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Ein Mann hält einen Controller, im Hintergrund läuft das Videospiel Fifa.

Abzocke und Glücksspiel beim Zocken? So funktionieren Lootboxen

Lootboxen haben bei Gamern einen schlechten Ruf. Trotzdem setzen Entwickler:innen auf diese teuren, zusätzlichen Inhalte - auch weil es ein Milliardenmarkt ist. Wie funktionieren die Boxen und warum gelten Lootboxen nicht als Glücksspiel?
Abzocke und Glücksspiel beim Zocken? So funktionieren Lootboxen
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Das Wichtigste zum Thema Lootboxen

  • Die Gaming-Industrie wächst seit Jahren. Laut Branchenverband "game" gaben die Deutschen 2020 mehr als 8,5 Milliarden Euro fürs Zocken aus. Im Vergleich zu 2019 stieg der Umsatz um 32 Prozent.

  • Allein über "In-Game-Käufe" kamen 2020 etwa 3,2 Milliarden zusammen. Dabei kaufen Gamer zusätzliche Inhalte für bereits gekaufte Videospiele - zum Beispiel eine bessere Ausstattung für ihre Spielfigur oder einen Zugang zum Online-Spielen.

  • Besonders umstritten bei In-Game-Käufen sind "Lootboxen", bei denen Gamer virtuelle Behälter mit zufälligen Inhalten erwerben. Die Vorwürfe: Pay-to-win und Glücksspiel.

  • Inzwischen machen Warnhinweise schon beim Spiele-Kauf auf Lootbox-Mechaniken aufmerksam - vergleichbar mit den Altersbeschränkungen. Zuständig dafür: die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle). Sie prüft Computerspiele in Deutschland.

Das USK-Label soll vor Lootboxen warnen

  • 👨‍⚖️

    Am 1. Mai 2020 trat ein neues Jugendschutzgesetz in Kraft. Betroffen davon sind Games mit "glückspielähnlichen Mechanismen". Prinzipiell sieht das Gesetz die Möglichkeit vor, Spiele aufgrund solcher In-Game-Käufe mit Glücksspiel-Charakter mit einer höheren Alterseinstufung zu kennzeichnen.

  • 📶

    In Online-Shops weist ein Label der USK darauf hin, wenn in einem Spiel "simuliertes Glückspiel und zufallsgenerierte Käufe", wie Lootboxen angeboten werden.

  • 🔞

    "In-Game Purchases (Includes Random Items)" steht im Playstation- oder Microsoft-Store neben der Altersbeschränkung, die ebenfalls von der USK festgelegt wird.

  • 👍

    Außerdem gibt es die ESRB- und PEGI-Alterseinstufungssysteme. Auch durch die Siegel wird angezeigt, ob ein Spiel optionale In-Game-Käufe enthält.

Das steckt hinter dem Prinzip "Lootbox"

Mit einer spielinternen Währung kaufst du virtuelle "Schatzkisten" ("Lootboxes"). In denen sind zusätzliche Inhalte nach Zufallsprinzip versteckt. Würdest du ein Lootbox-Spiel fragen, was du alles Cooles darin machen kannst - es würde wahrscheinlich antworten wie dieser Charakter aus "Rick and Morty":

Mehr Tore dank Lootbox-System?

Fifa 21 war 2020 das meistverkaufte Videospiel in Deutschland. Und so läuft's hier mit den Lootboxen:

Zunächst braucht es "Spielgeld", also eine spielinterne Währung: Die "Fifa Points" kannst du gegen richtiges Geld kaufen: 100 Fifa Points für 0,99 Euro, 12.000 Fifa Points für 99,99 Euro.

Mit diesen Points kannst du unter anderem "Karten-Packs" mit Fußballern kaufen - und so dein eigenes Team verbessern, wenn es im Online-Match gegen deine Freunde geht. Der Catch: Beim Kauf weißt du nur, dass in den teureren Packs bessere Spieler sind, aber nicht welche!

Klingt verdächtig nach Glücksspiel. Ist das nicht verboten?

  • 🎮

    Der Branchenverband "game" sagt: "nein". Und bisher gelten Lootboxen in Deutschland rein rechtlich auch nicht als Glücksspiel.

  • 🥚

    Sie seien eher vergleichbar mit Überraschungs-Eiern oder Panini-Bildern, argumentiert der Verband. Und weniger mit Lottoscheinen.

  • 🏁

    Denn um das Spielziel zu erreichen, seien die freiwilligen In-Game-Käufe nicht zwingend notwendig.

  • 💸

    Außerdem erhalte der Käufer:innen immer einen Gegenwert in Form von virtuellen Gegenständen. Das eingesetzte Geld ist also nicht verloren wie bei einarmigen Banditen.

Gegenargumente? Ja, die gibt's

Belgien, Niederlande und Großbritannien haben Lootboxen in manchen Spielen bereits verboten. "Wenn es ein Spielelement gibt, kann eine Wette zu Gewinn oder Verlust führen, und der Zufall hat eine Rolle im Spiel", begründete der belgische Justizminister seine Entscheidung.

Auch in Deutschland fordern immer mehr ein Verbot. Nicht nur genervte Gamer, auch die USK bewertet Lootboxen als bedenklich.

Die Argumentation der Gegner:innen: Vor allem Jugendliche seien anfällig, viel Geld in diese glücksspielähnliche Mechanik zu investieren. Stichwort: Suchtpotenzial. Schließlich will man ja unbedingt eine Fußball-Legende wie Cristiano Ronaldo in seinem Team haben, oder? Also her mit dem nächsten Karten-Pack!

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Der Haken: Der Spielentwickler EA hatte es mit seinem Lootbox-System übertrieben. Gamer waren richtig sauer, dass sie nicht ohne weiteres mit ihren Star-Wars-Helden spielen konnten, sondern auf Glück bei gekauften Lootboxen hoffen mussten. Obwohl sie schon etwa 60 Euro für das Spiel ausgegeben hatten. EA ruderte zurück und nahm diese Mechanik wieder aus dem Spiel. Aber Gamer sind immer noch sauer.

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Veröffentlicht: 19.04.2022 / Autor: Johannes Korsche