Wissenschaftler haben Ohren aus Apfelscheiben gezüchtet
via YouTube/TED

Wissenschaftler haben Ohren aus Apfelscheiben gezüchtet

vor 8 Monaten

Ähh … bitte was? Ja, ihr habt richtig gelesen. Was verrückt klingt, könnte ein wichtiger Grundstein für die zukünftige Medizin sein. Denn Spenderorgane sind Mangelware. Deshalb arbeiten Forscher seit Jahren daran, künstlich Organe zu züchten. Jetzt ist eine Grundlage dafür gelungen, die sogar ziemlich günstig ist.

Ein Ohr aus einer Apfel-Scheibe. Ja, das gibt es wirklich. Klar, sagt ihr jetzt, es wurden auch schon Ohren auf Ratten gezüchtet. Aber nicht nur die Ratten werden froh über die Nachricht sein, dass man das jetzt aus einem Apfel machen kann. In ferner Zukunft können diese Erkenntnisse der regenerativen Medizin helfen: künstliche Organe herstellen, die Leben retten können. Denn unzählige Menschen stehen auf Wartelisten für Spenderorgane ohne eine Aussicht auf Erfolg.

Das Problem bei künstlichen Organen: Es ist nicht einfach, sie herzustellen. Echte, aus Menschenzellen, gibt es nicht. Zumindest noch nicht.

Der Biophysiker Andrew Pelling und sein Team arbeiten schon seit Jahren an der folgenden, fruchtigen Idee. Sie wollten menschliches Gewebe aus Obst wachsen lassen – durch menschliche Zellen. Was verrückt klingt, erklärt er in einem TED Talk:

Wie funktioniert das? Im Grunde ganz einfach: Man muss nur die ganzen Apfel-Zellen aus einem Apfel herausbekommen und sie durch menschliche ersetzen. Um die Zellen des Apfels zu entfernen, wird er in kochendem Wasser und Flüssigseife eingelegt. Dadurch öffnen sich die Zellen. Die kann man dann „herunterwaschen“ und übrig bleibt ein Zellen-Gerüst. Dort, wo früher Apfel-Zellen saßen, können jetzt menschliche Zellen hinein. Die „stopfen“ die Löcher und vermehren sich – sie sind lebensfähig.

Natürlich wuchsen sie nicht selbst in Ohrenform. Dazu benutzte er die Künste seiner Ehefrau, die aus dünnen Apfelscheiben menschliche Ohren schnitzte. In denen wurden dann die Zellen herangezüchtet, die tatsächlich weiterleben konnten.

Pelling kann also keine menschlichen Ohren züchten, aber er bietet eine sehr günstige Alternative als Grundgerüst zum Zellenwachstum: Pflanzen. Denn das klappt nicht nur mit Äpfeln, sondern auch mit Spargel oder Rosenblättern. Ein solches Gerüst wird bisher aus Proteinen von menschlichen Leichen oder Tierkadavern gewonnen. Das kostet pro Portion in der Größe einer Münze etwa 1.000 US-Dollar. Bei einem Apfel sind es wenige Cent.

Wer jetzt selber menschliches Gewebe mit Hilfe von Äpfeln zuhause züchten will, kann das tun. Denn Pelling hat die Anleitung kostenlos im Internet zur Verfügung gestellt.

Pelling gehört damit zu den Biohackern, die ständig mit Pflanzen experimentieren. Beispielsweise kann man so Bäume zum Leuchten bringen, damit irgendwann keine Straßenbeleuchtung mehr nötig ist. Wir haben solche Forscher besucht:

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