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Assistenzsysteme im Auto: Blackbox und Intelligent Speed Assistance sind bald Pflicht

Neuwagen müssen künftig serienmäßig über technische Assistenzsysteme wie Intelligent Speed Assistance und Blackbox verfügen. So will es die EU. Wie diese technischen Helfer Europas Straßen sicherer machen sollen, erfährst du hier.
Assistenzsysteme im Auto: Blackbox und Intelligent Speed Assistance sind bald Pflicht
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Das Wichtigste zum Thema Verpflichtende Assistenzsysteme im Auto

  • Ab Juli 2022 müssen Auto-Firmen in ihren neuen Modellen und ab 2024 in allen Neuwagen einige Assistenzsysteme verpflichtend einbauen.

  • Dazu zählen unter anderem ein Geschwindigkeits-Assistent, der das Einhalten von Tempo-Limits erleichtert, und eine Blackbox, die Unfalldaten anonym speichert.

  • Die kommende Pflicht für technische Assistenzsysteme ist jedoch nicht unumstritten: Während einige weitere Sicherheits-Maßnahmen zum Schutz von Menschenleben fordern, fürchten andere um ihre Freiheit am Steuer.

Neue EU-Verordnung für mehr Verkehrssicherheit

In den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) gab es 2021 fast 20.000 Verkehrstote. Das waren rund 1.000 Menschen mehr als 2020, die bei Unfällen im Straßenverkehr ums Leben kamen.

In den vergangenen Jahren verringerte sich die Zahl jedoch zum Glück. Im Vergleich zum Jahr 2010 ist die Anzahl der Verkehrstoten in der EU um mehr als ein Drittel (36 Prozent) gesunken.

Um den Straßenverkehr noch sicherer zu machen, hat die Europäische Kommission eine neue Verordnung verabschiedet. Danach werden einige technische Assistenzsysteme ab dem 6. Juli 2022 in neuen Fahrzeugtypen und ab 2024 in allen Neuwagen zur Pflicht.

Bis Anfang Juli 2027 muss die Europäische Kommission einen Bericht über die Wirksamkeit der neuen Sicherheits-Maßnahmen vorlegen. Dieser soll danach alle fünf Jahre erneuert werden.

Welche Sicherheitssysteme verpflichtend werden

  • 📢

    Intelligent Speed Assistance (ISA): Ein intelligenter Geschwindigkeitsassistent unterstützt Fahrer:innen beim Einhalten von Tempo-Limits. Mithilfe von Sensoren, Kameras und einem digitalen Kartennetz erkennt der Assistent Verkehrszeichen und gibt bei zu schnellem Fahren ein Signal, etwa einen Alarmton oder ein vibrierendes Pedal.

  • 😴

    Müdigkeitswarner: Indem Augen- und Lidbewegungen sowie Lenkverhalten aufgezeichnet werden, bemerkt das System Veränderungen, die auf nachlassende Aufmerksamkeit schließen lassen. Fahrer:innen bekommen dann eine Erinnerung, eine Pause einzulegen.

  • 🎥

    Rückfahrassistent: Dieser hilft dank Kamera und Sensoren beim Rückwärtsfahren. Er erkennt Passant:innen und Hindernisse und erleichtert dadurch vor allem das Ein- und Ausparken.

  • 💾

    Blackbox: Die sogenannte ereignisbezogene Datenaufzeichnung speichert Fahrdaten wie Geschwindigkeit und Position unmittelbar vor, während und nach einem Zusammenprall. Diese können zur Unfallforschung anonymisiert ausgelesen werden.

  • Notbremsassistent: Er stoppt das Auto bei Gefahren mithilfe von Abstands- und Geschwindigkeits-Messern eigenständig ab, um einen Zusammenstoß zu verhindern.

  • 🚨

    Notbremslicht: Musst du bei einer Vollbremsung voll in die Eisen steigen, zeigt dies das adaptive Bremslicht künftig den nachfolgenden Verkehrsteilnehmer:innen an. Im Gegensatz zu einer normalen Bremsung blinken die Bremslichter dann mehrmals pro Sekunde.

  • 🛣

    Spurhalteassistent: Wenn das Auto die markierte Fahrbahn verlässt oder die Spurlinie überfährt, warnt dieser die Fahrer:innen und lenkt notfalls wieder ein.

  • 🍻

    Eine Alkohol-Wegfahrsperre hindert etwa durch die Messung des Alkoholgehalts der Atemluft betrunkene Fahrer:innen an der Abfahrt. Ein eingebautes Kontrollgerät ist künftig zwar noch nicht Pflicht, wohl aber eine standardisierte Vorrichtung, die einen nachträglichen Einbau ermöglicht.

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Hintergrund: Unfall-Statistik in Deutschland

Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2021 über 300.000 Unfälle im Straßenverkehr, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden.

Mehr als 36.000 der Unfälle mit Personenschaden gingen auf unangemessenes Fahrtempo und rund 38.000 auf nicht ausreichenden Abstand beim Fahren zurück.

Über 2.500 Menschen starben durch Verkehrsunfälle. Der Wert sinkt seit Jahren und ist aktuell auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung der Statistik vor mehr als 60 Jahren. Zu verdanken ist das unter anderem der Einführung vom Tempo 100 auf Landstraßen 1972 und der Gurtpflicht 1976.

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Die neue Pflicht für einige technische Assistenzsysteme sorgt für gemischte Reaktionen. Vor allem beim Geschwindigkeits-Assistenten und der Auto-Blackbox gehen die Meinungen auseinander.

 

ISA beim Start Pflicht - danach ausschaltbar

Hersteller:innen müssen künftig Geschwindigkeits-Assistenten in ihre Autos verbauen. Diese sind zwar bei jedem Start aktiv. Sie können jedoch ignoriert oder bis zur nächsten Fahrt abgeschaltet werden. So behalten Fahrer:innen jederzeit die Kontrolle über ihr Auto.

Der Verband der europäischen Automobilhersteller (ACEA) befürwortet dies. Er warnte bereits 2018, Geschwindigkeits-Assistenten seien noch zu ungenau.

Für den Interessenverband der Fußgänger:innen (FUSS e.V.) hingegen sollten Geschwindigkeits-Assistenten dauerhaft eingeschaltet bleiben. Das würde zahlreiche Menschenleben retten.

 

Blackbox kein Spionage-Instrument

Durch die sogenannte ereignisbezogene Datenaufzeichnung fürchten sich einige Fahrer:innen vor Bespitzelung.

Zwar speichern Neuwagen künftig Fahrdaten im unmittelbaren Zusammenhang mit einem Unfall. Infos zum Fahrzeug oder zu Besitzer:innen werden jedoch nicht aufgezeichnet.

Behörden können die Daten zu Analyse-Zwecken zur Verfügung gestellt werden.

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FAQ zum Thema Verpflichtende Assistenzsysteme im Auto

  • ⁉️

    Ab wann gilt die EU-Verordnung zur Pflicht technischer Assistenzsysteme im Auto?

    Die Pflicht gilt ab dem 6. Juli 2022 in neuen Modellen und ab 2024 in allen Neuwagen.

  • ⁉️

    Was ist Intelligent Speed Assistance (ISA)?

    Ein intelligenter Geschwindigkeits-Assistent warnt Fahrer:innen mithilfe von Sensoren, Kameras und einem digitalen Kartennetz bei zu schnellem Fahren mit einem Signal.

  • ⁉️

    Hat ein Auto eine Blackbox?

    Für neue Auto-Modelle ab Juli 2022 und generell für Neuwagen ab 2024 ist eine sogenannte ereignisbezogene Datenaufzeichnung Pflicht. Das ist eine Art Blackbox wie im Flugzeug.

  • ⁉️

    Welche Daten speichert eine Blackbox im Auto?

    Mit der sogenannten ereignisbezogenen Datenaufzeichnung werden Fahrdaten im unmittelbaren Zusammenhang mit einem Unfall gesichert.

  • ⁉️

    Welche Daten überträgt eine Blackbox im Auto?

    Fahrdaten wie Geschwindigkeit und Position vor, während und nach einem Zusammenstoß werden anonymisiert gespeichert. Sie können zu Untersuchungs-Zwecken verwendet werden.

Veröffentlicht: 27.04.2022 / Autor: Alexander Duebbert