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Cyberkriege werden vom Computer aus geführt - und können Zivilisten stark treffen.

Cyberkriege: Wie Länder und Hacker-Gruppen digital in den Kampf ziehen

Russland hat die Ukraine mit seinem Militär angegriffen, aber auch im Internet bekämpfen sich beide Länder. Ist das ein Cyberkrieg? Und welche Rolle spielt das Hacker-Kollektiv Anonymus?
Cyberkriege: Wie Länder und Hacker-Gruppen digital in den Kampf ziehen
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Cyberkrieg in der Ukraine

  • Russland befindet sich nach seinem Angriff auf sein Nachbarland im Krieg mit der Ukraine. Die russische Armee greift Ziele in der Ukraine an, die ukrainischen Militärs versuchen sich zu verteidigen.

  • Bereits unmittelbar vor dem militärischen Angriff waren Internetseiten der ukrainischen Regierung, einiger Ministerien und von ukrainischen Banken nicht erreichbar. Grund dafür sind mutmaßlich Angriffe russischer Cyberkrieger.

  • Zudem kam es zu Malware-Attacken, die darauf abzielten, Daten zu zerstören, und das Internet lahmzulegen. Mit Internet über Satellit wollte Starlink von Elon Musk helfen.

  • Mit gefälschten Videos wird versucht, Fake News zu verbreiten. Hier ist oft von einem Informations-Krieg die Rede.

  • Die ukrainische Regierung hat Hacker:innen weltweit dazu aufgerufen, der ukrainischen IT-Armee beizutreten und so die Ukraine bei Cyber-Angriffen zu unterstützen.

Warum der Begriff Cyberkrieg umstritten ist

Der Begriff Cyberkrieg gilt als umstritten. Von einem Krieg im herkömmlichen Sinne spricht man, wenn Militär im Einsatz ist. Da ist auch klar: Wenn ein Staat vom Militär eines anderen Staates angegriffen wird, reagiert er mit militärischen Mitteln. Ebenso greifen staatliche Militärs in der Regel keine zivilen Ziele an.

Beim Cyberkrieg ist vieles noch unklar. Beispielsweise, ob zivile Ziele (in diesem Fall sowas wie Privatcomputer und die Netzwerke von Unternehmen) angegriffen werden „dürfen". Oder ob es akzeptabel ist, auf einen digitalen Angriff auf die Infrastruktur eines Staates mit konventionellen militärischen Mitteln zu reagieren. Regierungen weltweit diskutieren seit Jahren darüber, was die richtige Antwort auf einen Cyberkrieg sein könnte.

Die Ziele von Cyberkrieg

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    Cyberkriege zielen oft darauf ab, das Internet zu stören. So soll die Weitergabe von Informationen erschwert und die Bevölkerung verunsichert werden.

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    Zudem nehmen Cyberangreifer auch kritische Infrastruktur wie Wasser- und Energieversorgung ins Visier, um den Gegner zu schwächen.

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    Auch Finanzsysteme gelten bei Cyberkriegen als mögliche Angriffsziele.

Diese Folgen kann ein Cyberkrieg haben

  • Immer wieder wird davor gewarnt, dass bei einem Cyberkrieg Strom-Netze abgeschaltet oder die Wasser-Versorgung lahmgelegt werden könnten. Das hätte innerhalb kurzer Zeit massive Auswirkungen auf sehr viele Menschen.

  • Schadsoftware kann sogar so weit gehen, dass sie etwa eine Industrieanlage nicht nur digital, sondern auch physisch schädigen kann. Ein Horror-Szenario hierfür ist ein Cyberangriff auf ein Atomkraftwerk.

  • Durch Schadsoftware können auch Herstellungs-Anlagen von Unternehmen zerstört werden.

Ist Deutschland von Cyberangriffen bedroht?

  • Die Bundesregierung hat nach dem russischen Angriff auf die Ukraine erklärt, die Schutzmaßnahmen gegen Cyberangriffe erhöht zu haben. Es könne auch sein, dass ein Angriff auf ukrainische IT-Systeme weltweite Auswirkungen habe.

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    Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt davor, dass eine Cyberattacke gegen "Hochwert-Ziele" drohe. Das berichtete der Spiegel.

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    Unter anderem Energieversorger und militärische Einrichtungen gelten als mögliche Ziele von Cyberangriffen. Auch Personen in der Politik stünden im Fokus mutmaßlich russischer Hacker-Gruppen.

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    Über Phishingmails versuchen die Hacker:innen, Zugriff auf E-Mails und damit auf Daten beispielsweise von Mandatsträger:innen zu erbeuten. Diese könnten für Desinformations-Kampagnen genutzt werden.

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    In Deutschland waren auch zahlreiche Windräder zeitweise nicht mit dem Internet verbunden. Das war die Folge einer mutmaßlich gezielten Cyberattacke auf einen Satellitennetz-Provider. Am Morgen des Kriegsbeginns in der Ukraine startete der Cyberangriff - und legte in Teilen der Ukraine das Internet lahm.

Diese Rolle spielt Anonymus

Nach dem Angriff der russischen Armee auf die Ukraine hat das Hacker-Kollektiv Anonymous Russland den Cyberkrieg erklärt. Sie haben russische Webseiten gehackt, unter anderem waren die Seiten des Kremls und der Moskauer Börse nicht erreichbar. Hier vermischt sich der Krieg zwischen zwei staatlichen Akteuren (Russland und Ukraine) mit Angriffen nicht-staatlicher Akteure wie Anonymous. Kritiker warnen, dass auch die Angriffe von Anonymus illegal seien und das Einmischen nicht-staatlicher Akteure den Krieg weiter eskalieren lassen könnte.

Aber auch mit kreativen Aktionen versucht Anonymous, Zeichen gegen den Krieg Russlands zu setzen - wie die zahlreichen Rezensionen von russischen Restaurants auf Google Maps zeigen. Anonymous griff dabei die Idee auf, in Bewertungen von Gaststätten in Russland den Krieg in der Ukraine zu beschreiben. Da die russischen Staatsmedien nur von einer "Spezialoperation" berichten, sollten so die Fakten zum Krieg in der Ukraine den russischen Bürger:innen nähergebracht werden.

Welche Angriffe gibt es bei Cyberkriegen

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    Sogenannte DDoS-Attacken ("Distributed Denial of Service") legen mit massenhaften Anfragen auf Webseiten diese lahm. Bei solchen Attacken fragen Hacker:innen gezielt mit einer großen Anzahl an Rechnern gleichzeitig auf eine Webseite. Die Server der Webseite sind dem Ansturm nicht gewachsen und reagieren gar nicht mehr auf Anfragen.

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    Bei Angriffen mit Ransomware und Wipern stehen die Daten der angegriffenen Rechner im Fokus. Eine Ransomware verschafft sich Zugriff auf einen Computer. Dann verschlüsselt sie in der Regel die Daten, sodass diese nicht mehr verfügbar sind. Alternativ kann Schadsoftware die Daten auch löschen.

  • 🖥

    Aber auch andere Arten von Angriffen wie Phishing, Malware oder Viren sowie das Ermitteln von Kennwörtern können angewandt werden.

Veröffentlicht: 10.03.2022 / Autor: Johannes Huyer