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Ermittler im Weltall: Satelliten helfen bei der Verbrecher-Jagd

Polizisten und Richter nutzen Satellitenbilder immer häufiger, um Verbrechen aufzuklären - vor allem dort, wo sich die Übeltäter unbeobachtet glauben.
Moderne Erdbeobachtungssatelliten erreichen eine Auflösung von bis zu 30 Zentimetern.

Das Wichtigste zum Thema Satellitenbilder

  • Satellitenbilder werden in der Kriminaltechnik immer häufiger genutzt, um vermisste Personen zu suchen und Verbrechen zu beweisen.

  • Mittlerweile umrunden so viele Erdbeobachtungssatelliten die Erde, dass es von vielen Orten fast täglich neue Bilder gibt. So lassen sich Kriminelle zeitnah entdecken - und verfolgen.

  • Satellitenbilder werden zunehmend automatisch und systematisch mit künstlicher Intelligenz nach bestimmten Auffälligkeiten ausgewertet. So lassen sich Verbrechen entdecken, die sonst womöglich niemand bemerkt hätte.

  • Zu der Tageszeit, in der am meisten Verbrechen verübt werden, sind Erdbeobachtungssatelliten nutzlos. Da die Sonne nur eine Hälfte der Erde bescheint, bleibt die andere naturgemäß im Dunkeln. Während Satelliten über die Nachtseite der Erde fliegen, bleiben fotografische Kameras blind.

  • Das Problem: Mit Satelliten lassen sich nicht nur Verbrechen verfolgen, sondern auch Menschen überwachen. Das ist vor allem in Ländern mit autoritären Regierungen ein Problem.

Die Leiche von William Moldt blieb über 20 Jahre in einem Autowrack verborgen. Erst Satellitenaufnahmen offenbarten, dass es unterhalb der Wasseroberfläche in einem See lag.

Hier sind die Weltraum-Schnüffler schon im Einsatz

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    Seit 2016 dürfen Kalifornier über 21 Jahre legal Marihuana konsumieren. Seitdem schießt im ganzen Land Hanf aus dem Boden - allerdings auch illegal. Mitarbeiter des Humboldt County wollten nicht mehr den ganzen Landkreis abfahren. Stattdessen suchen sie nun per Satellit nach illegalen Plantagen. Damit deckten sie 2018 rund 800 Fälle auf - im Jahr zuvor waren es noch 100 gewesen.

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    Nasses Grab: 2019 wollte ein US-Amerikaner mit Google Earth sein ehemaliges Haus in Florida begutachten und entdeckte in einem anliegenden Teich die Umrisse eines Autos. Als die Polizei das verrottete Wrack aus dem Wasser zog, fanden sie darin die Leiche von William Moldt. Er war seit 22 Jahren vermisst worden.

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    Als die griechischen Finanzämter 2010 angesichts leerer Staatskassen nach reichen Steuer-Betrügern suchten, erlebten sie eine Überraschung. Im wohlhabenden Norden Athens hatten nur gut 300 Hausbesitzer angegeben, sie hätten einen Pool. Als die Steuerfahnder nachzählten, kamen sie auf fast 17.000.

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    Laut einer japanischen Studie sind wir der Welt vom Tom-Cruise-Blockbuster "Minority Report" näher als gedacht. Zwar nutzten die Forscher keine hellseherischen Medien, um Morde vorauszusehen. Aber Wissenschaftler fütterten ihre selbstlernenden Computer mit Tausenden Bildern von Gegenden mit hohen und niedrigen Kriminalitätsraten. Nach einer Weile könnten die Programme mit einer mehr 70-prozentigen Wahrscheinlichkeit vorhersagen, ob eine Gegend mit Verbrechen zu kämpfen hat. Angeblicher Nutzen: In armen Regionen ohne Verbrechens-Statistik weiß die Polizei, wo sie mehr patrouillieren sollte.

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    Der Nachbar verschiebt die Grenzen? Oder entsorgt seinen Müll in der Natur? Für die Weltraum-Detektive der Kanzlei Space Evidence kein Problem. Ein Anruf genügt - und sie melden sich innerhalb von 24 Stunden.

High vs. Hightech: Mit Hilfe von Satelliten suchen Ermittler nach illegalen Hanf-Plantagen

Auch mitten im Wald bleiben Illegale Marihuana-Plantagen nicht mehr unentdeckt.

Die Satelliten-Akte: Die spektakulärsten Falle der Weltraum-Späher

  • Der tropische Regenwald in Südamerika fällt illegalen Holzfällern meistens weit ab von besiedelten Gegenden zum Opfer. Wissenschaftler der US-Universität von Maryland und Google haben eine Software entwickelt, die für ausgewählte Dschungelgebiete automatisch erkennt, wenn dort Wald gerodet wird.

  • Weltweit werden für mehr als 20 Milliarden US-Dollar Fische illegal aus dem Meer geholt. Doch es wird schwieriger, sich in den Weiten des Ozeans zu verstecken. Das Überwachungs-System Kingfischer erkennt per Satellit nicht nur, ob es sich womöglich um ein schwarzes Fangschiff handelt. Es kann anhand der Kurs-Bewegungen auch seine Route voraussagen, so dass die Küstenwache die Fischerei-Piraten einfach einsammeln kann.

  • Noch schlimmer: Auf den illegalen Fangschiffen arbeiten häufig Sklaven. Journalisten der Nachrichtenagentur AP verfolgten per Satellitenbilder 2014/2015 in Südostasien die Routen solcher Menschenhändler. Ihre Arbeit führte dazu, dass die indonesische Polizei mehr als 2.000 Arbeitssklaven befreien konnte.

  • Selbst wenn sich Kriegsverbrecher sicher wähnen, weil sie alle Zeugen umbringen: Die Späher im Weltraum lassen sich nicht beseitigen. Als bosnische Serben den Mord an 8.000 muslimischen Mitbürgern einfach leugneten, präsentierte der US-Geheimdienst Satellitenbilder von Massengräbern und Opfern, die sich vor ihrer Ermordung vor den Gräbern aufstellen müssen. Seitdem werden zahlreiche Kriegsverbrechen mit Bildern belegt, etwa die Zerstörung von Dörfern im Sudan.

  • Anfang 2019 gab es einen Aufschrei unter Wal-Schützern. Russische Unternehmen hatten 11 Killer-Wale und 87 Beluga-Wale gefangen. Auf Satellitenaufnahmen war zu sehen, wie die Meeressäuger in einer Art Wal-Gefängnis festgehalten wurden, um an Meeres-Aquarien verkauft zu werden. Happy End: Bis Ende November sollen alle Tiere wieder in die Freiheit entlassen worden sein.

Ernster Verdacht: Ist Corona in China früher ausgebrochen als bisher gedacht?

Satellitenbilder chinesischer Krankenhausparkplätze

Krankenhaus-Parkplätze in China waren wegen des Corona-Virus möglicherweise schon im Oktober voller als gewöhnlich.

Falls sich bestätigt, was aus dem All auf den Parkplätzen von chinesischen Krankenhäusern zu sehen war, dürfte es noch einigen internationalen Ärger geben. Forscher des renommierten Boston Children's Hospital haben auf Satellitenbildern nachgezählt, wie viele Autos vor chinesischen Krankenhäusern in den vergangenen Monaten standen.

Ergebnis: Es parken dort viel mehr Autos als üblich, und zwar schon im Herbst und nicht erst im Winter.

Vorher-nachher-Bilder aus Wuhan, China


Früherer Corona-Ausbruch: Satellitenbilder haben die chinesische Regierung womöglich der Lüge überführt. Hier zu sehen: die Auswirkungen des Lockdowns in der chinesischen Stadt Wuhan am 12. und 28. Januar 2020.
© Planet Labs Inc.

 

Der massenhafte Ausbruch des Sars-CoV-2-Virus könnte also schon viel früher passiert sein, als die chinesische Regierung immer behauptet. Verstärkt wird dieser Verdacht dadurch, dass in dieser Zeit viel mehr Chinesen im Internet nach den Begriffen "Husten" und "Durchfall" suchten. Beides sind Symptome bei einer Infektion mit der Covid19-Erkrankung, verursacht durch den Corona-Virus. Die Studie wird derzeit noch von anderen Wissenschaftlern geprüft.

Sind die Späher ein Segen für die Menschen?

Veröffentlicht: 28.06.2020 / Autor: Peter Schneider