Eine Szene aus dem 2020er Game "Cyberpunk 2077"

Cyberpunk 2077: Wie nah sind Cyberware, NetWatch und Blackwall an der Realität?

Im Open-World-Game "Cyberpunk 2077" können wir unsere Körper upgraden, rennen gegen virtuelle Mauern und müssen uns vor Cyber-Überwachung schützen. Wie fern ist diese düstere Zukunft? Welche Techniken heute schon möglich sind und was hinter Cyberpunk steckt.
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Was ist "Cyberpunk 2077"?

  • Das Action Role Playing Game erscheint am 10. Dezember und kostet um die 60 Euro. Sein Open-World-Setting erlaubt, dass der Spieler die Welt im Game frei erkunden kann. Es gibt also keine Beschränkungen oder Vorgaben.

  • Im Game kontrolliert der Spieler den Söldner "V", der sich durch die gefährliche Metropole Night City navigiert und beim Kampf gegen Konzerne zur Legende werden kann.

  • Dank eines Daten-Chips im Kopf der Hauptfigur kommentiert ein von Hollywood-Star Keanu Reeves gespieltes Hologramm immer wieder das Geschehen.

  • Die Abenteuer spielen sich nicht nur in der Stadt ab, sondern auch im Web dieser Welt. Eine virtuelle Mauer, die Blackwall, trennt das normale Netz vom "alten Netz", in dem beunruhigend intelligente Schadprogramme unterwegs sind.

  • Eine Sonder-Einheit der UN namens NetWatch überwacht die Bewegungen im Netz, sowohl die der Programme als auch die der menschlichen Hacker, der Netrunners.

Cyberware im Game - Medizin und Biohacking in der Realität

Der menschliche Körper als Andock-Station für technische Erweiterungen - das ist in "Cyberpunk 2077" Normalität. Auch die Hauptfigur kann der Spieler "aufrüsten", ihr zum Beispiel Klingen im Arm verpassen.

Solche "Upgrades" gibt es in der Wirklichkeit nicht. Auch forscht keiner ernsthaft daran, gesunde Gliedmaßen durch künstliche zu ersetzen.

Doch gibt es schon Möglichkeiten, Technik und Biologie im menschlichen Körper zu verschmelzen: in der Medizin. Zudem versuchen Gruppen wie Biohacker in Experimenten am eigenen Körper, Chips über Nerven anzusteuern.

Cyberware im Jahr 2020

  • 🦾

    Die medizinische Forschung hat bereits Armprothesen entwickelt, die der Träger durch Gedanken steuern kann und die sogar Rückmeldung an Nerven schicken können.

  • 🦸‍♂️

    In der Schweiz nimmt der als Superheld "Bionicman" arbeitende Michel Fornasier Kindern die Angst vor Prothesen.

  • 🔧

    Der Biotechnik-Student David Aguilar entwickelt funktionsfähige Armprothesen aus Lego. Auch dank 3D-Druckern sind Prothesen für viele erschwinglicher geworden.

  • 🤖

    Biohacker und Transhumanisten experimentieren mit Erweiterungen des Körpers: So können unter die Haut gepflanzte Chips genutzt werden, um die Daten des Smartphones zu speichern.

Biohacking im Game und in der Realität

"Neuromancer", "Syndicate" und Co - der Ursprung der Cyberpunk-Ideen

Mitte der 1980er Jahre entwickelte sich ein neues Genre im Science-Fiction, der Cyberpunk. Autoren wie William Gibson und Bruce Sterling prägten mit ihren dunklen Underdog-Helden in einer grellen Zukunft die neue Richtung: schwindelerregende Häuserschluchten, grelle Reklame, unendlicher Reichtum für wenige, quälende Enge für die meisten - dieses Setting ist auch heute noch typisch.

Einer der ersten Romane war "Neuromancer", und schon bald fand sich die Ästhetik in Games wieder - wie in "Syndicate" und auch in Kinofilmen wie "Blade Runner" oder "Akira". Wie jeder guter Science-Fiction kommentiert Cyberpunk die menschliche Gesellschaft.

  • Die Autoren der 80er sahen die ersten sich entwickelnden Computernetzwerke und entwarfen Visionen von verkabelten Gesellschaften, in denen Cyberkriminalität zur größten Bedrohung und Privatsphäre zum Luxus wird ... Kein Wunder also, dass in Games wie "Cyberpunk 2077" Hacker die eigentlichen Helden sind.
  • Bei Cyberpunk sitzen diese Netrunner aber nicht einfach nur vor dem Monitor, sondern tauchen dank neuronaler Interfaces direkt in den Cyberspace ein.
  • Japans expandierende Technologie-Konzerne waren in den 80ern mit dem Industrie- und Handelsministerium ("Mighy MITI") verknüpft. Darum kontrollieren in vielen Cyberpunk-Geschichten Firmen die Gesellschaft - und nicht mehr die Regierung.

Darkwall, eine Mauer im Netz - kann es so etwas geben?

  • 🧱

    Im Game "Cyberpunk 2077" ist ein Teil des Webs abgesperrt, um gefährliche Viren an der Flucht zu hindern.

  • 🕶️

    Auch heute schon ist etwa 90 Prozent des Netzes für Suchmaschinen nicht sichtbar - das Deep Web. Darin enthalten ist das Dark Net, das nur über spezielle Browser erreichbar ist.

  • 💡

    Künstliche Intelligenzen spielen im Netz eine immer größere Rolle. Intelligente Suchmaschinen helfen uns beim Navigieren, und Chatbots können einfache Fragen beantworten. Da die Algorithmen lernen, entwickeln sie sich oft in unerwartete Richtungen: Die K.I. "Tay" lernte 2016 beispielsweise auf Twitter, andere User zu beschimpfen.

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Als dezentrales System ist das Internet prinzipiell nicht leicht zu kontrollieren. Dennoch werden seine Nutzer immer leichter verfolgbar. Netzneutralität wird zur Zeit heiß diskutiert.

  • Über Cookies und Tracer erstellen viele Seiten Profile ihrer Nutzer.
  • China betreibt mit "Projekt Goldener Schild" das weltweit weitreichendste Programm zur Kontrolle von Inhalten und Überwachung der Nutzer.
  • Die Bürger Nordkoreas können nur eine kleine Anzahl von Adressen aufrufen.
  • In Deutschland sind "Websperren" möglich. Sie erschweren den Zugang, wenn Seiten gegen Gesetze verstoßen oder gefährdende Inhalte verbreiten.

 

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Veröffentlicht: 09.12.2020 / Autor: Martin Haldenmair