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Was wurde eigentlich aus ... dem Transrapid?

Bis zu 600 km/h, dazu besonders leise und materialschonend: Der Transrapid galt jahrzehntelang als Krone deutscher Ingenieurskunst. Und heute?

Das Wichtigste zum Thema Transrapid

  • Die Magnetschwebebahn Transrapid galt als Krone deutscher Ingenieurskunst. Über 40 Jahre wurde an der Entwicklung gearbeitet, doch zum Einsatz kam der Transrapid nie - zumindest nicht in Deutschland.

  • Das Besondere am Transrapid: Er ist richtig schnell, rein technisch sind gut 600 km/h möglich. Zum Vergleich: Der ICE schafft maximal gut 400 km/h, im Normalbetrieb fährt er maximal rund 300 km/h.

  • In China ist ein Transrapid im Einsatz: In Shanghai fährt er seit 2002 unter dem Namen "Maglev" - und verbindet den Flughafen Shanghai mit der Stadt. Die 30 Kilometer lange Fahrt dauert nur etwas über 7 Minuten.

  • Für 2020 plant die chinesische Regierung den Einsatz einer ähnlichen Schwebebahn von Guangzhou nach Wuhan. Die Fahrtzeit für die 1.000 Kilometer lange Strecke soll nur rund 2 Stunden betragen.

Der Maglev im Bahnhof Longyang Road in Shanghai

Das ist das Besondere am Transrapid

In der Schiene der Schwebebahn erzeugen elektrische Spulen ein Magnetfeld. Es regelt Anziehung und Abstoßung so, dass der Zug eine Hand breit darüber schwebt.

Es gibt also keine Reibung, keinen Widerstand und somit ist die Schwebebahn sehr viel schneller, leiser und der Verschleiß ist sehr viel geringer als bei einem Höchstgeschwindigkeitszug.

Dieses Elektromagnetfeld in der Schiene zieht die Bahn auch voran. Allerdings kostet der Strecken-Bau sehr viel. Ein Grund, warum der Transrapid in Deutschland nie in Serie gebaut wurde ...

Noch mehr über die Technik und das System des Transrapids erfährst du in folgendem Werbe-Video aus den 1980er Jahren:

Technische Daten der letzten deutschen Generation "Transrapid 09"

  • 🚄

    Geschwindigkeit: Bis zu 505 Kilometer in der Stunde.

  • 🚄

    Beschleunigung: In rund 60 Sekunden von 0 auf 200 Kilometer pro Stunde.

  • 🚄

    Passagiere: Bis zu 156 Sitzplätze, bis zu 328 Stehplätze (bei 3 Wägen).

  • 🚄

    Maße: Bis zu 75,8 Meter lang (bei 3 Wägen), 3,70 Meter breit und 4,25 Meter hoch.

So begann alles in Deutschland

Ingenieur Hermann Kemper aus Niedersachsen erhält 1934 das Patent auf die Magnetschwebebahn. Doch erst in den 1970er Jahren nimmt die Entwicklung an Fahrt auf, Prototypen werden entwickelt. In den 1980er Jahren entsteht dann eine gut 30 Kilometer lange Teststrecke im Emsland errichtet.

© picture alliance/Ulrich Baumgarten

1989 beschließt die Bundesregierung den Bau einer Strecke zwischen den Flughäfen Düsseldorf und Köln. Auch weitere Strecken sind geplant. Keines der Projekte wird jedoch realisiert - wegen zu hoher Kosten. 2006 kam es zudem zu einem Unfall mit mehreren Toten auf der Teststrecke.

Das endgültige Aus für den Transrapid

In Bayern sollte der Transrapid dennoch gebaut werden - zwischen dem Münchner Hauptbahnhof und dem Flughafen. Und so warb der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber dafür.

2008 zog auch die bayerische Regierung aus Kostengründen einen Schlussstrich unter die geplante Strecke. Man rechnete mit Ausgaben von mehr als 3 Milliarden Euro für das Prestige-Projekt - ursprünglich sollte es knapp die Hälfte davon kosten. Damit wurde das letzte Großprojekt begraben, die Bundesregierung stellte die Förderung ein. Die Teststrecke wurde 2011 geschlossen.

Und wo sind die Transrapids heute?

Während einige Transrapidmodelle auf der Teststrecke im Emsland vor sich hin rosten (oben im Bild), stehen andere im Museum: Der "TR04" steht im Technik Museum Speyer, der "TR05" im Technik-Museum in Kassel, der "TR06"im Deutschen Museum Bonn.

© picture alliance/JOKER

Die letzte Generation "TR09" ist wieder zur Familie des Erfinders Hermann Kemper zurückgekehrt. Der entstammte einer Wurst-Dynastie aus Nortrup in Niedersachsen. Sein Urenkel hat die Bahn gekauft und zur Wurstfabrik bringen lassen. Dort können Technik-Fans den Transrapid bestaunen.

Veröffentlicht: 17.01.2020 / Autor: Sven Hasselberg