliches, als die Plattwürmer wieder auf die Erde zurückgekehrt waren: Ein Plattwurm hatte statt eines Schwanzes einen weiteren Kopf ausgebildet. Dieses Verhalten gibt es zwar auch auf der Erde, aber es ist extrem selten. Die Forscher der Tufts University beispielsweise arbeiten jetzt seit 18 Jahren mit Kolonien von Plattwürmern, die derzeitig um die 15.000 Exemplare zählen, und konnten dieses Verhalten noch kein einziges Mal beobachten.

Und es wird noch verrückter: Der zweiköpfige Plattwurm mit seinen vier großen Glubschaugen produzierte bei weiteren Teilungen im Labor immer mehr zweiköpfige Nachkommen. Das heißt, der Aufenthalt im All hatte nicht nur zu einer einmaligen Bildung zweier Köpfe geführt, sondern war tatsächlich eine permanente Veränderung.

Auch die anderen 14 Plattwürmer legten nach ihrem ISS-Besuch ein verändertes Verhalten an den Tag. Sie reagierten anders auf Licht als ihre Artgenossen, die auf der Erde geblieben waren und hatten einen anderen Stoffwechsel.

Gründe für dieses seltsame Verhalten und die Veränderungen des Erbguts gibt es mehrere: Beispielsweise fehlen im Weltall Gravitations- und Magnetfelder, die sich normalerweise auf der Erde auf die Grundstruktur des Zellwachstums von Plattwürmern auswirken. Außerdem könnte sich auch die Mikrogravitation an Bord der ISS auf die Genexpressionen der Würmer oder auf die Kommunikation der Ionenkanäle in ihrem Körper ausgewirkt haben. Welche Rolle diese einzelnen Faktoren aber genau für die Ausbildung eines zweiten Kopfes gespielt haben, wissen die Forscher bislang noch nicht.

Mit solchen Tierexperimenten wollen die Wissenschaftler herausfinden, wie sich die veränderten Umweltbedingungen im Weltraum auf lebende Organismen auswirken, denn auch Astronauten machen signifikante körperliche Veränderungen durch, wenn sie längere Zeit im All leben. Dazu gehören Knochen- und Muskelschwund oder eine Verschlechterung der Sehfähigkeit. Auf lange Sicht können sogar Herzerkrankungen oder Sehbehinderungen die Folge sein. Ein zweiter Kopf wird einem Menschen aber wohl nicht wachsen. Das würde dann auch sicherlich nicht so putzig aussehen wie bei unserem glitschig glubschäugigen Plattwurm.

Wenn du wissen willst, welche Tiere noch so im Weltraum waren, dann schau doch mal hier rein:

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