So sollen Killer-Spermien den Kampf gegen Krebs aufnehmen
via Flickr/Zappys Technology Solutions/CC BY 2.0

So sollen Killer-Spermien den Kampf gegen Krebs aufnehmen

vor 1 Jahr

Auf dem Weg, Krebs zu besiegen, müssen Forscher schwere Hürden überwinden. Denn viel zu viele Menschen sterben immer wieder an der schlimmen Krankheit. Deutsche Wissenschaftler haben eine Methode entwickelt, um speziell Frauen zu helfen: Roboter-Spermien, die die Medikamente gezielt zu Krebszellen bringen, um sie zu zerstören.

Was erstmal nach Science Fiction klingt, hat zumindest im Labor schon gut funktioniert. Seit Jahrzehnten arbeiten Wissenschaftler an neuen Methoden, Krebs zu bekämpfen: ob neue EU-Richtlinien, die Medikamente freigeben, Gift von Wespen, die Kombination verschiedener Mittel bei Brustkrebs, ein universeller Impfstoff oder ein Wirkstoff, der die Ausbreitung von Hautkrebs stoppt. Forscher tun viel. Das Problem ist, dass zwischen der Nachricht, ein neues Mittel gegen Krebs gefunden zu haben und bis sie tatsächlich am Menschen eingesetzt werden kann, viel Zeit vergeht. Weil erst sicher gestellt werden muss, dass keine Nebenwirkungen eintreten.

So ist das auch beim folgenden Fall, der vielversprechend klingt: Zwar gibt es einige Medikamente, die Krebszellen zerstören können, das Problem ist aber, diese Medikamente ungehindert zu den mutierten Zellen zu bekommen, ohne dabei gesunde Zellen zu beschädigen. Wissenschaftler der TU Chemnitz und des Institute for Integrative Nanosciences sind auf die Idee gekommen, die Natur in ihrer Perfektion zu nutzen. Aus gewöhnlichen Spermien machen sie „Roboter-Killer-Maschinen“, die gezielt zu Krebszellen gesteuert werden können. Dort geben sie die Medikamente frei.

Spermien

Roboter-Spermien
So soll die Methode funktionieren.
© Xu, Medina-Sánchez, etal

Die Forschungsarbeit wurde noch nicht in einem Fachmagazin veröffentlicht, sondern zunächst auf einer Website hochgeladen, um mit Kollegen darüber zu diskutieren. Hier könnt ihr sie komplett einsehen.

Mit den Spermien soll vor allem der Kampf gegen gynäkologischen Krebs bei Frauen aufgenommen werden. Dazu zählen Gebärmutterhalskrebs, Eierstockkrebs, Gebärmutterkrebs, Vaginalkarzinom und Vulvakarzinom.

Dafür bekommen die Spermien einen Eisen-Anzug (ja, wie Iron Man) verpasst. Dann werden sie über ein Magnetfeld dorthin gesteuert, wo sie benötigt werden. Die Medikamente kommen in winzige Blasen, sogenannte Liposome. Die sind leicht löslich, unter der Spermien-Membran aber sicher verpackt. Gleichzeitig sorgen sie dafür, dass die gesunden Zellen nicht mit dem Medikament in Berührung kommen. Diese kleinen Pakete bekommen die Kampf-Spermien aufgeschnallt.

Sie eignen sich perfekt, denn es liegt in ihrer Natur, sich gut durch den weiblichen Unterleib navigieren zu können. Und sie können gut mit anderen Zellen verschmelzen – das kennen sie von der Befruchtung von Eizellen.

Die Wissenschaftler haben das mit Rinderspermien in einer Petrischale getestet. Sie wurden mit einem Medikament überzogen, das häufig in der Bekämpfung von gynäkologischem Krebs zum Einsatz kommt – damit können sich die Krebszellen nicht vermehren. Mit einem speziellen 3D-Druckverfahren wurde eine Art Eisen-Geschirr entwickelt, um die Spermien zu lenken. Am Kopf wurden vier bewegliche Arme angebracht, die dabei helfen, sich in die Zelle zu rammen, um das Medikament freizugeben.

Dieses komplizierte Verfahren klappte mit im Labor herangezüchteten Krebszellen wunderbar – in einer Petrischale. Jetzt geht es darum, herauszufinden, wie weit es die vollbepackten Spermien in einem echten Körper schaffen – denn sie sind dadurch ganz schön langsam – und wie jegliche Nebenwirkungen ausgeschlossen werden können.

Zwar ist diese Methode noch in der Entwicklungsphase, aber sie klingt vielversprechend. Und vielleicht kann damit bald tausenden von Frauen helfen und ihr Leben retten.

Heilen können auch Tiere. Wie der Pfeilschwanzkrebs, nach dessen Blut die US-Amerikaner an der Ostküste jagen. Aber wie geht das? Wir sind hingefahren und haben uns das angeschaut:

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