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Die größte Bombe aller Zeiten

1961 zündete die Sowjetunion im Polarmeer die größte Bombe der Geschichte. Jetzt gibt es zum ersten Mal Aufnahmen dieses Tests zu sehen.
Die größte abgeworfene Atombombe der Welt wurde 1961 getestet.

Das Wichtigste zum Thema Atombomben

  • 1961 explodierte die "Zar-Bombe" über der Polarinsel Nowaja Semlja. Die russische Atombehörde veröffentlichte nun erstmals geheime Aufnahmen von diesem größten Atomtest der Geschichte.

  • Der Atompilz erreichte eine Höhe von 64 Kilometern. Die Wasserstoffbombe hatte eine Sprengkraft von 50 Megatonnen. Das ist 4.000 Mal so stark wie die Hiroshima-Bombe, die die Amerikaner 1945 abwarfen.

  • Derzeit gibt es weltweit 9 offizielle Atommächte. Sie besitzen schätzungsweise über 13.800 Nuklearwaffen. Willst Du mehr darüber und über die Abrüstungsinitiativen erfahren, dann lies unten weiter.

Der Atomtest von 1961

Der Kaiser der Bomben - Als die Erde 1961 bebte

Beobachter konnten den Lichtblitz noch 1.000 Kilometer weit entfernt sehen und die Resthitze noch 250 Kilometer weiter spüren. Erdbeben-Messgeräte auf der ganzen Welt machten ein Ereignis der Stärke 5.0 auf der Richterskala aus.

Das sowjetische Militär warf am 30. Oktober 1961 die größte Wasserstoffbombe aller Zeiten ab und zündete die "Zar-Bombe"" 4 Kilometer über der Oberfläche der Polarinsel Nowaja Semlja. Sie soll ganze 8 Meter lang gewesen sein und hatte einen Durchmesser von 2 Metern. Ihr Gewicht betrug 27 Tonnen. Das entspricht ungefähr dem von 12 Nashörnern.

Größte Bombe aller Zeiten

© picture alliance/Cover Images/The Ministry of Medium Machine Building of the USSR

Der größte Atomtest aller Zeiten verursachte unten auf der Insel im Umkreis von 100 Kilometer Verbrennungen dritten Grades. Und die Sprengkraft von 50 Megatonnen war nur eine "Testdosis". Obwohl dies schon die 4.000-fache Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe bedeutete, wartete die Zar-Bombe eigentlich mit 100 Megatonnen auf. Alleine der Test mit der Hälfte soll gereicht haben, dass noch in Norwegen Fensterscheiben zerbrachen.

Nun veröffentlichte die russische Atombehörde "Rosatom" zum ersten Mal die Aufnahmen, von denen du oben Ausschnitte gesehen hast. Es ist ein klassischer Propagandafilm aus der Zeit des Kalten Krieges, in dem Technik und Zerstörungswut der Bombe gelobt werden. Warum die Russen sich jetzt dafür entschieden, bleibt ein Geheimnis.

Die Atommächte 2019 und ihre Kernwaffen

Die Geschichte der Atombombe und ihre grausamen Folgen

In den 30er Jahren diskutierten Wissenschaftler erstmals die Idee, eine Waffe von unglaublicher Energie zu schaffen, die durch den Beschuss eines Atomkerns mit Neutronen entstehen sollte. 1938 entdeckten und deuteten Otto Hahn, Fritz Straßmann, Lise Meitner und Otto Frisch einen solchen Weg zur Urankernspaltung.

Die Nazis kalkulierten diese Waffe in ihre Kriegsführung ein. Zum Glück blieben die deutschen Entwickler erfolglos. Die Amerikaner iniziierten 1942 ihr "Manhattan-Projekt", unter der Leitung Robert Oppenheimers. Den Wissenschaftlern gelang es, eine Atombombe zu entwickeln.

Atombombe Hiroshima


Im August 1945 warfen die USA 2 Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima (im Bild) und Nagasaki ab - die bisher einzigen Fälle, in denen Atombomben im Krieg eingesetzt wurden.
© picture alliance/CPA Media

Am 6. August 1945 warfen  die USA die Bombe "Little Boy" über dem japanischen Hiroshima ab. Am 9. August folgte die Bombe auf Nagasaki. Über 200.000 Menschen starben schätzungsweise an den Tagen der Abwürfe und in den Monaten danach. Die Strahlenkrankheit führte zu Geschwüren, Haarausfall, inneren Blutungen und weiteren Qualen bis zum Tod. Die Opfer, die in weiteren Jahren an den Folgen starben, nicht mitgerechnet. Viele Nachkommen der Überlebenden leiden an Missbildungen.

Trotz oder genau wegen dieses grausamen Ereignisses, begannen nach dem Krieg auch Russland, Großbritannien, Frankreich und China Atombomben zu entwickeln. Die kriegerische Logik lautete, dass nur wenn verschiedene Großmächte eine Bombe besitzen, der Frieden gewahrt bleiben könne. Dann habe  jeder Angst, der andere zünde sie ebenfalls. Das wurde "Gleichgewicht des Schreckens" genannt. Die Mächte veranstaltete überirdische und unterirdische Tests, sogar in bewohnten Gebieten oder Zonen, in denen Soldaten stationiert waren. Auch hier starben viele an Spätfolgen wie Krebs.

50 Jahre Atomwaffensperrvertrag

1970 brachte der Atomwaffensperrvertag Hoffnung in den Abrüstungsprozess. Da die Angst größer wurde, dass instabile Staaten oder Terroristen Atomwaffen bekommen könnten, entschloss sich die internationale Gemeinschaft Folgendes zu regeln: Staaten mit Atomwaffen, geben diese nicht weiter und bauen ihr Arsenal ab. Staaten ohne Atomwaffen garantieren, nicht zu versuchen, welche zu bekommen.

191 Staaten haben unterschrieben, darunter die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China. Nicht unterzeichnet haben Israel, Pakistan, Indien, die Atomwaffenprogramme besitzen. Nordkorea stieg 2003 aus und testete inzwischen Kernwaffen. Auch der Iran geriet 2003 unter Verdacht, ein Atomwaffenprogramm zu unterhalten.

Der Abbau der Kernwaffen läuft schleppend. In den 80er Jahren gab es rund 70.000 Kernwaffen. Da sich die Staaten nie genug vertrauen, wurden meist nur Waffen vernichtet, die veraltet oder nicht einsatzbereit waren. Von 2018 auf 2019 wurden nur 4 Prozent reduziert. Außerdem ist bekannt, dass Atommächte ihre Arsenale modernisieren oder die Kapazitäten sogar ausbauen.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

Veröffentlicht: 24.10.2020 / Autor: Sven Hasselberg