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Die mit den Sternen tanzen: ESA - Europas Team im Weltraum

Auch Europa treibt sich im Weltall rum - und das mit ziemlich bahnbrechenden Missionen. Welche das sind - und warum europäische Raketen aus Südamerika abheben, erfährst du hier.

Das Wichtigste zum Thema ESA

  • Die ESA ist das Produkt eines Misserfolgs: Anfang der 1970er bauten mehrere europäische Staaten zusammen eine Rakete. Nachdem diese zwei Fehlstarts hingelegt hatte, wurde die ESA gegründet.

  • Den mehr als 2.000 Mitarbeitern der ESA stehen jährlich 5,7 Milliarden Euro zur Verfügung. Das hört sich viel an? Die gut 17.000 NASA-Mitarbeiter können umgerechnet mehr als 20 Milliarden Euro ausgeben.

  • Die ESA ist keine EU-Organisation, sondern selbstständig. Mit 22 europäischen Mitgliedern - und sogar Kanada ist ein Kooperationspartner.

  • Im Auftrag der EU hat die ESA ein eigenes auf Satelliten gestütztes Navigationsnetz namens Galileo aufgebaut. Ab 2020 ist Europa damit vom GPS-Netz des US-Militärs unabhängig.

Die wichtigsten ESA-Missionen und was wir daraus gelernt haben

Die spannendsten Missionen der Zukunft

  • Die Mission zum sonnennächsten Planeten Merkur wird für die 2018 gestartete Raumsonde BepiColombo eine heiße Angelegenheit: Die Seite, die der Sonne zugewandt ist, erhitzt sich auf bis zu 350 Grad. Dafür wissen wir vielleicht bald, aus welchen Mineralen der Merkur besteht und ob sein Kern geschmolzen oder fest ist.
  • Die Raumsonde Solar Orbiter ist seit Januar 2020 auf dem Weg zur Sonne. Der Knaller: Mit zahlreichen Vorbeiflügen an der Venus soll sie sich in die "Höhe" katapultieren - und erstmals Bilder der Sonnenpole schießen.
  • Marsmännchen gibt es wohl nicht. Aber vielleicht hat ja mal irgendwas in der Vergangenheit auf dem Mars gelebt. Deswegen wird der ExoMars Rover noch in diesem Jahr zum roten Planeten reisen. Dort angekommen, soll er zwei Meter tief bohren, um nach den Überresten von organischem Material zu suchen.
  • Das James-Webb-Weltraumteleskop wird ab 2021 nach dem Licht der ersten Sterne suchen. Damit soll der Nachfolger des legendären Hubble-Teleskop erklären, wie Galaxien unmittelbar nach dem Urknall entstanden sind.

ESA: Katastrophen und Rekorde

  • 💥

    Der erste Start einer Ariane-5-Rakete endete in einer riesigen Explosion. Sie geriet außer Kontrolle, weil ein Teil der Software ungeprüft von der Vorgängerrakete übernommen worden war. Trümmer der abgestürzten Rakete dienten anschließend als Hühnerstall.

  • 🥇

    Der italienische Raumfahrer Luca Parmitano hält mit 366 Tagen derzeit den ESA-Rekord für die am längsten im All verbrachte Zeit. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen zwei Deutsche: Alexander Gerst (362) und Thomas Reiter (350).

  • 🛰

    Der größte Satellit der ESA war der 2002 gestartete Envi-Sat. Der acht Tonnen schwere, 2,3 Milliarden Euro teure Satellit überwachte bis zu seinem abrupten Ausfall zehn Jahre lang Ozeane, Kontinente und Klima. Seither macht er der ESA als Rekord-Weltraumschrott eher Sorgen.

Warum die ESA ihre Raketen in Südamerika und nicht in Europa startet

Ariane 5


Ein Raketenstartplatz mitten im Dschungel - und weit entfernt von Europa
© ESA

 

Europäische Raketen wie die Ariane 5 starten von Kourou aus. Die Stadt liegt in Französisch-Guyana - nahe des Äquators.

Warum von dort? Je näher eine Rakete am Äquator startet, desto weniger Energie verbraucht sie und desto mehr Last kann sie in den Weltraum transportieren.

Denn: Um eine stabile Umlaufbahn um die Erde zu erreichen, müssen Raketen auf mindestens 7,91 Kilometer pro Sekunde beschleunigen, gut 28.000 Stundenkilometer.

Startet eine Rakete in derselben Richtung, wie sich die Erde dreht, bekommt sie deren Rotationsgeschwindigkeit on top. Und am Äquator ist diese mit 465 Meter pro Sekunde am Höchsten.

Veröffentlicht: 01.03.2020 / Autor: Peter Schneider

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