Jan Stremmels Reisetagebuch: Wie hat das Smartphone unsere Welt verändert?

Jan Stremmels Reisetagebuch: Wie hat das Smartphone unsere Welt verändert?

vor 2 Jahren

Wir benutzen es täglich. Es klebt nahezu an unseren Körpern – das Smartphone. Im „Galileo Spezial: Was, erst 10 Jahre? So hat das Smartphone unsere Welt verändert“ zeigen wir euch das Smartphone mal anders. Und zwar aus verschiedensten Perspektiven. Das Galileo Spezial läuft am Sonntag, 9. April 2017, um 19:05 Uhr auf ProSieben.

Dafür war unser Reporter Jan Stremmel auf der ganzen Welt unterwegs. Er hat uns ein Reisetagebuch aus seiner Perspektive geschrieben:

Erste Station: China

Smartphone

.
Auf nach Shenzhen

Für den Anfang unseres Drehs reisen wir für vier Tage in die Smartphone-Hauptstadt der Welt: nach Shenzhen, im Süden Chinas. Wir sind hier, um zu sehen, wo die Geräte hergestellt werden, die wir alle in der Tasche tragen. Fast alle großen Hersteller, von Apple bis Samsung, lassen ihre Smartphones günstig in Shenzhen fertigen. Auch deshalb ist die Elf-Millionen-Stadt eine der am schnellsten wachsenden der Erde – in den achtziger Jahren lebten hier gerade mal 30.000 Einwohner. Heute haben die Bewohner das höchste Pro-Kopf-Einkommen in ganz China.

Wir haben eine der eher seltenen Drehgenehmigungen in einer Smartphone-Fabrik erhalten. Dort treffe ich Tang, einen einfachen Wanderarbeiter. Ich helfe ihm ein paar Stunden lang am Fließband, wo er jeden Tag seit mehr als zehn Jahren kleine Schräubchen in Smartphones dreht. Seine Familie sieht er nur einmal im Jahr. Obwohl Tang kein Wort Englisch spricht (und ich kein Wort Kantonesisch), verstehen wir uns gut. In seiner Mittagspause zeigt er mir überraschend seine Wohnung gegenüber der Fabrik. Ein kleiner Schock für mich: Er teilt sich ein winziges Zimmer mit sieben anderen Wanderarbeitern. Trotzdem wirkt er auf mich nicht so, als würde ihn das stören.

Smartphone

.
In der Smartphone-Fabrik mit Tang

Ganz anders lebt dagegen Jeremy. Der Ingenieur arbeitet für einen großen chinesischen Hersteller und programmiert Software für Smartphones. Ich verbringe einen Arbeitstag mit ihm und bin überrascht: Jeremy verlässt das gigantische Firmengelände fast nie. Er wohnt dort in einem Wohnheim, er isst morgens, mittags und abends in der Kantine und spielt nach Feierabend Badminton in der Sporthalle, die natürlich auch zur Firma gehört. Ein Leben wie im Internat – aber seltsam findet Jeremy das nicht, im Gegenteil. Er wirkt wie jemand, der seinen Job liebt.

Smartphone

.
Mit Ingenieur Jeremy bei einem chinesischen Hersteller

Langsam verstehe ich: Der Smartphone-Boom der letzten Jahre hat den Chinesen in erster Linie viele neue Jobs beschert. Und selbst die einfachsten davon sind besser bezahlt als die Jobs auf dem Land, wo etwa Tangs Familie lebt.

Zweite Station: Schweden

Natürlich hat das Smartphone aber nicht nur neue Jobs gebracht, sondern auch Schaden angerichtet. Deshalb geht es für mich aus dem schwülen China direkt rauf in den Norden des Planeten, nach Schweden. Dort haben die allermeisten Menschen ein Smartphone – und so zeigen sich dort auch die ersten Nebenwirkungen davon: Handy-Sucht ist in Schweden ein echtes Problem. Und auch ich habe die leise Sorge, dass meine Smartphone-Nutzung nicht so ganz gesund sein kann. Seit ein paar Tagen zählt eine App auf meinem Handy, wie viel Zeit ich am Tag drauf gucke: im Schnitt dreieinhalb Stunden!

Smartphone

.
Eine Smartphone-Fastenkur im Nirgendwo

Ich verabrede mich mit dem Suchtberater Patrick in Stockholm. Er therapiert Menschen, die gar nicht mehr ohne Smartphone leben können. Als wir gerade angefangen haben zu drehen, bekommt er einen Anruf von einer verzweifelten Frau: Ihr Sohn werde immer schlechter in der Schule, weil er jede freie Minute Computer spiele oder auf dem Handy daddle. Solche Anrufe bekommt der Therapeut jeden Tag. Einer seiner Tipps, wie man sich gegen die Sucht wappnet: einen Tag in der Woche komplett aufs Handy verzichten.

Smartphone

.
Ab nach Schwedisch-Lappland

Das will ich ausprobieren – und fliege weiter nach Norden. Nach Lappland, eine Region, die teils in Schweden, teils in Norwegen und teils in Finnland liegt. Von Umeå (sprich “üh-meoh”) aus fahren wir bei minus 18 Grad durch verschneite Wälder bis an einen zugefrorenen See. In dieser einsamen Idylle lebt Karina, und sie ist Expertin für den Handy-Verzicht. In ihrem Gästehaus bietet sie “Smartphone-Detox” an. Das heißt: Gleich nach dem Schuheausziehen muss ich mein Smartphone ausschalten und in ein Schränkchen sperren – dann zeigt sie mir, wie mein digitalbeschleunigtes Hirn wieder zur Besinnung kommt. Wir meditieren, wir fahren mit Schlitten übers Eis, zur Krönung darf ich Holz hacken für die Sauna. Ob es am Handy-Detox oder am Holzhacken liegt – ich falle so früh und so müde ins Bett wie schon lang nicht mehr. Und laut meiner App sinkt meine tägliche Smartphone-Zeit danach deutlich (zumindest für ein paar Tage, bis ich Karinas mahnende Blicke vergessen habe).

Smartphone

.
Ab zum Holzhacken
© ProSieben

Dritte Station: Tansania

Smartphone

.
Und weiter geht es nach Tansania

Ein paar Tage bin ich zuhause in München, dann geht es mit dem Team weiter nach Afrika. Denn eine wichtige Frage will ich noch klären: Wie hat das Smartphone das Leben der Menschen verändert, die vorher nicht mal Telefone hatten? Wir fliegen nach Tansania und fahren mit einem Safari-Jeep quer durch die Savanne ins Gebiet der Massai. Die Massai leben nomadisch von der Rinderzucht – sie wandern also mit ihren Herden immer dem besten Weidegrund hinterher. Schon vorab habe ich gehört, dass die Massai inzwischen Smartphones für die Suche nach gutem Weideland nutzen – aber als ich dort bin, ist das längst nicht alles. Es ist lange kein Regen gefallen, die Rinder sind schwach und hungrig, da ruft einer der Hirten vor meinen Augen einen Tierarzt – mit WhatsApp. Und noch etwas erstaunt mich: Die Massai-Hirten nutzen ihre Handys sogar, um bargeldlos zu bezahlen und Geld zu überweisen. Obwohl keiner von ihnen ein Bankkonto hat. Seit es Smartphones gebe, erzählen sie mir, komme es deshalb zu viel weniger Diebstählen.

Smartphone

© Foto: © ProSieben

Aus der Savanne geht es in ein Krankenhaus, es liegt am Fuße des Kilimandscharo. Die bergige Landschaft ist traumhaft schön, sie macht es den Menschen aber auch schwer, zum Arzt zu gehen. Deshalb ist das Smartphone dort ein Glücksfall: Augenärzte der Christoffel-Blindenmission benutzen es, um in entlegenen Orten Patienten zu untersuchen. Im Geländewagen begleite ich den Medizinischen Fotografen Dismas auf seiner Runde durch die Dörfer – und bin komplett fasziniert: Er macht Sehtests mit Kindern und fotografiert mit einem kleinen Handy-Aufsatz die Netzhaut von älteren Leuten. Die Bilder gehen per Cloud direkt ins Krankenhaus, wo ein Arzt sie prüft. Den mühsamen Marsch ins Krankenhaus müssen die Dorfbewohner erst machen, wenn auf den Fotos etwas Kritisches zu sehen ist.

Smartphone

.
Sehtest via Smartphone erfolgreich bestanden

In dem Dorf in Tansania wird mir zum Abschluss unseres Films etwas Wichtiges klar: Was ich da den ganzen Tag in der Hosentasche mit mir herumtrage ist ein Hochleistungscomputer. Mit dem man neben allem Unterhaltungsquatsch extrem sinnvolle Dinge tun kann. Schon ein erstaunlicher Gedanke: Während mein Smartphone die meiste Zeit E-Mails verschicken oder Fotos auf Instagram posten muss, rettet das gleiche Gerät in Afrika Kindern das Augenlicht.

Also, nicht verpassen! „Galileo Spezial: Was, erst 10 Jahre? So hat das Smartphone unsere Welt verändert“ läuft am Sonntagabend um 19:05 Uhr auf ProSieben.

Facebook WhatsApp

Diese Beiträge könnten dir auch gefallen:

Diese Website verwendet eigene Cookies und Cookies von Dritten um die Nutzung unseres Angebotes zu analysieren, Ihr Surferlebnis zur personalisieren und Ihnen interessante Informationen zu präsentieren (Erstellung von Nutzungsprofilen). Wenn Sie Ihren Besuch fortsetzen, stimmen Sie der Verwendung solcher Cookies zu. Bitte besuchen Sie unsere Cookie Bestimmungen um mehr zu erfahren, auch dazu, wie Sie Cookies deaktivieren und der Bildung von Nutzungsprofilen widersprechen können. Datenschutzbestimmungen
OK