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Studentin hebt die Hand

Das Wissen der Menschheit: Darum wächst es immer schneller

Alle 15 Jahre verdoppelt sich die Zahl der wissenschaftlichen Studien - und das schon seit Hunderten von Jahren. Auch die Menge der gesammelten Daten wächst enorm. Aber wird die Menschheit dadurch schlauer? Im Clip: So schlau sind Quantencomputer.
Das Wissen der Menschheit: Darum wächst es immer schneller
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Das Wichtigste zum Thema Menschheitswissen

  • Derzeit bevölkern mehr Menschen die Erde als je zuvor. Und diese acht Milliarden lernen mehr als früher: Vor zirka 300 Jahren gab es deutlich weniger als eine Million Menschen mit naturwissenschaftlichen-technischen Ausbildung. Heute sind es mehr als 100 Millionen.

  • Resultat: Das Menschheitswissen wächst stark an. Aber wie lässt sich Wissen überhaupt messen?

  • Der Szientometriker ("Wissenschaftsvermesser") Derek de Solla Price hat dafür in den 60er-Jahren die Zahl wissenschaftlicher Studien ausgewertet. Seine (vereinfachte) Folgerung: Das Wissen um die Welt verdoppelt sich seit 1700 etwa alle 15 Jahre - zumindest das der Wissenschaft.

  • 2019 haben Wissenschaftler:innen weltweit etwa 2,5 Millionen naturwissenschaftliche-technische Studien veröffentlicht. Das sind 800.000 mehr als zehn Jahre zuvor. Gut 100.000 davon kamen aus Deutschland.

  • Problem: Wissenschaftliche Erkenntnisse spiegeln nicht unbedingt das Wissen der Menschen wider. Andere Forscher:innen unterscheiden daher unter anderem wissenschaftliche Erkenntnisse und das menschliches Wissen überhaupt. Zusätzliche Einschränkung: Alle Kriterien betreffen nur die Menge des neuen Wissens - nicht seine Qualität.

Bildungs-Schub

Studentin hebt die Hand

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet 2030 mit 300 Millionen Menschen mit einem Hochschulabschluss. Das wären doppelt so viele wie noch 2013. Zudem wird danach die Hälfte davon aus China und Indien kommen – und etwa zwei Prozent aus Deutschland.

Wie das Wissen immer schneller wächst

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    Um die Menge des Menschheitswissens zu messen, lassen sich aber viel mehr Anhaltspunkte zur Hilfe nehmen: Die Zahl von Forscher:innen oder die Menge elektronisch gespeicherter Daten.

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    Laut dem US-Magazin Forbes hat der Mensch im Internet 2020 über 60 Zetabytes digitale Daten angehäuft (ein Zetabyte hat 21 Nullen). Zum Vergleich: Die Bibel mit ihren gut drei Millionen Buchstaben entspricht der Datenmenge von etwa 400 Millionen Bytes. 60 Zetabytes enthalten also die Datenmenge von 150.000 Milliarden Bibeln.

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    Aber Achtung, Verwechslungsgefahr: Wissen ist nicht gleich Information (Daten). Wissen ist in der Regel Information, über die ein Mensch nachgedacht hat.

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    Da das neue Wissen stets auf dem alten aufbaut, wächst das Wissen exponentiell, also immer schneller.

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    Grundgesetz der Wissenschaft: Um sinnvoll zu arbeiten, müssen Wissenschaftler:innen den Stand der Forschung kennen - also die Arbeit ihrer Kolleg:inn en. Austausch und Vernetzung sind Wissensbeschleuniger.

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    Revolution! Jahrtausendelang lag das Wissen der Menschheit in Bibliotheken. Dadurch gelangten fast nur Forscher:innen in Universitätsstädten an wissenschaftliche Studien. Durch das Internet ist es heute hingegen per Smartphone überall und für alle verfügbar.

Die Universalgelehrten

Leonardo da Vinci, vermutlich Selbstbildnis

Universalgelehrte galten als Wissenschaftler, die einen Überblick über fast alle Disziplinen verfügten - wie beispielsweise der italienische Maler und Erfinder Leonardo da Vinci. Weil das Weltwissen seit Anfang des 18. Jahrhunderts extrem anstieg (Zeitalter der Aufklärung), starben diese Alleswisser aus: Ein Mensch allein konnte es nicht mehr erfassen.

Singularität: Wenn der Computer den Menschen abhängt

Wünschenswert oder erschreckend? Manche Forscher gehen davon aus, dass Künstliche Intelligenz - also Software in Computern - in einer (unabsehbaren) Zukunft die menschliche Intelligenz übertreffen wird.

Nach dieser nicht unumstrittenen Überlegung würden sich Computerprogramme ab einem bestimmten Entwicklungsgrad von selbst weiterentwickeln und in kürzester Zeit superintelligent werden. Dabei würden sie auch das Menschheitswissen quasi explosionsartig vermehren. Diesen Zeitpunkt nennen Forscher:innen "technologische Singularität".

Roboter "NeBula-Spot" des US-amerikanischen Jet Propulsion Center


Erkunden eines Tages Roboter (ähnlich wie hier der "NeBula-Spot" der NASA) das Universum und vermehren mit künstlicher Intelligenz das Wissen um die Welt?
© NASA/JPL-Caltech

Informatiker wie Jürgen Schmidhuber vom schweizerischen Dalle-Molle-Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz glaubt daher sogar, dass nicht der Mensch, sondern und Roboterzivilisation eines Tages den Weltraum besiedeln werden, unbeeinflusst von den Einschränkungen der Lebenserhaltung. Zudem könnten sie in Form von Funkwellen in Lichtgeschwindigkeit zwischen den Sternen reisen - was dem menschlichen Geist versagt bleibt.

Lebenslanges Lernen: ab auf die ewige Schulbank!

Chirurg beim Operieren

Da sich die Lebensdauer einer aktuellen Erkenntnis immer weiter verkürzt, müssen die meisten Menschen lebenslang lernen. Automechaniker:innen müssen sich beispielsweise mit neuer Elektronik auseinandersetzen, Chirurg:innen mit neuen OP-Techniken.

Veröffentlicht: 04.07.2022 / Autor: Peter Schneider