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Kein Empfang? Vielleicht ist ein Sonnensturm schuld!

Sonnenstürme lassen auf der Erde elektronische Geräte verrückt spielen und können sogar die Energieversorgung bedrohen. Was hat es mit diesem Phänomen auf sich?
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Das Wichtigste zum Thema Sonnenstürme

  • Von der Sonne geht ständig ein "Sonnenwind" aus geladenen Teile aus. Starke Eruptionen auf der Sonnenoberfläche wirken wie Schockwellen in diesem Wind. Erreichen sie die Erde, lösen sie dort einen Sonnensturm aus.

  • Als Folge fallen Bordcomputer von Satelliten aus - und damit auch TV- und Telefonübertragungen auf der Erde.

  • Die Erde ist durch ihr Magnetfeld geschützt. Dieses hat aber an den Polen quasi ein Loch. Im Norden laden sich dann manchmal sogar Telefon- und Stromleitungen auf und legen ganze Stromnetze lahm.

  • Etwa alle 11 Jahre ist die Sonne besonders aktiv. Dann bilden sich vermehrt dunkle Sonnenflecken, aus denen Eruptionen hervorschießen.

  • Nicht alle Eruptionen lösen Sonnenstürme aus. Die Erde ist verglichen mit der Sonne winzig - vieles rauscht einfach an ihr vorbei.

Was passiert bei einem Sonnensturm?

Kommen die geladenen Teilchen von starken Sonneneruptionen bei der Erde an, können Sie Satelliten und Stromnetze lahmlegen.

Sonnenstürme und ihre Folgen

  • 🏃

    Die Astronauten in der Internationalen Raumstation 400 Kilometer über der Erde müssen für die Dauer eines Sonnensturms in einen Schutzraum flüchten.

  • ☮️

    Im Mai 1967 fielen gleichzeitig drei Radaranlagen des US-Militärs aus. Man befürchtete einen Angriff der Sowjetunion. In letzter Sekunde machten Forscher einen Sonnensturm als Ursache aus.

  • 🎯

    1972 brach ein Mega-Sonnensturm genau zwischen den Missionen Apollo 16 und 17 aus und verfehlte die Astronauten nur um wenige Monate. Die Strahlung hätte die Gesundheit der Besatzung bedroht.

Kann man Sonnenstürme vorhersagen?

Acht Minuten für den Blitz, ein Tag für den Sturm

Das erste Zeichen eines Ausbruchs, ein gewaltiger Blitz aus Röntgenstrahlenreist mit Lichtgeschwindigkeit durch den Raum und erreicht die Erde in acht Minuten.

Satelliten messen dann Richtung und Geschwindigkeit der Teilchenmassen, woraus Forscher berechnen, ob sie die Erde treffen und dort einen Sonnensturm auslösen können.

Falls der Ausbruch tatsächlich in unsere Richtung zeigt, erreichen die Teilchen schon nach ein bis zwei Tagen die Erde.

Auf der Suche nach Sonnenflecken

Sonnenforscher wissen zudem, dass die Eruptionen immer dann auftreten, nachdem sich dunkle Flecken auf der Sonne gebildet haben.

Problem: Sie wissen nicht, wann und wo die Flecken auftauchen.

Daher fliegt die Raumsonde Solar Orbiter seit Januar 2020 Richtung Sonne. Sie soll das unter anderem das Geheimnis der Sonnenflecken aufklären und so eine langfristige Weltraumwettervorsage möglich machen.

Warum Satelliten so wichtig für uns sind

  • Die Route zum nächste Coffee-to-go-Shop ist nur zwei Klicks entfernt sein. Aber was nur Wenige wissen: Ohne die 32 amerikanischen GPS-Satelliten in 20.200 km Höhe über der Erde bliebe die Suche nach dem perfekten Latte erfolglos.

  • Das Traumtor von Mario Götze in Rio hätte ohne die busgroßen Kommunikationssatelliten weit draußen im All in Europa keiner mitbekommen. Naja, vielleicht ein paar Tage später.

  • 🕵

    ️Die Rodung der Regenwälder, illegale Fischer, das Abschmelzen der Gletscher: Klimaforscher können bei ihrer Arbeit auf die Späher im All nicht mehr verzichten.

  • 🌐

    SpaceX baut nicht nur Raketen, sondern auch Satelliten: Schon bald werden Tausende davon die entlegensten Gebiete der Erde ans High-Speed-Internet anschließen.

  • 🌦

    Grillen oder Kino? Vor allem in Norddeutschland eine berechtigte Frage. Ohne Wettervorhersage per Satellit würde so manche Party unerwartet ins Wasser fallen.

  • 💰

    Jedes Mal, wenn wir jemandem Geld überweisen, wird über Satellit genau registriert, wann es Geld losgeschickt wird - und wann es ankommt. Ohne diese exakte Zeitmessung würde der globale Zahlungsverkehr nicht funktionieren.

  • Nicht nur vor Regen, auch vor schlechtem Weltraumwetter sollen uns Satelliten künftig schützen. Flugzeuge würden dann Routen im hohen Norden und über den Nordpol vermeiden, um den Ausläufern von Sonnenstürmen zu entgehen.

Wie unser Magnetfeld die Erde schützt und wie dabei die Polarlichter entstehen

Die Sonne: Kraftwerk für das Sonnensystem

  • Die Sonne hat einen Durchmesser von fast 1,4 Millionen Kilometern und eine Masse von 1,989 x 10hoch30 Kilogramm. Heraus kommt eine Zahl mit 30 (!) Nullen. Etwas anschaulicher: das ist 333.000 mal mehr als die Erde.

  • Die Sonne strahlt das ganze Spektrum an Wellenlängen aus, daher ist sie weiß. Da unsere Atmosphäre einen großen Teil des kurzwelligen UV-Lichts herausfiltert, erscheint sie aber ein wenig gelb. Der verblieben Rest an UV-Strahlung lässt Pflanzen wachsen … und verursacht Sonnenbrand.

  • In der Sonne verbrennt Wasserstoff zu Helium, wobei enorme Energien freiwerden. Auf der Erde kennen wir die als Kernfusion genannte Reaktion als Wasserstoffbombe. An einem Kraftwerk mit diesem Prinzip arbeiten die Forscher noch. Das Gegenteil ist die Kernspaltung, bei der große Atomkerne wie Uran oder Plutonium zerfallen. Sie wird für Atomkraft und Atombomben genutzt.

  • Da die Sonne Hitze abstrahlt, wird sie allmählich leichter. Denn nach Albert Einsteins berühmter Formel E = mc2 sind Masse und Energie das gleiche in unterschiedlicher Form. Die Sonne wir aber wohl kaum magersüchtig. Wissenschaftler haben errechnet, dass sie noch Brennstoff für 4,5 Milliarden Jahren hat. In dieser Zeit wird sie nur 60.000.000.000.000‬ Billionen Tonnen abnehmen, das ist als würde ein 70 Kilo schwerer Mensch 21 Gramm verlieren.

Veröffentlicht: 10.03.2020 / Autor: Peter Schneider