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Die wilde Bunker-Welt von Albanien - und ihr dunkles Geheimnis

Albanien hat die meisten Bunker der Welt. Warum das so ist - und was es sonst noch im wilden Osten zwischen Meer und Bergen zu entdecken gibt.
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Das Wichtigste zum Thema Bunkerland Albanien

  • Die Bunker in Albanien entstanden in den 1970er- und 1980er-Jahren. Sie sollten der Verteidigung der damaligen Sozialistischen Volksrepublik Albanien dienen - im Fall einer Invasion feindlicher Truppen.

  • Das Konzept: 1 Bunker für je 4 Albaner - bei einer Bevölkerungszahl von 750.000. Jedem Bürger war ein pilzförmiges Bauwerk zugeteilt, das er bei einem Angriff aufzusuchen hatte.

  • Eine 2014 aufgetauchte Liste belegt, dass von 1972 bis 1983 tatsächlich 173.371 Bunker errichtet wurden. Die Hauptbauphase erstreckte sich allerdings bis 1984, so dass man von einer noch größeren Anzahl ausgeht.

  • Unzerstörbar? Der Chefkonstrukteur hat das - zumindest der Legende zufolge - selbst getestet. Wie? Er saß im Bunker, während Panzer darauf feuerten. Nach dem erfolgreichen Experiment sei die Produktion in Serie gegangen.

  • Inzwischen wurden einige Bunker umfunktioniert: zu Wohnstätten, Material-Lagern, Ställen. Andere beherbergen Cafés, Shops oder ein Tattoo-Studio. Liebespaare nutzen die "Betonpilze" für Dates.

Ein Ausflug in einen albanischen Bunker - Wäre das was für dich?

Bunk‘Art: Geschichtsträchtige Kunst im Bunker

Am Führerbunker baute die albanische Armee 6 Jahre lang. In einen Berg vor der Hauptstadt Tirana sprengten, bohrten, meißelten die Soldaten 5 Etagen mit über 100 Räumen.

Seit 2014 beherbergt das "Objekt 0774" ein Museum. Bunk'Art 1 erinnert an die kommunistische Herrschaft von 1944 bis 1990 und zeigt den Alltag der Albaner zu dieser Zeit.

2016 eröffnete im Stadtzentrum Bunk'Art 2. In der ehemaligen unterirdischen Schutzanlage des Innenministeriums bekommt man einen Einblick in die Machenschaften der damaligen Geheimpolizei ("Sigurimi").

Gruselig: Im nachgebauten Verhörkeller flackern Lampen, und an der Wand hängt eine Tafel mit 36 verschiedenen Foltermethoden.

Und hier gibt's schon mal einen virtuellen Einblick

Dark Tourism: Reisen in eine dunkle Vergangenheit

Gänsehaut inklusive: "Dark Tourism" bezeichnet die Besichtigung von Orten, an denen Tragödien geschehen sind. Schauplätze, die mit Tod, Leid, Verbrechen, Zerstörung, Katastrophen oder anderweitigem Unglück in Verbindung stehen - vom Gefängnis bis zum Schlachtfeld.

Beliebte Ziele von Anhängern des "Schwarzen Tourismus'" sind beispielsweise Ground Zero in New York, Tschernobyl in der Ukraine oder Medellin in Kolumbien, die Heimatstadt von Drogenboss Pablo Escobar.

Gar nicht düster: Albanien hat auch schöne Seiten

Travel-Tipps: Was man über Albanien wissen muss

  • 💶

    Schnäppchen-Urlaub: Die Lebenshaltungskosten sind in dem südosteuropäischen Staat laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung nur etwa halb so hoch wie in Deutschland. Die Landeswährung ist der Lek, aber auch mit Euro kann man vielerorts bezahlen.

  • 🙃

    Nicht falsch verstehen! Wenn Einheimische nicken, den Kopf nach oben und unten bewegen, ist das keine Bejahung. Das Nicken bedeutet "nein" - "jo" auf albanisch.

  • 🍲

    Zu den Spezialitäten zählen Tavë Elbasani (Auflauf mit Schafs- oder Lammfleisch) und Fli (geschichtetes Teiggericht mit Füllung). Getrunken wird gern Kaffee, Buttermilch, Bergtee und das Nationalgetränk Raki (Schnaps).

  • 🚌

    Mini-Busse bringen Besucher schneller ans Ziel als Überlandbusse. Die "Furgon" verkehren aber nicht nach Fahrplan, sondern starten dann, wenn sie voll sind.

  • 🏕️

    Wildes Campen ist erlaubt. Auf manchen Campingplätzen an der Küste kann man ein Zelt mit Matratze mieten und dazu Halb- oder Vollpension buchen.

Veröffentlicht: 04.08.2020 / Autor: Heike Predikant