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Strahlende Aussicht - mach Urlaub in Tschernobyl

Erholen am Reaktor? Urlaub in Tschernobyl? Wie sicher ist das? Was erlebst du in der radioaktiven Sperrzone? Wir haben uns mal umgesehen.
Teaserbild: Strahlende Aussicht - mach Urlaub in Tschernobyl

Das Wichtigste zum Thema Urlaub in Tschernobyl

  • Seit 2019 kannst du einen Blick auf das Epizentrum der Katastrophe werfen: den Reaktor 4. Dabei wird dir aber nur ein kurzer Aufenthalt gestattet, um die Strahlenbelastung möglichst gering zu halten.

  • 2018 besuchten über 70.000 Menschen die Sperrzone, mehr als die Hälfte kamen aus dem Ausland. Nun möchte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski Tschernobyl zu einem wahren touristischen Magnet machen.

  • Bei nahezu jeder Tour steht der neue Sarkophag, der die Reaktor-Ruine für 100 Jahre hermetisch abschirmen soll, auf dem Programm.

  • Seit zwei Jahren sind auch Übernachtungen in Tschernobyl möglich. 2017 hat dort ein Hostel eröffnet. Willst du in einem der Ein- bis Drei-Bett-Zimmer schlafen, brauchst du eine Genehmigung der Verwaltung.

  • Besonders gefährlich ist der radioaktive Staub. Wirbelst du den auf, bist du einer hohen Strahlung ausgesetzt. Um den Staub am Boden zu halten, werden Chemikalien versprüht.

Was beim Super-GAU in Tschernobyl geschah ...

Am 26. April 1986 ereignete sich die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Dabei kam es zu einer Kernschmelze im Reaktor 4. Durch eine Explosion ist Radioaktivität in große Höhen gelangt und anschließend über nahezu ganz Europa heruntergegangen.

Rund um den Unglücksort liegt ein Sperrgebiet mit einer Fläche von etwa 2.800 Quadratkilometern. Zum Vergleich: Das Saarland hat eine Fläche von 2.570 Quadratkilometern.

So sieht es in Tschernobyl heute aus

Gut zu wissen:

  • 🍾

    Atomik Wodka: Ukrainische und britische Wissenschaftler haben Schnaps gebrannt. Das Getreide stammt aus der Todeszone rund um Tschernobyl. Obwohl in dem Getreide Radioaktivität gemessen wurde, blieb nach dem Destillationsprozess nichts davon übrig. Die Forscher planen, 75 Prozent der Gewinne aus dem Verkauf den Einheimischen zukommen zu lassen - sobald sie mit der (Massen)produktion begonnen haben.

  • 🍄

    33 Jahre nach der Katastrophe sind die Auswirkungen immer noch zu spüren: Dem Bundesamt für Strahlenschutz zufolge weisen bestimmte Pilzarten in Bayern (u.a. Semmel-Stoppelpilze oder Elfenbein- und Braunscheibige Schnecklinge) eine starke Strahlenbelastung von 2.400 Becquerel auf. Zum Vergleich: Wildpilze aus dem Supermarkt dürfen 600 Becquerel pro Kilogramm Frischmasse nicht überschreiten.

Ab wann ist Strahlung schädlich?

  • 💥

    Bei Werten ab 1 Sievert (Sv) treten akute Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall auf. Bei mehr als 3 liegt die Sterblichkeit ohne medizinische Behandlung bei 50 Prozent, bei über 8 bestehen kaum noch Überlebenschancen.

  • ✈️

    Wer in Deutschland lebt, ist einer Dosis von etwa 4 Milli-Sivert (mSv) pro Jahr ausgesetzt. Bei einer Röntgenaufnahme wirken 0,01 bis 0,03 mSv auf den Körper, bei einem Langstreckenflug bis zu 0,1 mSv.

Veröffentlicht: 24.10.2019 / Autor: Daphne Strain