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Frage des Tages: Wer bestimmt, wie Sterne, Planeten und Co. heißen?

Saturn, Neri oder 199P/Shoemaker: Die Namen der Himmelskörper sind vielfältig und wirken auf den ersten Blick willkürlich. Dahinter stecken strenge Regeln. Welche? Das erfährst du hier.

Das Wichtigste zum Thema Benennung von Himmelskörpern

  • Offiziell ist die Internationale Astronomische Union (IAU), ein Zusammenschluss von professionellen Astronomen aus aller Welt, für die Namensgebung zuständig.

  • Die 8 Planeten unseres Sonnensystems wurden bereits von den antiken Hochkulturen benannt und tragen deshalb mythologische Namen römischer und griechischer Götter (Mars, Venus, Jupiter, Saturn, Merkur, Neptun, Uranus).

  • Nur die Erde ist nicht nach einer Gottheit benannt. Ihr Name bedeutet einfach Boden (Terra).

  • Die Menschen entdecken mit fortschreitender Technik immer mehr Sterne, Kometen und Kleinplaneten. In den vergangenen hundert Jahren stieg die Anzahl der identifizierten Objekte von Hunderten auf über eine Milliarde - und alle brauchen Namen oder zumindest Nummern.

  • Je nach Art des Himmelskörpers gibt es verschiedene Regeln für die Namensgebung. Welche das sind, wird im folgenden Interview erklärt.

Prof. Joachim Wambsganß, Direktor des Astronomischen Rechen-Instituts und Mitglied der IAU-Auswahlkommission

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    Die hellen, mit bloßem Auge erkennbaren Sterne wurden erstmals von antiken Hochkulturen benannt. Später wurden Sterne innerhalb der Sternbilder mit griechischen Buchstaben nach Helligkeit nummeriert.

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    Das griechische Alphabet hat 24 Buchstaben und spätestens seit der Erfindung des Teleskops reicht das nicht mehr aus. Deshalb bekommen Sterne heute keine Namen mehr, sondern Katalognummern mit ganz genauen Koordinaten.

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    Kometen werden hingegen nach ihrem Entdecker benannt. So gibt es zum Beispiel einige Kometen, die "Shoemaker" heißen - benannt nach der amerikanischen Astronomin und Komentenentdeckerin Carolyn Shoemaker.

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    Bei Asteroiden, sogenannten Kleinplaneten, darf der Entdecker einen Namen vorschlagen. Manche verbinden dies mit einer persönlichen Widmung. So kommt es, dass einige Kleinplaneten Frauennamen tragen. Es gibt aber auch Asteroiden-Namen wie "James Bond" oder "Mannheim". Zwischen Mars und Jupiter gibt es auch einen Kleinplaneten namens "Wambsganß".

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    Der Blick in den Sternenhimmel berührt viele Menschen, daher ist die IAU dazu übergegangen, die Öffentlichkeit in ihre Arbeit einzubeziehen. Zu ihrem 100-jährigen Bestehen lud die IAU 112 Länder ein, jeweils einen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems und einen dazugehörigen Stern zu benennen.

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    In Deutschland durften Schulklassen Namen für die beiden Himmelskörper HD32518 und HD32518b vorschlagen. Unsere Auswahlkommission wählte aus den Vorschlägen jeweils 5 Namen aus, über die dann online abgestimmt werden konnte. Das Ergebnis: Der Stern bekam den Namen Mago, der Planet heißt Neri.

Nach diesen Regeln benennt die IAU astronomische Objekte im All

  • Namen, die das astronomische, natürliche und kulturelle Erbe wahren, werden bevorzugt.

  • 4 bis 16 Zeichen und lieber kurz als lang.

  • in vielen Sprachen leicht auszusprechen.

  • nicht anstößig.

  • nicht zu ähnlich zum Namen eines anderen Himmelskörpers.

  • erfundene Namen oder Namen von Personen werden eher gemieden.

  • Namen historischer Ereignisse, kommerzielle Namen sowie Haustiernamen sind verboten.

Kann man Sterne kaufen, um sie selbst zu benennen?

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    Einige Unternehmen bieten sogenannte Sterntaufen oder sogar Grundstücke auf anderen Planeten an.

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    Dabei wechseln fiktive Urkunden für hohe Summen den Besitzer.

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    Solche ''Namen'' haben aber keinerlei formale oder offizielle Gültigkeit.

Veröffentlicht: 07.03.2020 / Autor: Anna Ullrich

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