Diese Firma ist gerade dabei, die Matrix nachzubauen
YouTube / Improbable

Diese Firma ist gerade dabei, die Matrix nachzubauen

vor 5 Monaten

Ok, zugegeben, die Überschrift hört sich sehr hochtrabend an. Aber es gibt da draußen ein Start-up, das tatsächlich gerade dabei ist, den Grundstein für die komplexesten virtuellen Welten zu legen, die es je gegeben hat. Virtuelle Welten, die die Realität in ihrer unglaublichen Komplexität Eins-zu-Eins imitieren. Hört sich cool an? Ist es auch.

Das Thema an sich ist eher trocken. Wenn man von virtuellen Welten spricht, dann geht es erst einmal um Rechenleistung, Bits und Bytes, Berechnungs-Algorithmen. Und. So. Weiter. Wir versuchen also mal, das Vorhaben des britischen Start-Ups Improbable einfach zu erklären, ohne zu technisch zu werden.

Wenn es um die Umsetzung von virtuellen Welten geht, dann sind unsere Möglichkeiten (bisher) sehr begrenzt. Stellt euch mal eine Straße zur Rush Hour vor. Ein Unfall passiert. Eine Spur wird blockiert. Das führt dazu, dass sich der Verkehr kilometerweit zurückstaut. Tausende Staugeplagte rufen im Büro an, um die Verspätung anzukündigen. Das Telefonnetz bricht zusammen. Ein unachtsamer Autofahrer rast auf das Ende des Staus zu. Es gibt einen weiteren Unfall mit Verletzten.

Diese Komplexität, die uns in der Realität jeden Tag begegnet, ist aktuell unmöglich in einer virtuellen Welt zu realisieren. Es gibt einfach keine Technologie, die eine Simulation der Realität ermöglicht. Aber genau das will Improbable ändern.

„Die wirklich interessanten Dinge passieren im großen Maßstab“, so Herman Narula, Mitgründer und CEO des Start-ups.

Jetzt stellt sich die Frage: Wie will Improbable das anstellen? Die Antwort: mit „SpatialOS“. Das ist eine Plattform, die es ermöglicht, dynamisch virtuelle Welten zu berechnen. Ein Beispiel: Das Multiplayer-Rollenspiel World of Warcraft wird von Millionen Nutzern gespielt. Man sieht im Spiel aber immer nur eine vergleichsweise geringe Anzahl der Spieler. Das liegt daran, dass die Spielwelt auf viele unterschiedliche Servern aufgeteilt ist.

Bei „SpatialOS“ läuft das anders ab. Hier wird eine Simulation nicht nach physischem Raum aufgeteilt, sondern sogenannte „Workers“ liefern sie je nach Bedarf aus. „Man hat einen Fahrzeug-Worker, der sich um die Autos kümmert, einen Crowd-Worker, der simuliert, wie sich Menschenmengen bewegen, und dann vielleicht noch einen Energie-Worker, der bestimmt, wie der Strom in der ganzen Stadt verteilt wird“, zitiert „Wired“ Peter Lipka, Chief Operating Officer von Improbable.

Mit anderen Worten: „SpatialOS“ schaltet bei Bedarf dynamisch neue Server hinzu, falls beispielsweise einer unerwartet abstürzt. „Im Ganzen hat man ein Set unterschiedlicher Worker vor sich, die zusammenarbeiten, um eine einzelne lebendige, atmende Stadt zu simulieren. SpatialOS ist das Kerngewebe, das sie zusammenhält“, so Lipka weiter.

Der große Unterschied zu anderen Simulationen ist, dass nicht jeder Bestandteil über jeden anderen Bescheid wissen muss, sondern nur über die in seiner unmittelbareren Umgebung. Im Grunde sind damit Simulationen möglich, die auf Simulationen aufbauen. Das Ziel: eine virtuelle Kopie der realen Welt. Diese soll dann beispielsweise Forschern dabei helfen, Experimente unter  Realbedingungen durchzuführen. Narula bezeichnet das als „eine Was-wäre-wenn-Maschine“.

Elon Musk hat vor ziemlich genau einem Jahr erklärt, dass er es für möglich halte, dass wir alle nur Teil einer unglaublich komplexen und realistischen Simulation seien. Und auf die Frage, ob er glaube, dass wir in einer Simulation leben, sagte Narula: „Ziemlich sicher, oder?“ Narula weiter: „Ich würde sagen, es ist möglich, eine virtuelle Welt zu kreieren – ich weiß wirklich nicht, warum es nicht so sein sollte.“

Ob und wann es Improbable (oder ein anderes Unternehmen) wirklich schafft, erfolgreich eine virtuelle Eins-zu-Eins-Kopie der uns bekannten Welt zu eschaffen, kann niemand vorhersehen. Die Vorstellung, dass gerade in diesem Moment daran gearbeitet wird, ist aber etwas unheimlich, oder? Nicht wenn es nach Narula geht: „Simulationen sind großartig. Man hat in ihnen eine Verstand-Körper-Dualität, richtig? Man kann sterben und es ist okay. Es könnte also ein Leben nach dem Tod geben.“

Aber wenn wir uns gerade im Moment tatsächlich in einer Simulation befinden sollten, dann würde das alles eigentlich auch keine Rolle spielen und ich könnte Feierabend machen. Heute vielleicht mal wieder „Matrix“ schauen… oder ne Runde „WoW“ zocken.

Simulationen sind wichtig. Auch in der Medizin. Es gibt sogar ein Simulationskrankenhaus. Wie es dort aussieht, zeigen wir euch hier:

Facebook WhatsApp

Diese Beiträge könnten dir auch gefallen: