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Was wäre, wenn alle nur noch E-Autos fahren?

E-Autos werden immer beliebter.  Im Video wagen wir das Gedankenexperiment: Was wäre, wenn wir alle umsteigen würden? Auf der Seite klären wir, welche Probleme es noch gibt - und welche Lösungsansätze.
Teaserbild: Was wäre, wenn alle nur noch E-Autos fahren?

Das Wichtigste zum Thema E-Autos

  • Mit einem Milliardenprogramm fördern Staat und Hersteller bis 2025 den Kauf eines Elektroautos. So sollen die alternativen Fahrzeuge massentauglich werden.

  • Kaufst du einen Stromer mit Listenpreis unter 40.000 Euro gibt es 6.000 Euro Zuschuss. Bislang waren es 4.000 Euro. E-Autos die beim Händler mehr als 40.000 Euro kosten, werden in Zukunft 5.000 Euro günstiger.

  • Schon 2019 wurden Stromer immer beliebter, es wurden laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) 63.281 neu zugelassen. Klingt bei insgesamt rund 47 Millionen Autos auf deutschen Straßen nicht viel, entspricht aber einem Zuwachs von 75 Prozent im Vergleich zu 2018. Insgesamt sind 220.000 E-Autos und Plug-in-Hybride unterwegs.

  • (K)ein Dauerläufer: Die noch "kurze" Reichweite ist für viele ein Grund, keinen Stromer zu kaufen. Dabei legen wir Deutschen im Schnitt eigentlich nicht mehr als 40 Kilometer pro Tag mit dem Auto zurück. Der amerikanische Autobauer Tesla tüftelt gerade an einer Batterie, die 1,6 Millionen Kilometer halten soll. Mehr dazu erfährst du weiter unten.

  • Ein weiteres Problem: Wo soll ich mein E-Auto aufladen? An einer Lösung arbeitet gerade VW - mit selbstständigen Laderobotern. Wie das funktioniert, zeigen wir dir unten.

  • In Nordrhein-Westfalen wurde vor Kurzem die größte Schnell-Ladestation für Elektroautos in Europa mit 12.000 Quadratmetern Fläche eröffnet. Es stehen bereits 44 der vorgesehenen 114 Ladestationen zur Verfügung. Die E-Auto-Raststätte beherbergt außerdem ein 150 Quadratmeter großes Café-Bistro mit Bio-Backstube.

Real-Life-Check: Wie realistisch ist reine E-Mobilität?

Gäbe es überall nur noch E-Autos, E-Roller und Co. wären Tankstellen überflüssig. Stattdessen bräuchte Deutschland massenhaft Ladepunkte. Schon für die anvisierte eine Million E-Autos wären rund 70.000 Normal- und 7.000 Schnell-Ladepunkte notwendig.

Stand Ende 2019 gab es deutschlandweit 24.000 Ladepunkte, davon gut 3.500 Schnell-Lader. Klingt nicht viel, aber im Vergleich zum Vorjahr fast 50 Prozent mehr.

© picture alliance/dpa

 

Macht das Stromnetz eine solche Belastung überhaupt mit? Ginge es nur um die Strommenge, wäre reine E-Mobilität wohl kein Problem. 105 Terawattstunden wären notwendig. Aber: Die Netzabdeckung würde es nicht verkraften, wenn viele Menschen um 19 Uhr ein E-Auto für 10 Stunden ans Stromnetz anschließen.

Ein weiterer Kritik-Punkt an E-Mobilität: die Reichweite. Momentan versprechen Hersteller Reichweiten von 200 bis 600 Kilometern. Eine Reise durch ganz Deutschland ist damit zwar nicht möglich. Jedoch fährt der Durchschnittsdeutsche täglich nur rund 40 Kilometer.

Öko-Fakten zur E-Mobilität

  • 🎒

    Während der Akkuherstellung wird viel Kohlendioxid freigesetzt. Das rechnet sich für deine CO2-Bilanz erst, wenn du mindestens 50.000 Kilometer gefahren bist.

  • 🏭

    Die Batterien für dein E-Auto werden vor allem in China und Südkorea produziert. Dort kommt der Strom aber oft aus Kohlekraftwerken.

  • 🔌

    Noch laufen E-Autos in Deutschland mit einem Strommix, der selbst nicht zu 100 Prozent sauber ist. Mit der "Energiewende" soll sich das ändern.

  • Wie lange hält eine E-Auto-Batterie? Hersteller versprechen Laufleistungen zwischen 100.000 und 150.000 Kilometern. Echte Langzeiterfahrungen fehlen.

  • Nach geschätzt 5 bis 10 Jahren bringen die Akkus nur noch 80 Prozent Leistung. 'Danach sind sie perfekt als portabler Stromspender fürs Camping oder als Sammelspeicher in der Energieversorgung.

  • 🔍

    Gibt’s genug Rohstoffe? Geologen schätzen: Ja! Allerdings müssen viele Vorkommen von Lithium, Kobalt und Co. noch erschlossen werden.

Das braucht man für eine E-Auto-Batterie

Die Batterie in einem E-Auto ist das wichtigste und gleichzeitig größte und schwerste Bauteil. Sie ist das Fundament eines Stromers: Die Batterie wird als Boden eines E-Autos verbaut.

Die Produktion einer solchen mehreren Hundert Kilogramm schweren Batterie ist ein langer und komplizierter Prozess. Dafür werden seltene Rohstoffe gebraucht: Lithium, Kobalt, Kupfer, Aluminium, Mangan. Diese abzubauen und zu verarbeiten erfordert nicht nur komplexe Abläufe, sondern ist auch umstritten. Das zeigt das Beispiel Lithium, das wenig mit einer gesunden Öko-Bilanz zu tun hat - wofür E-Autos allgemein stehen (sollen).

Lukratives, listiges Lithium

Rund 60 Prozent des weltweiten Lithium-Vorkommens findet sich im Dreiländereck zwischen Argentinien, Chile und Bolivien in Südamerika. Dort versteckt sich der begehrte Rohstoff im Grundwasser gelöst.

Um ihn zu gewinnen, muss er herausgefiltert werden. Dazu befördern spezielle Pumpen das Wasser aus großen Tiefen an die Erdoberfläche in gigantische künstliche Becken. In diesen mehreren Hundert Meter langen und breiten Becken verdunstet das Wasser, sodass eine glibberige Masse übrig bleibt. Diese Masse wird weiterverarbeitet, damit die darin enthaltenen etwa 6 Prozent Lithium von den anderen Mineralien getrennt werden. Reines Lithium ist letztlich ein weißliches Pulver.

Lithium-Abbau in der Atacama-Wüste


In der Atacama-Wüste in Nord-Chile wird lithium-haltiges Wasser in große Becken gepumpt.
© picture alliance/Construction Photography/Photoshot

Das Problem am Lithiumabbau: die drastischen Eingriffe ins Ökosystem. Für eine Autobatterie verschwinden etwa 80.000 Liter Grundwasser. Weil der Grundwasserspiegel absinkt, wird der Boden für die Landwirtschaft unfruchtbar. Außerdem verbreiten sich durch die Dunstbecken die Chemikalien, die zum Trennen des Lithiums eingesetzt werden, als giftiger Staub.

Auch bei der Weiterverarbeitung der Rohstoffe gibt es Probleme. Die findet aktuell zu großen Teilen in China und Südkorea statt. Und dort läuft die Industrie größtenteils mit Strom aus Kohlekraftwerken.

Woran arbeitet Tesla?

  • 🔋

    Der US-Elektroautopionier Tesla will Elektroautos konkurrenzfähig mit herkömmlichen Benzinern machen. Wie? Mit einer neuen Batterie, die auf eine Lebensdauer von 1,6 Millionen Kilometer ausgelegt ist.

  • Durch die Verwendung bestimmter chemischer Additive, Materialien und Beschichtungen soll die Batterie länger Energie speichern können.

  • 💰

    Die neue Batterie soll preisgünstiger als übliche Auto-Batterien sein - weil sie ohne, beziehungsweise mit wenig Kobalt auskommt. Das Schwermetall ist sehr teuer.

  • 📅

    Die neue Batterie soll noch im Laufe dieses oder Anfang nächsten Jahres im Model 3 zum Einsatz kommen - zunächst in China; später auch in anderen Märkten, wie Insider der Nachrichtenagentur Reuters berichten.

  • 💵

    Neben den Materialkosten, will Tesla angeblich auch die Arbeitskosten senken. Das Unternehmen arbeite aktuell an der Einführung einer hochautomatisierten Batterie-Herstellung. Das Verfahren soll in riesigen Fabriken eingesetzt werden, die laut den Insidern etwa 30-mal so groß wie Teslas Giga-Fabrik in Nevada seien.

Wo kann ich bitte mein E-Auto laden?

Diese Frage ist für den Durchbruch von E-Autos essentiell. VW arbeitet gerade an der Lösung des Problems: mit einer Studie zu mobilen Laderobotern.

Autonome Roboter wären vor allem für Parkplätze bestens geeignet - weil dadurch komplizierte Umbaumaßnahmen unnötig wären, um jeden Stellplatz mit einer Steckdose zu versorgen.

Die VW-Idee: Die rollenden Geräte werden über eine App oder Assistenzsysteme in den E-Autos gesteuert. Der Roboter fährt dann selbstständig mit einem Akku im Gepäck zum Auto, öffnet die Ladeklappe und schließt den Stecker an.

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Auch Sony mischt mit: Diese E-Autos sind geplant

So grün ist ein E-Auto wirklich

E-Autos produzieren auf der Straße keine direkten Emissionen von Kohlendioxid (CO2) oder anderen Treibhausgasen. Das bedeutet aber nicht, dass sie komplett klimaneutral sind. Für die sogenannte Öko-Bilanz eines Fahrzeugs zählt das gesamte "Leben": von der Produktion über die Wartung bis zur Entsorgung. Wir schauen mal genauer hin und vergleichen einen Stromer mit einem Benziner.

CO2-Emissionen

Schon heute sind E-Fahrzeuge im Vorteil. Obwohl während Produktion, Wartung und Entsorgung noch recht viel CO2 ausgestoßen wird. Außerdem: Da E-Autos in Deutschland noch längst nicht mit 100 Prozent grünem Strom fahren, wird auch hier CO2produziert.  

CO2 Bilanz Benziner und E-Auto

 

Stickoxid-Emissionen

Hier liegen E-Autos schon jetzt vorn. Zwar ist der Anteil bei der Fahrzeugherstellung noch größer, aber weil Stromer eben keine direkten Emissionen im Straßenverkehr ausstoßen, ist ihre Bilanz besser.

Stickoxid bei Benziner und E-Auto

 

Feinstaub-Emissionen

Da haben Stromer (noch) das Nachsehen. Während der Produktion eines E-Autos werden noch viel mehr Feinstaubemissionen ausgestoßen als bei einem Benziner.

Feinstaub bei Benziner und E-Auto

Wer hat das erste E-Auto entwickelt?

Das erste Auto war eigentlich gar nicht Carl Benz' Motorenwagen: 1881 auf der Elektrizitätsmesse fuhr Gustave Trouvé mit einem E-Dreirad vor. Das gute Gerät schaffte stolze 12 Stundenkilometer - das galt damals noch als gefährlich. Durch technische Entwicklungen wie den elektrischen Anlasser (1911) und die neuartige Fließbandproduktion überholten Autos mit Verbrennungsmotor letztlich die frühen E-Autos.

Erfinder E-Auto

Fortbewegung unter Strom

Veröffentlicht: 12.10.2020 / Autor: Alexander Duebbert