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Faltbares Smartphone: Wie stabil und praktisch ist es im Alltag?

Klappbare Smartphones waren vor Jahrzehnten schon mal Trend. Mittlerweile gibt es sie wieder - diesmal mit biegsamen Displays. Doch wie stabil und praktisch ist es im Alltag? Galileo-Reporterin Vivi hat's getestet.
Teaserbild: Faltbares Smartphone: Wie stabil und praktisch ist es im Alltag?

Darum sind Falt-Handys flexibel

  • Während "normale" Smartphones Displays aus Glas haben, bestehen die der neuesten faltbaren Handys aus mehrschichtigem Kunststoff.

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    Das ist spürbar - viele Tester beschreiben, dass sich die Oberfläche der Falt-Handys nicht so hochwertig anfühlt wie die eines Glas-Displays.

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    Das erste faltbare Modell von Samsung namens Galaxy Fold hatte Startschwierigkeiten, da es reihenweise kaputt ging.

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    Die Schwachstellen: ein Kunststoff-Display, das leicht verkratzt, dazu ein Scharnier, über das Schmutzpartikel ins Gerät gelangen können.

  • In seinem neuesten Modell Galaxy Z Fold 2 verwendet Samsung ein Gemisch aus Glas und Kunststoff, das deutlich weniger empfindlich sein soll.

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    Galileo-Reporterin Vivi durfte es schon testen. Wie alltagstauglich ist das neue Falt-Handy? Das Ergebnis siehst du oben im VLOG.

Biegsames Glas - wie geht das?

Samsung verwendet beim neuen Galaxy Z Fold 2 zwei unterschiedliche Materialien: Polyimid (PI) und Ultra Thin Glass (UTG).

Ultradünn heißt hier: 30㎛. Das ist so dünn wie eine Alufolie (0,03 mm).

Um eine konstante Härte zu erreichen, wird dem UTG ein spezielles Material injiziert. Welches das ist, verrät Samsung nicht.

Damit soll das Display robust genug sein, um 200.000 Faltvorgänge zu überstehen. Das entspricht einer Lebensdauer von ungefähr 5 Jahren - wenn du das Handy jeden Tag 100 mal falten würdest.

Reine Glas-Displays? Das ist noch Zukunft

Beim Bedienen fühlt man es deutlich: Über der Glasschicht des Galaxy Z Fold 2 liegt eine aus Kunststoff. Ohne die wäre das Falt-Handy nicht ausreichend geschützt. Denn: Sobald man die Schutzschicht entfernt, bricht das Glas; es ist schlicht zu dünn. Von einem "echten" Glas-Display kann also (noch) nicht die Rede sein.

Gibt es irgendwann Falt-Handys mit einem "echten" Glas-Display?

Die Entwicklung läuft. Eine internationale Forschergruppe* hat ein neues Glasmaterial entwickelt, das biegsam und gleichzeitig stabil und leicht ist - ideale Eigenschaften für den Einsatz in flexiblen Displays.


ÖAW-Materialforscherin Megan Cordill am Mikroskop.
© Klaus Pichler/ÖAW

*des Erich-Schmid-Instituts für Materialwissenschaft der ÖAW

Wie haben die Forscher das geschafft?

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    Das Glas in Fenstern oder Trinkgläsern ist sauerstoffhaltig und kann bekanntlich brechen. Es ist bei Raumtemperatur aber auch verformbar.

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    Zunächst hat die Forschungsgruppe bei der Produktion von herkömmlichem Glas einen Bestandteil extrem schnell abkühlen lassen: Aluminiumoxid.

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    Dadurch konnten sie im Inneren der Schmelze eine Kristallisation verhindern und so die Brüchigkeit enorm reduzieren.

  • Die Atome in diesem Glasmaterial haben keine reguläre Ordnung, sondern mischen sich zufällig. Dadurch sind sie so gut verformbar.

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    Das neu entwickelte Glas ist damit sowohl härter als auch als leichter als normales - und sogar Stahl. Perfekt für biegsame und dennoch stabile Smartphone-Displays.

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    Es braucht aber noch weitere Forschungen mit dem neu entwickelten Material, bevor es in der Praxis eingesetzt werden kann.

Ist Willow-Glas die Alternative?

Auch die Spezialisten von Corning sind dran. Schon heute bietet der US-Glas-Hersteller mit dem sogenannten "Willow Glass" eine Variante an, die sich wie Papier aufrollen lässt.

Aus "Willow" und "Gorilla Glass" hat Corning eine Mischung hergestellt, die nur 0,1 Millimeter dick ist und sich auf einen Radius von 3 bis 5 Millimeter biegen lässt. Gleichzeitig soll sie stabiler als handelsübliches Glas sein.

Corning


Bei einer Dicke von 0,1 Millimetern und einem Radius von 5 Millimetern soll das Willow-Glas ebenfalls 200.000 Biegungen überstehen.

Das Problem dabei: Bei der Fertigung werden Zusatzstoffe eingesetzt, die Teile im Smartphone angreifen würden. Es dauert also noch, bis auch diese Methode für Smartphones möglich sein wird. Wir bleiben dran! 

Veröffentlicht: 18.10.2020 / Autor: Viviane Osswald