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Mondgestein: Warum die Forscher so scharf darauf sind

Mondgestein auf die Erde zu transportieren, kostet Milliarden - ist für die Wissenschaft aber von unschätzbarem Wert. Denn damit lassen sich die großen Fragen des Sonnensystems klären.
Apollo-17-Astronaut Harrison Schmidt untersucht einen besonders großen Felsen auf dem Mond

Das Wichtigste zum Thema Mondgesteine

  • Geologen sind begeistert: Die chinesische Mondsonde Chang’e 5 hat fast 2 kg Mondgestein gesammelt und zur Erde transportiert. Der Auftakt für eine ganze Reihe von Mond-Missionen in den kommenden 10 Jahren.

  • Bisher gab es nur Proben von Apollo-Astronauten"", sowjetischen Raumsonden und Meteoriten**.

  • Material vom Mond ist mit das Kostbarste, was die Wissenschaft kennt. Mit ihm lässt sich mit nicht nur die Geschichte des Monds, sondern auch der Erde und des Sonnensystems aufklären.

  • Wegen seiner Seltenheit gibt es immer wieder Versuche, es zu stehlen. Diebe versprechen sich Millionengewinne auf dem Sammlermarkt.

  • Frisches Mondgestein ist begehrt, weil es unverfälscht ist. Mond-Meteoriten hingegen glühen bis zur Weißglut auf, wenn sie durch die Erd-Atmosphäre fallen. Keine gute Voraussetzung für eine Untersuchung.

  • Der Hauptteil der bröckeligen Mondproben lagert in NASA-Tresoren, auf Armeestützpunkten und als Besucher-Attraktionen in Museen.

Das größte Stück Mond auf der Erde

Der bisher größte vom Mond stammende Stein wiegt 11,7 kg und nennt sich „Big Muley“. Kurios: Übersetzt bedeutet das „ohne Hörner“. Aber es ist nur ein Ehren-Spitzname. Der Brocken wurde nach William Muehlberger benannt, dem Chefgeologen der Apollo-16-Mission vom April 1972.

Deshalb ist Mondgestein so wichtig für die Wissenschaft

Die Entstehug des Monds


Der Mond entstand, als ein großer Asteroid die Erde traf und ein riesiges Stück aus ihr herausschlug. Daher ist die Zusammensetzung von Mond und Erde sehr ähnlich.
© NASA

"Gesteinsproben auf dem Mond enthalten den Schlüssel zur Entstehungsgeschichte von Erde und Mond", sagt Matthias Maurer, der nächste deutsche Astronaut und zugleich Manager des Mond-Testzentrums in Köln.

Da unser Trabant sehr wahrscheinlich aus einem Zusammenstoß der Urerde mit einem Mars-großen Himmelskörper entstanden ist, ist seine chemische Zusammensetzung der heutigen Erde sehr ähnlich.

Mondgestein auf der ISS


Große Bedeutung für die Wissenschaft: Eine Mondprobe erinnert die Astronauten sogar auf der ISS an die Apollo-Landungen.
© NASA

Der Mond ist heute aber immer noch so, wie die Erde einmal war. Denn während auf der Erde alle Gesteine im Laufe der Zeit umgewandelt werden, sind Mondgesteine und ihre Minerale quasi in ihrem Urzustand eingefroren. Wie in einem Buch können Wissenschaftler im Mondgestein nachschauen, wie die Erde vor mehr als 3 Milliarden Jahren aussah.

Unbezahlbarer Schatz vom Mond

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    2018 wurde bei Sotheby’s eine nur 0,2 Gramm leichte Mondprobe von Luna 16 für umgerechnet knapp 700.000 Euro versteigert. Das ergäbe einen Kilopreis von fast 5 Milliarden Euro!

  • 👮

    Tatort NASA: 2002 klauten Praktikanten einen über 200 kg schweren Safe mit Apollo-Proben. Als die Studenten die Mondproben jedoch verkaufen wollten, gingen sie den als Käufer getarnten FBI-Agenten in die Falle. Glück für die Diebe: Sie bekamen nur 3 Jahre auf Bewährung.

  • 🧑‍🔬

    Der Großteil der Mondproben ist noch unberührt. Weil die Analysegeräte ständig besser werden, hat die NASA bis heute fast 300 der insgesamt 382 Kilo Apollo-Proben für die Zukunft zurückgelegt. Jedes Jahr werden ein paar Kilo zerteilt und an Wissenschaftler verteilt.

  • 💂‍♂️

    Fort Knox der NASA: Die meisten Mondgesteine werden in einem gepanzertem Tresorraum der NASA in Houston aufbewahrt. Zur Sicherheit lagert ein weiterer Teil auf einem Stützpunkt der US-Luftwaffe.

  • 🎁🌕

    Nach der letzten Landung auf dem Mond gossen die Amerikaner Mond-Krümel in Acrylgläser und verschenkten sie an 135 Nationen.

Das Wichtigste zum Thema Mondgesteine

  • Das meiste verfügbare Mondgestein stammt von den 6 Mondlandungen der US-Amerikaner und unbemannten Luna-Missionen der Sowjetunion. Die Apollo-Astronauten sammelten 382 kg. Die sowjetischen Sonden brachten nur 326 g zurück - etwa die Masse einer Flasche Bier.

  • Die USA schickten nicht nur den ersten Menschen zum Mond. Sie gewannen auch das Rennen um die erste Mondprobe. Die Sowjetunion schaffte es erst 1970 mit Luna 16. Tragisch: Beim ersten Versuch versagte die Rakete, beim zweiten zerschellte die Sonde auf dem Mond - nur einen Tag nach der Landung von Apollo 11.

  • Im Vergleich zu den sowjetischen Sonden haben die Chinesen nicht gekleckert: Die Chang’e-5-Sonde brachte ''1.731 Gramm** Mondstaub- und Gesteinsproben zur Erde.

  • Mondmeteoriten sind vergleichsweise selten. Bisher sind etwa 400 Funde registriert - das ist viel weniger Material als die Apollo-Missionen mitgebracht haben.

  • In den Mondproben haben Wissenschaftler Minerale gefunden, die sie von der Erde noch gar nicht kannten: Tranquillityit zum Beispiel ist nach dem Meer der Ruhe benannt, der Region, in der die Apollo-11-Astronauten landeten.

Apollo-Astronaut Harrison Schmidt findet orangefarbene Steine

Nach all dem Grau auf dem Mond freut sich Schmidt im Dezember 1972 über seine farbige Entdeckung. Die orange-farbene Masse bestand hauptsächlich aus (natürlichen) Vulkanglas-Splittern.

Was weißt du über den Mond?

Veröffentlicht: 25.12.2020 / Autor: Peter Schneider