Münchener Student entwickelt Methode, um Menschen durch Wände zu sehen
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Münchener Student entwickelt Methode, um Menschen durch Wände zu sehen

vor 1 Jahr

Die Vorstellung, dass jemand andere Menschen durch Wohnungswände hindurch fotografieren kann ist ganz schön gruselig. Besonders, wenn dafür nichts mehr als ein WLAN-Router notwendig ist. Ein 23-jähriger Physikstudent hat aber genau das getestet und war erfolgreich. Aber wie funktioniert das?

Die Möglichkeit, mithilfe von WLAN-Signalen durch Wände zu sehen, ist erst einmal nichts Neues. Daran wird schon seit Jahren geforscht. Schon jetzt können damit bewegte Objekte getrackt oder Gegenstände erkannt werden. Auch zweidimensionale Bilder werden schon mit Wi-Fi-Signalen erzeugt.

Neu ist aber, ganze Räume zu scannen, um so dreidimensionale Abbildungen von ihnen zu erschaffen. Gegenstände können so erfasst werden, ohne dass man sich im gleichen Raum aufhält. Die Übertragung von elektromagnetischen Wi-Fi-Wellen macht dieses „Fotografieren durch Wände“ möglich.

Fotografieren durch Wände

Philipp Holl, ein 23-jähriger Physikstudent der TU München, kam auf die Idee und revolutionierte die Technologie. Als Teil seiner Bachelorarbeit beschäftigte er sich mit WLAN-Wellen und entwickelte dazu zusammen mit seinem Professor, Dr. Friedemann Reinhard, eine ganz neue Methode.

Sie ist bislang einzigartig. Dort, wo normale Fotografie üblicherweise aufhört, setzt die Abbildung der Wellen von WLAN-Signalen ein. So wird ein 3D-Hologramm von dem Raum erzeugt, in dem sich ein WLAN-Sender befindet. Gegenstände lassen sich abbilden, „so als hätten wir Augen für Mikrowellenstrahlung“, sagt Reinhard, Professor am Lehrstuhl für Nanostrukturen und -Quantensysteme.

Mikrowellenstrahlung als Kamera

Bilder werden also aus der Mikrowellenstrahlung eines WLAN-Senders erzeugt. Dazu werden zwei Antennen, eine feststehende und eine bewegliche, benötigt. Während die feste Antenne das Wi-Fi-Feld aufzeichnet, wird die andere bewegt. So wird das gleiche Feld, allerdings von verschiedenen Punkten aus erfasst. In Kombination erzeugen sie so ein Hologramm von den Objekten, die sich im Raum befinden. Theoretisch funktioniert das auch mit Handy-Signalen und Bluetooth. Das ganze sieht auf dem „Foto“ dann so aus:

Foto durch Wi-Fi
Philip Holls and Friedemann Reinhard/Physical Review Letters 118, 183901
© Philip Holls and Friedemann Reinhard/Physical Review Letters (CC BY 3.0)

Neben dem Kreuz aus Alufolie, können auch Umrisse von Meschen und Tieren sehr genau abgebildet werden.

Einsatz bei der Suche nach Verunglückten

Ganz ausgereift ist die Technologie allerdings noch nicht, denn kleinere Gegenstände, wie beispielsweise eine Tasse Kaffee, werden noch nicht richtig erkannt. Sie bleiben unscharf. Holl und Reinhard erhoffen sich aber sehr viel von dem neuen Verfahren. Es soll nicht etwa den Foto-Markt revolutionieren, sondern Menschenleben retten. So könnte die Technologie einmal bei der Suche nach Lawinen- und Erdbebenopfern verwendet werden.

Solche technologischen Neuerungen werfen natürlich immer wieder das Thema Datensicherheit auf. Was könnte passieren, wenn es allgemein möglich ist, Menschen in separaten Räumen zu fotografieren? Wie sicher die „intelligenten Haushaltsgeräte“ sind, die ihr jetzt schon kaufen könnt, haben wir getestet. In diesem Video erfahrt ihr mehr.

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