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Bikini-Atoll: Früher Atombomben-Testgebiet, heute Taucherparadies

Über 20 Atombomben detonierten im Bikini-Atoll. Bis heute ist das Gebiet unbewohnbar. Dennoch zieht es Touristen dorthin: Extremtaucher. Die etlichen versenkten Schiff- und Flugzeugwracks sind ein beliebter Tauchhotspot.
Teaserbild: Bikini-Atoll: Früher Atombomben-Testgebiet, heute Taucherparadies

Das Wichtigste zum Thema Bikini-Atoll

  • Das Bikini-Atoll liegt im nördlichen Teil der Marshallinseln. Diese befinden sich etwa 12° nördlich des Äquators und rund 4.000 Kilometer östlich der Philippinen - mitten im Pazifischen Ozean.

  • Die Landfläche aller Inseln, die zu dem kleinen Atoll gehören, beträgt nur 6 Quadratkilometer - das entspricht 840 Fussballfeldern.

  • Zwischen 1946 und 1958 machte die damalige US-Regierung auf den Marshallinseln 67 Atomwaffentests - mehr als 20 davon im Bikini-Atoll. Dabei wurde das Gebiet verstrahlt.

  • Die ersten Kernwaffentests fanden auf dem Atoll statt. Der sogenannte Bravo-Test hatte eine Sprengkraft, die tausend Mal größer war als die der Atombombe von Hiroshima.

  • Bei den Tests wurden auch mehrere Schiffe und Flugzeuge versenkt. Sie sind heute beliebte Ziele von Extremtauchern. Bewohner gibt es dagegen keine mehr.

  • Fun Fact: Der 2-teilige Bikini-Badeanzug wurde nach dem Atoll benannt.

So sieht das Bikini-Atoll aus

Das Bikini-Atoll ist eine umschlossene Lagune, die 40 Kilometer lang, 24 Kilometer breit und bis zu 60 Meter tief ist. Die Fläche umfasst knapp 600 Quadratkilometer.

Die größten Inseln sind Bikini (2,90 Quadratkilometer) und Enyu (1,23 Quadratkilometer).

Vor den Atombombentests lebten 167 Bikianer auf den Inseln. Sie alle wurden auf das kleinere Rongerik-Atoll umgesiedelt.

Das Bikini-Atoll von oben


Das Bikini-Atoll von oben
© Nasa

Zu welchem Land gehören die Inseln?

Das Bikini-Atoll gehört zu den Marshallinseln. Die wurden im 19. Jahrhundert vom Deutschen Kaiserreich in Beschlag genommen und waren seit 1906 offiziell Teil der Kolonie Deutsch-Neuguinea.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen die USA die Inseln unter ihre Fittiche, um dort Atomtests durchzuführen. Heute sind die Marshallinseln als Republik unabhängig. Sie zählen zu den kleinsten Staaten der Erde.

Atomtests auf den Marshallinseln

Tauchen extrem: Das Bikini-Atoll hat es in sich

Seit 1996 ist das Areal für Touristen freigegeben. Zuvor war es jahrzehntelang wegen der Kernwaffentests für Zivilisten gesperrt. Schnell entwickelte sich das Bikini-Atoll zu einem echten Hotspot für Taucher.

Allerdings hat dies seinen Preis: Ein Trip kann gut 15.000 Euro kosten. Direkt kannst du das Atoll nämlich nicht anfliegen. Expeditionsschiff lautet hier die Devise.

Etwa 90 Schiffe, Boote und Flugzeuge, die seit den Atomtests auf dem Meeresboden liegen, sorgen dafür, dass sich eine spektakuläre Unterwasserwelt mit mehr als tausend Fischarten - darunter viele Haie - entwickelte. Im Juli 2010 wurde das Atoll zudem zum UNESCO-Welterbe ernannt.

Bikini-Atoll


Eine einzigartige Unterwasserwelt hat sich rundum das Bikini-Atoll gebildet
© Picture Alliance / imageBROKER

 

Abenteuerlustige Taucher können unter anderem die Wracks des Flugzeugträgers USS Saratoga, des japanischen Schlachtschiffs Nagato und des deutschen Kriegsschiffs Prinz Eugen erkunden.

Doch du solltest Vorerfahrung in Sachen Tauchen mitbringen: Die Wracks befinden sich in einer durchschnittlichen Tiefe von 30 bis 55 Meter. Der flachste Tauchplatz des einzigartigen Schiffsfriedhofs liegt in 23 Metern Tiefe.

Veröffentlicht: 08.08.2020 / Autor: Benjamin Reibert