Parasiten: Wie das Römische Reich sie über Europa verteilte
pixabay/ loseitlady

Parasiten: Wie das Römische Reich sie über Europa verteilte

vor 3 Jahren

Das Römische Reich, ein erster Höhepunkt der Zivilisation: Öffentliche Bäder in jeder Stadt und öffentliche Klos an den Straßenseiten. Nur: Gegenüber dem vorherigen Zeitalter nahm die Zahl der Parasiten, an denen Menschen litten, sogar zu. Was Archäologen sehen, wenn sie antike Bäder untersuchen, verändert unseren Blick auf diese Hochkultur.

Was in antiken Latrinen zu finden ist: Parasiteneier

Vieles über das Leben unserer Vorfahren im Römischen Reich erfahren wir nicht, indem wir alte Paläste ausgraben (so viele gibt es da auch nicht mehr), sondern aus ganz anderen Überresten: Den Paläofäkalien oder auch Koprolithen, wie Wissenschaftler gerne sagen, um „wirklich alte Kacke“ zu vermeiden. Archäologen schauen sich nämlich die öffentlichen Bäder und Latrinen genau an.

In den Fäkalien überdauern nämlich die Eier bestimmter Parasiten, denn die Chitinhaut ihrer Eier ist sehr widerstandsfähig. Lange nachdem also der Palast auseinander gefallen ist, können wir so herausfinden, ob sein König wohl einen Bandwurm hatte. So lassen sich auch die Wege rekonstruieren, über die sich Parasiten über die Welt verbreiteten. Beispielsweise der Fischbandwurm Diphyllobothrium latum, ein äußerst treuer Begleiter der Menschheit. Er spielte auch im Römischen Reich eine große Rolle.

Das könnte euch ebenfalls interessieren: Die erste Zahnbürste der Welt war ein Zweig

Die gesundheitsschädliche Fischsoße

Fast kein Gericht ist ohne Garum im Römischen Reich. Die Fischsoße war die Zauberzutat in der antiken Küche. Stücke von Fischen (ja, auch die Eingeweide) kamen mit Salzlake in steinerne Becken – und fermentierten, von der Sonne auf 40 Grad erhitzt, mindestens drei Monate vor sich hin. Während der Herstellung stank das Ganze pestilenzartig, weswegen die Becken immer weiter außerhalb der Städte zu finden waren. Das Ergebnis, mit etwas Kräutern vermischt, war würzig und stank nicht.

Während bei dem Prozess sich zwar das Fischeiweiß zersetzte, blieben die Eier des Fischbandwurms erhalten. Wer Garum minderer Qualität aß, bekam oft eine Dosis Bandwurm mit ab. Die Soße wurde im Römischen Reich im großen Stil gehandelt. Der Parasit verbreitete sich so über die ganze antike Welt.

Das könnte euch ebenfalls interessieren: History Pranks: Die Eigenarten der alten Römer

Infektiöser Schaum im antiken Bad des Römischen Reiches

Eine der großen Errungenschaften des Römischen Reiches waren im Grunde die öffentlichen Bäder. So alltäglich waren sie, dass die Archäologie sich lange nicht ernsthaft damit beschäftigte. Erst seit einer Tagung in den 1990ern (passenderweise in der britischen Stadt Bath) kamen die Bäder zu ihren Ehren. Sie haben sich als große Fundstelle erwiesen, um Alltag und soziale Strukturen rekonstruieren zu können.

Und auch Krankheiten: So fand man im ganzen Römischen Reich Kämme mit sehr engen Zähnen, die wohl dazu gedacht waren, Kopfläuse und ihre Nissen zu entfernen – an manchen ließen sich auch Überreste der Schädlinge nachweisen. Bis vor Kurzem hatte man noch vermutet, dass Läuse kein größeres Problem bei den Römern waren. Doch so wie es aussieht, krabbelten auf ihren Köpfen ebenso oft die Schädlinge wie bei den von ihnen geschmähten Barbaren.

Als merkwürdiger barbarischer Brauch der Kelten galt es auch, sich mit Seife zu waschen. Die Römer massierten stattdessen Öl in die Haut ein und kratzten dann mit einem metallenen Haken, der Strigilis, Öl und Dreck ab. Das Öl und andere gerne verwendete Salben, blieb auch im Wasser der öffentlichen Bäder, das nicht häufig gewechselt wurde. So war das Badewasser wohl häufig von einem Schaum bedeckt – der ansteckend war. Aus der guten Idee eines reinigenden Bades für alle wurde so ein neuer Infektionsherd.

Das könnte euch ebenfalls interessieren: Deshalb solltest du nie beim Duschen dein Gesicht waschen

Menschlicher Kot als Dünger: Gefährlich

Nicht nur der Fischbandwurm kam weit herum im Römischen Reich, sondern auch andere Parasiten wie der Spulwurm (Ascaris lumbricoides) oder der Peitschenwurm (Trichuris trichiura), wie Piers D Mitchell in seinen Studien feststellte. Die Viecher verbreiten sich über den Kot. Die öffentlichen Latrinen des Römischen Reiches wurden zwar regelmäßig ausgehoben und die Masse ökologisch korrekt als Düngemittel verwendet. Nur leider hätte man sie vorher ordentlich kompostieren lassen müssen. So gelangten auch die Eier der Würmer auf das Getreide, das gedüngt wurde.

Die Mediziner der Antike bemerkten, dass in ihren Patienten allerlei Getier hauste. Sie hatten aber keine Vorstellung davon, wie die Infektion vonstatten ging – und so hielten sie nur fest, was sie fanden. Heute wissen wir, dass an und für sich gute Ideen wie die Bäder und die Latrinen einfach nicht gut genug umgesetzt wurden. Schlimmer wurde es allerdings dann im Mittelalter, als die Idee, dass Städte eine Kanalisation brauchen könnten, ganz verloren ging. Aus dieser Zeit finden die Forscher Anzeichen für noch stärkeren Parasitenbefall. Ganz auf dem Holzweg waren die Römer also nicht.

Hier geht’s zur Studie, wie man antike Parasiten findet und wieso sie sich im ganzen Römischen Reich verbreiteten.
Wer mehr über antike Bäder und Latrinen erfahren möchte, kann sich die Forschung von Ann Olga Koloski-Ostrow näher ansehen.

Facebook WhatsApp

Diese Beiträge könnten dir auch gefallen:

Diese Website verwendet eigene Cookies und Cookies von Dritten um die Nutzung unseres Angebotes zu analysieren, Ihr Surferlebnis zur personalisieren und Ihnen interessante Informationen zu präsentieren (Erstellung von Nutzungsprofilen). Wenn Sie Ihren Besuch fortsetzen, stimmen Sie der Verwendung solcher Cookies zu. Bitte besuchen Sie unsere Cookie Bestimmungen um mehr zu erfahren, auch dazu, wie Sie Cookies deaktivieren und der Bildung von Nutzungsprofilen widersprechen können. Datenschutzbestimmungen
OK