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Rohstoffe im Handy

Rohstoffe in Smartphones: Das steckt wirklich in deinem Handy

Alle zwei bis drei Jahre kaufen wir ein neues Smartphone und schmeißen das alte weg. Damit verschwenden wir jede Menge wertvolle Rohstoffe. Aber was steckt eigentlich in deinem Handy drin? Und was kannst du mit deinen alten Smartphones machen? Wir verraten es dir.
Rohstoffe in Smartphones: Das steckt wirklich in deinem Handy
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Rohstoffe im Handy: Das Wichtigste zum Thema

  • 2021 wurden weltweit rund 1,4 Milliarden Smartphones verkauft, fast 6 Prozent mehr als im Jahr 2020.

  • In Deutschland hingegen gibt es einen leichten Abwärtstrend. Hier wurden 2021 rund 20,4 Millionen Handys gekauft, rund 7 Prozent weniger als im Vorjahr.

  • Dennoch: Smartphones werden in der Regel schon nach zwei bis drei Jahren ausgewechselt und selten recycelt. Die Produktion neuer Handys verbraucht deshalb enorm viele Ressourcen.

  • In Smartphones stecken unter anderem sehr seltene Metalle. Deren Gewinnung ist meist energieintensiv, umweltschädlich und oft auch gefährlich für die Arbeiter:innen. Meist werden sie unter schlechten Arbeitsbedingungen ausgebeutet.

  • Aber welche Rohstoffe stecken wirklich in Smartphones? Woher kommen sie? Und worauf können wir als Käufer:innen achten? Wir erklären es dir.

Im Galileo-Podcast: Woher kommen die Rohstoffe für unsere Smartphones?

Rohstoffe in Smartphones: Das steckt drin

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    Laut einer Untersuchung von 2020 bestehen Smartphones im Durchschnitt aus 45 Prozent Metall, 32 Prozent Glas, 17 Prozent Kunststoff und sechs Prozent anderen Material-Verbunden.

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    Insgesamt lassen sich über 60 Elemente in Smartphones identifizieren. Die wertvollsten sind die verbauten Metalle.

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    Gemessen am Gewicht bestehen Smartphones zum Großteil aus Eisen, Silizium, Magnesium, Aluminium, Kupfer, Nickel und Chrom.

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    Dazu kommen kleinere Mengen anderer Metalle, die teilweise sehr selten und wertvoll sind. Dazu zählen Gold, Palladium, Gallium, Germanium, Indium, Neodym, Tantal, Kobalt, Lithium, Platin, Wolfram, Zinn und Seltene Erden. Einige davon gelten aufgrund ihrer Seltenheit als Konflikt-Rohstoff. Was das ist, erfährst du weiter unten.

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    Die über 60 Rohstoffe werden auf der ganzen Welt abgebaut und aufbereitet und dann zur Weiterverarbeitung meist in andere Länder geschickt. Die Smartphone-Hersteller kaufen schließlich die fertigen Bauteile ein, um daraus das Handy zusammenzusetzen.

Metalle im Handy: Was steckt drin und woher kommt es?

Aufbau eines Smartphones und Übersicht über die verbauten Metalle
Diese Metalle stecken in deinem Smartphone
Dieses sind die wichtigsten Abbau-Länder für Metalle im Smartphone
Metalle im Smartphone -Die wichtigsten Abbauländer
Dieses sind die wichtigsten Abbau-Länder für Metalle im Smartphone
Metalle im Smartphone -Die wichtigsten Abbauländer
Aufbau eines Smartphones und Übersicht über die verbauten Metalle
Dieses sind die wichtigsten Abbau-Länder für Metalle im Smartphone
Dieses sind die wichtigsten Abbau-Länder für Metalle im Smartphone

Metalle im Smartphone: Welche Aufgaben haben sie?

Unsere Smartphones bestehen zum Großteil aus Metallen. Aber welche Funktion haben sie? Wir erklären dir ein paar davon.

Gold

Gold kann nicht nur Strom gut leiten, es ist auch sehr korrosionsbeständig. Deshalb sind vor allem stark beanspruchte Kontaktflächen innerhalb des Smartphones mit Gold legiert, wie zum Beispiel an der SIM-Karte oder am Akku.

Gold ist das wertvollste Metall in einem Handy. Es steckt weit weniger als ein Gramm in jedem Smartphone. Hochgerechnet auf 1,4 Milliarden Smartphones sind das allerdings schon rund 24 Tonnen Gold.

Lithium

Lithium steckt in jedem Smartphone-Akku. Das Leichtmetall kann auf wenig Platz viel Energie speichern - hat also eine hohe Energiedichte. Das machen sich die modernen Lithium-Ionen-Akkus zunutze. Sie sind leicht, wiederaufladbar und liefern über lange Jahre eine konstante Leistung.

Silizium

Silizium steckt im Display und in der Leiterplatte eines Smartphones. Während es im Display als Bestandteil von Glas verbaut ist, hat es in der Leiterplatte eine andere Funktion. Silizium ist nämlich ein Halbleiter. Heißt: Unter verschiedenen Umständen kann das Element entweder Strom leiten oder isolieren. Dank dieser Eigenschaft lassen sich kleine elektrische Schalter bauen.

Wolfram

Wolfram steckt im Vibrations-Motor eines Smartphones. Das Besondere am Metall: Es hat bei relativ geringer Masse ein hohes Gewicht. Durch einen Elektro-Impuls wird es in Schwingung versetzt, was das Handy vibrieren lässt.

Indium

Indium steckt im Display eines Smartphones. Eine hauchdünne Schicht von Indium-Zinn-Oxid macht hier die Touchscreen-Funktion möglich. Es ist transparent, leitfähig und wärmeabweisend.

Seltene Erden

Als "Seltene Erden" oder "Seltene-Erden-Elemente" (SEE) werden eine Gruppe von 17 Metallen bezeichnet. An sich kommen die Metalle häufig vor. Sie gelten trotzdem als selten, weil sie in kleinen Mengen in weit verstreuten Mineralien zu finden sind. Ihr Abbau im großen Stil ist also sehr schwierig. Zu den Seltenen Erden zählen Elemente wie Praseodym, Neodym und Dysprosium. Im Smartphone sind sie in den Magneten der Lautsprecher, der Kamera sowie im Vibrations-Motor zu finden.

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Wie werden die Metalle gewonnen?

Ein Smartphone wiegt ohne Akku im Durchschnitt 110 Gramm. Von den über 60 verschiedenen Elementen brauchen die Hersteller also pro Handy nur teilweise wenige Milligramm.

Doch je nach Element ist das einfacher gesagt als getan. Der Abbau der verschiedenen Rohstoffe ist oft sehr arbeitsaufwendig, energieintensiv und belastend für Umwelt und Mensch. Denn für wenige Milligramm eines Metalls müssen oft mehrere Hundert Kilogramm Erde oder Gestein bewegt werden. Um die reinen Metalle dort herauszulösen, kommen zudem oft gefährliche Chemikalien zum Einsatz.

Gefährlicher Abbau

Arbeiter und Arbeiterinnen in Minen riskieren oft ihr Leben für unsere Smartphones. Denn Arbeitsschutz wird hier meist kleingeschrieben. Stundenlang arbeiten sie bei hohen Temperaturen in engen, stickigen Gängen. Einstürze und Erdrutsche sind ständige Gefahren. Darunter leiden auch die Anwohner:innen. Oft müssen sie für das lukrative Geschäft mit den Metallen umgesiedelt werden.

Für all das bekommen die Arbeiter:innen meist sehr niedrige Löhne.

Goldmine in Senegal


Die Minen-Arbeiter:innen dieser Goldmine im Senegal haben wenig Platz und kaum Ausrüstung. Sie arbeiten stundenlang bei hohen Temperaturen.
© picture alliance / AA | Pablo Parra

Gefährliche Verarbeitung

Auch die Weiterverarbeitung vieler Metalle birgt Gefahren. So wird bei der Goldförderung das Gestein zermahlen und dann mit giftigem Cyanid oder Quecksilber getränkt. Arbeiter:innen machen dies auch teilweise ganz ohne Schutzkleidung.

Einige dieser giftigen Stoffe landen schließlich in der Umwelt und bedrohen damit alle Lebewesen. So entsteht bei der Gewinnung von Aluminium jede Menge sogenannter Rotschlamm. Das giftige Gemisch ist bereits bei Unfällen ausgetreten und hat Gebiete unbewohnbar gemacht und Menschenleben gefordert.

Neben der Gefahr für die Natur kommt es bei der Weiterverarbeitung der Rohstoffe auch zu erheblichen Mengen von Abfallstoffen und einem sehr hohen Energie-Verbrauch. Eine Tonne Aluminium braucht zum Beispiel so viel Energie wie ein Zwei-Personen-Haushalt in fünf Jahren.

Rotschlamm in Ungarn


2010 ist in Ungarn ein Rückhaltebecken mit giftigem Rotschlamm ausgelaufen. Drei Dörfer wurden kontaminiert, zehn Menschen starben.
© picture alliance / dpa | SANDOR H. SZABO

Konflikt-Rohstoffe

Konflikt-Rohstoffe sind Rohstoffe aus Regionen, in denen bereits jahrelang Krieg herrscht. Die Konflikt-Parteien finanzieren sich oft über den Abbau der nachgefragten Rohstoffe. Mit dem Kauf der Stoffe unterstützt man also den Krieg. Zu solchen Konflikt-Rohstoffen gehören unter anderem Tantal/Coltan, Wolfram, Zinn und Kobalt. Einige von ihnen werden in der Demokratischen Republik Kongo abgebaut, in der seit Jahren Bürgerkrieg herrscht.

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Ist das Recyceln von Smartphones möglich?

  • Grundsätzlich solltest du dein Smartphone so lange nutzen, wie es funktioniert. Denn: Schmeißt du es einfach weg und kaufst dir ein neues, verschwendest du damit kostbare Rohstoffe.

  • In Smartphones sind teilweise hohe Konzentrationen von Metallen enthalten. Für die gleiche Menge müsste man in vielen Fällen mehrere Tonnen Erde und Gestein abbauen. Eine Rückgewinnung wäre also effizienter. Aber lassen sich die Metalle von Smartphones überhaupt alle recyceln?

  • Beim Recyceln stehen meist zwei Fragen im Vordergrund: Ist der Aufwand der Rückgewinnung wirtschaftlich tragbar? Und: Ist das Recyceln der Komponente weniger schädlich für die Umwelt als ein erneuter Abbau? Denn: Manche Recycling-Prozesse sind zwar möglich, verbrauchen aber sehr viel Energie und verursachen höhere Emissionen.

  • Unter diesen Aspekten werden derzeit hauptsächlich folgende Metalle recycelt: Gold, Kupfer, Silber, Palladium und Platin. Hier können rund 95 Prozent der Edelmetalle wiederverwendet werden.

  • Auch für Gallium, Indium und Seltene Erden könnte sich das Recycling lohnen - hier fehlen aber noch effiziente Verfahren für das Trennen und Aufbereiten der Stoffe.

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Was tun mit alten Smartphones?

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    Laut einer Studie von Bitkom liegen in deutschen Haushalten rund 206 Millionen alte Smartphones in den Schubladen. Darin stecken mehrere Tonnen wertvoller Metalle. Was tun damit?

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    Du kannst dein altes Smartphones natürlich einfach weiterverkaufen. Ist es noch funktionstüchtig, kann es woanders weiterhin seinen Zweck erfüllen. Entweder du verkaufst das Handy privat oder gibst es an Firmen, die mit gebrauchten Smartphones handeln. Dazu zählen rebuy, ZOXS, Clevertronic oder Flip4New.

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    Ist dein Smartphone zu alt oder kaputt, solltest du es fachgerecht entsorgen. Wichtig: Elektro-Schrott solltest du nie in den Hausmüll werfen.

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    Seit 2016 müssen große Händler sowie Online-Shops kleinere Elektro-Geräte zurücknehmen und entsorgen - egal ob du dort ein neues Gerät kaufst oder nicht. Von Online-Händlern kannst du dir dafür ein Rücksende-Etikett ausstellen lassen.

  • Ansonsten solltest du alte Smartphones über die Wertstoffhöfe oder Schadstoff-Mobile deiner Kommune entsorgen. Oder du spendest sie an Umwelt-Organisationen. Sammel-Aktionen für alte Handys gibt es zum Beispiel von dem Naturschutzbund Deutschland, der Deutschen Umwelthilfe oder Pro Wildlife.

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    Egal ob du dein Handy verkaufst oder entsorgst - du solltest vorher unbedingt alle deine Daten löschen. Entferne dafür eventuelle SIM- und Speicherkarten. SIM-Karten kannst du einfach durchschneiden, Speicherkarten lassen sich am Rechner löschen. Setze danach das Smartphone auf die Werkseinstellungen zurück.

Die Alternative: Faire Smartphones

Fair gehandelte Rohstoffe, nachhaltige Produktion und leicht auswechselbare Komponenten: Damit werben sogenannte nachhaltige Smartphones wie Fairphone oder Shiftphone. Sie setzen sich für gute Arbeitsbedingungen und transparente Lieferketten ein. Das Besondere ist zudem ihr modularer Aufbau: Geht irgendetwas kaputt, kannst du Ersatzteile einfach nachbestellen und selbst einbauen. Dadurch soll das Smartphone länger halten.

Funktionieren nachhaltige Smartphones

Funktionieren nachhaltige Smartphones

Smartphones sind unglaublich wichtig, aber alles andere als nachhaltig. Es gibt Hersteller:innen, die dem entgegenwirken wollen. Das Versprechen: einfache Reparatur und transparentere Lieferketten.

Veröffentlicht: 07.06.2022 / Autorin: Amelie Geibel